Rhein-Neckar Löwen

Handball Nach dem überragenden Saisonstart steht der SC Magdeburg bei den Rhein-Neckar Löwen plötzlich unter Druck

Von der Luxuszeit in die Mini-Krise

Mannheim.Vor nicht einmal zwei Wochen war die Welt des SC Magdeburg noch in Ordnung. Doch dann folgte das Debakel von Portugal. Im EHF-Cup blamierte sich die Mannschaft von Trainer Bennet Wiegert und schied überraschend gegen den international maximal zweitklassigen FC Porto aus. Und seitdem geht nicht mehr viel bei den Bördeländern, die anschließend auch noch in eigener Halle gegen Frisch Auf Göppingen verloren.

Von den überragenden ersten Wochen, in denen der SCM mit berauschendem Tempo-Handball durch die Bundesliga marschierte und einen vereinseigenen Startrekord von sechs Siegen nacheinander aufstellte, spricht an der Elbe momentan niemand mehr. Vor allem: Durch das Aus im Europapokal ist ein Saisonziel schon stark gefährdet. Die Magdeburger wollten einen Titel holen – und die leichteste Möglichkeit ist bereits vertan. „Wir hatten eine Luxuszeit, die wir sehr genossen haben“, sagte Wiegert der „Volksstimme“, „jetzt kommt eine Zeit, die man nicht so gerne hat. Das kann bis Weihnachten hart werden.“

Große Verletzungsprobleme

Erschwerend zur leichten Formkrise hinzu kommt das Verletzungspech. Im Topspiel heute (19 Uhr) bei den zuletzt ebenfalls nur selten überzeugenden Rhein-Neckar Löwen muss der Trainer gleich auf einige Leistungsträger verzichten. Für Rückraummann Christian O‘Sullivan ist das Jahr gelaufen, wegen einer Meniskusverletzung droht er drei bis acht Monate auszufallen. Mit dem für die Abwehr unglaublich wichtigen Piotr Chrapkowski planen die Bördeländer erst wieder in zwei Wochen, außerdem sieht es bei Toptorjäger Matthias Musche (Mandelentzündung) sowie den Rechtsaußen Robert Weber und Daniel Pettersson (jeweils Virusinfektion) schlecht aus. Wiegert sagte gestern, dass er auf keinen Fall mit dem Österreicher Weber plane.

Und trotzdem reist der SCM durchaus optimistisch nach Mannheim. „Wir bekommen immer noch eine Mannschaft zusammen, die auch bei den Löwen gewinnen kann. Dafür muss aber jeder Einzelne an seine Leistungsgrenze gehen“, sagte Wiegert, der auch um die Probleme der Löwen weiß: „Beide Mannschaften sind vielleicht im Moment nicht super zufrieden.“

Klar ist, dass sowohl die Badener als auch die Magdeburger heute unter Druck stehen, wollen sie dem Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt und dem THW Kiel auf den Fersen bleiben. „Aus dem Viererrennen kann nur noch ein Titel-Dreikampf werden“, meint Stefan Kretzschmar, Experte des TV-Senders „Sky“: „Die Löwen haben sich zu Hause oft nicht mit Ruhm bekleckert. Magdeburg strotzt nach Porto und Göppingen sicher auch nicht vor Selbstbewusstsein. Es könnte ein echtes Kampfspiel werden.“