Rhein-Neckar Löwen

Handball Im Endspurt zum dritten Titel müssen die Löwen nochmals alle Kräfte mobilisieren / Vorentscheidung am Sonntag in Berlin?

Wenn Monster müde werden

Mannheim.Unter dem einen Auge ein dunkler Bluterguss, die Gesichtszüge angespannt und das Trikot klatschnass. Alexander Petersson gilt eigentlich als unverwüstlich, doch die Anstrengungen der vergangenen Tage hatten auch dem 37-jährigen Routinier sichtlich zugesetzt. „Jetzt schnell nach Hause und zur Ruhe kommen“, war der sehnlichste Wunsch des Linkshänders nach dem 34:29 gegen den SC Magdeburg vom Donnerstagabend und vor dem nächsten Spitzenspiel des deutschen Meisters am Sonntag (15 Uhr/live bei Sky) bei den Füchsen Berlin. Schließlich hatte der Isländer die beiden abschließenden Pokalspiele beim Final-Four in Hamburg und auch das vier Tage später folgende Liga-Duell gegen die Ostdeutschen fast ohne Pause absolviert. Erst in der Schlussphase machte der Isländer Platz für Harald Reinkind.

Keine Schützenhilfe

„Alex ist eigentlich ein Monster, aber ich habe ihn selten so müde gesehen wie zuletzt“, schilderte Trainer Nikolaj Jacobsen seine Eindrücke aus den abschließenden Trainingseinheiten und setzte die Liste fort: Mads Mensah Larsen konnte wegen Wadenproblemen nur in der Abwehr spielen, Kim Ekdahl du Rietz war trotz seiner neun Tore ebenfalls angeschlagen und „Andy Schmid habe ich unmittelbar vor dem Spiel gegen Magdeburg seit Hamburg das erste Mal wieder gesehen“, berichtete der Löwen-Coach von Magen-Darm-Problemen beim Kapitän des Tabellenführers. Und dennoch biss sich der deutsche Meister durch und landete einen letztlich souveränen Erfolg gegen den in der Liga seit November 2017 ungeschlagenen SCM.

Zeitgleich gingen die Blicke der Badener auch in die Hallen nach Kiel und Wetzlar, wo die Verfolger SG Flensburg-Handewitt und Berlin schwere Auswärtsaufgaben vor der Brust hatten, ihre Hausaufgaben aber ebenfalls lösen konnten. „Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn sie Punkte gelassen hätten“, gab Jacobsen zu. „Jetzt müssen wir in Berlin eben wieder an die Grenzen gehen“, blickte der Däne bereits auf die Hürde in der Max-Schmeling-Halle und weiß um die Bedeutung dieser Partie im Endspurt zum dritten Titel. „Wenn wir dort erfolgreich sind, müssen wir in den noch folgenden vier Spielen zwei Mal gewinnen. Ich glaube nicht, dass uns Flensburg noch über das Torverhältnis einholen kann“, verweist der Meister-Trainer auf den Top-Wert seiner Mannschaft, die in dieser Kategorie der aktuellen Tabelle 61 Treffer besser liegt als die Norddeutschen.

Fäths Kampfansage

Schon heute machen sich die Löwen auf den Weg in die Hauptstadt, wo sie tatsächlich schon für eine Vorentscheidung im Titelrennen und auf dem Weg zum historischen ersten Double sorgen können. „Wir haben alles in der eigenen Hand“, blickt Mads Mensah Larsen selbstbewusst auf die Partie, die für Patrick Groetzki trotz der augenscheinlichen Konstellation Erster gegen Vierter aber keinen Endspielcharakter hat. „Wir bleiben oben, egal wie es ausgeht. Wir wollen einfach einen weiteren Schritt Richtung Meisterschaft gehen“, sagt der Nationalspieler und rechnet mit einer Berliner Mannschaft, die trotz ihrer aktuellen Verletzungsmisere sicher Wiedergutmachung für die 23:37-Demontage im Hinspiel kurz vor Weihnachten 2017 leisten will.

Zudem schielen die Berliner, die momentan einen Punkt hinter Magdeburg liegen, noch auf den dritten Platz, selbst Rang zwei wäre noch machbar. „Wir wollen alle ausstehenden Saisonspiele gewinnen“, formulierte Berlins Nationalspieler Steffen Fäth nach dem 31:26 der Füchse in Wetzlar eine Kampfansage an die Konkurrenz, wovon sich Löwen-Kapitän Andy Schmid allerdings nicht irritieren lässt. „Das große Ziel Double gibt uns noch einmal einen Push für den Endspurt“, sagt der Schweizer mit Blick auf die Schlussphase der Saison, die nach Berlin noch die Partie in Erlangen und drei Heimspiele gegen Melsungen, die Eulen Ludwigshafen und Leipzig bereithält. Und selbst wenn Monster auch mal müde werden – die Chance auf den Hattrick wird die Löwen weiter antreiben.

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