Rhein-Neckar Löwen

Handball EHF-Generalsekretär Martin Hausleitner spricht über den Streit mit der Bundesliga, die Reform der Königsklasse und die Löwen

„Vereine werden sich hüten, Spiele abzuschenken“

Mannheim.Viel lief in den vergangenen Monaten schief zwischen der Europäischen Handball-Föderation (EHF) und der Handball-Bundesliga (HBL). Von den Terminproblemen waren vor allem die Rhein-Neckar Löwen betroffen. Im Interview sagt EHF-Generalsekretär Martin Hausleitner, wie es weitergehen soll.

Herr Hausleitner, auch in der neuen Champions-League-Saison werden sechs von acht Mannschaften die Gruppenphase überstehen. Ist das nicht langweilig?

Martin Hausleitner: Ein Wettbewerb bietet nicht nur immer spannende Spiele, das gilt für alle Sportarten. Jeder Wettbewerb hat aber das Ziel, dass er im weiteren Verlauf immer spannender wird. Und das ist bei der Champions League der Fall.

Trotzdem wirkt die Gruppenphase manchmal sehr zäh.

Hausleitner: Meiner Meinung nach haben alle Vereine mittlerweile gemerkt, wie wichtig eine vordere Platzierung in der Vorrunde ist. Den Clubs ist klar, dass sie nichts verschenken dürfen, damit sie eine gute Ausgangsposition für die K.o.-Runde und somit auch für das Erreichen des Final Four haben. Alle Vereine wissen, dass es um jedes Resultat geht. Darüber sind sich alle bewusst. Die Vereine werden sich deswegen hüten, Punkte als nicht wichtig zu erachten oder Spiele abzuschenken.

Zuletzt gab es gerade bei Terminfragen viele Unstimmigkeiten mit der HBL. Wie ist das Verhältnis?

Hausleitner: Es gab zuletzt Meinungsverschiedenheiten. Aber es geht jetzt nicht mehr um Schuldzuweisungen oder Probleme der Vergangenheit, sondern um Lösungen für die Zukunft, die im Sinne der HBL und der Champions League sind. Keine der zwei Organisationen hat den Handball erfunden – und es gibt auch keine Konkurrenz zwischen EHF und HBL. Das eine ist ein Europapokal, das andere eine nationale Liga. Beide Wettbewerbe können sehr gut nebeneinander existieren.

Und zwar ohne größere Probleme?

Hausleitner: Es gilt, den Terminkalender zu harmonisieren. Da gibt es Abstimmungsbedarf. Aber wir sind auf einem guten Weg. Es ist im Sinne aller, klare Richtlinien zu haben und zu wissen, wann was gespielt wird. Ich denke, dass wir schon ab der Saison 2019/20 zu gemeinsamen Lösungen kommen.

Wie sollen diese Terminkonflikte vermieden werden?

Hausleitner: Unser Ziel sind feste Spieltage in der Champions League. Damit einher geht aber auch die Verpflichtung der Vereine, dass sie an den vorgegebenen Tagen auch eine freie Halle haben. Dieser Punkt wird bei der künftigen Prüfung der Zulassungskriterien zur Champions League von immer größerer Bedeutung sein. Feste Spieltage sind der nächste Schritt in der Professionalisierung des Wettbewerbs. Damit werden wir 2019/20 beginnen und es danach vorantreiben. Das bedeutet aber auch: Ich kann als Verein nicht feste Termine fordern und dann um Ausnahmen bitten, wenn es nicht geht.

Wird die Champions League künftig nur noch am Samstag und Sonntag gespielt?

Hausleitner: Nein. Es muss nicht zwingend das Wochenende sein. Die Überlegungen gehen sogar eher in die andere Richtung.

Wie wird die Königsklasse ab 2020 aussehen? Von einer Europaliga mit zwölf Teams war die Rede.

Hausleitner: Nach aktuellem Stand wird es erst einmal keine Liga mit zwölf Teilnehmern geben. In der Saison 2020/21 wird es mit zwei Achtergruppen weitergehen. Danach werden wir mit dem Fernseh- und Vermarktungspartner evaluieren, wie es weitergeht.

Zur Saison 2019/20 hat die Bundesliga nur noch einen festen Startplatz in der Champions League. Früher waren es drei. Ist das die Strafe für die Streitereien?

Hausleitner: Nein, das ist keine Strafe. Wir als EHF sind nicht emotional. Wir müssen aber das Feld für die Zukunft bereiten. Es geht darum, Startplätze für die Champions League am europäischen Markt verteilen zu können. Das war eine Grundbedingung der Vermarkter. Wenn wir zum Beispiel künftig den Wettbewerb auf zwölf Teilnehmer reduzieren, können wir nicht zu viele Starter aus einer Nation haben. Denn dann gibt es zu wenige Märkte.

Wie ernst sind vor der neuen Saison die Zulassungskriterien bei den Löwen überprüft worden?

Hausleitner (lacht): Die Löwen haben den zweiten deutschen Startplatz, sie erfüllen alle Anforderungen. Das ist genauso überprüft worden wie bei allen anderen Vereinen. Man möge sich bitte davon trennen, dass diese Überprüfung irgendetwas damit zu tun hatte, dass die Löwen im März in Kielce mit ihrer zweiten Mannschaft angetreten sind. Wir agieren nach Richtlinien und nicht nach Befindlichkeiten. Ich glaube außerdem, dass die Löwen heute ihr Auftreten in Kielce anders beurteilen als damals. Wir haben 30 Vereine überprüft. Die Löwen spielen mit, andere Vereine nicht. Daran sieht man, inwieweit wir das Verhalten der Vergangenheit berücksichtigt haben. Nämlich gar nicht.

Zwei Mal in Folge war zuletzt kein Bundesligist bei der Endrunde der Königsklasse in Köln dabei. Bereitet das der EHF Kopfzerbrechen?

Hausleitner: Nein. Es hat sich bislang in keiner Art und Weise bemerkbar gemacht, dass eine deutsche Mannschaft beim Final Four fehlt. Nach unserer Erfahrung ist es von keiner signifikanten Relevanz, ob eine deutsche Mannschaft an der Endrunde teilnimmt oder nicht. Das zeigen auch die ersten Ticketverkaufszahlen für das nächste Jahr. Ich denke aber, dass der Ehrgeiz und die Ansprüche der deutschen Clubs nach den vergangenen zwei Jahren sehr groß sind, diese Durststrecke zu beenden. Ich könnte mir vorstellen, dass das zweimalige Fehlen zu einer Reaktion führen wird.

Welche Gedankengänge gibt es bei der EHF hinsichtlich einer Entlastung der Spieler?

Hausleitner: Wir diskutieren ein zeitgleiches Ende aller nationalen Ligen. Bislang gibt es auch immer noch Länderspiele im Juni im Anschluss an die Saison. Es gibt Überlegungen, diese Partien vorzuziehen, damit die Spieler wirklich nach dem letzten Spieltag in die Pause gehen können.

Info: Interview in voller Länge unter morgenweb.de/loewen