Rhein-Neckar

Ludwigshafener Missbrauchs-Prozess: Angeklagte aus U-Haft entlassen

Archivartikel

Gemeinsam sollen sie ihren Ismail I. und Nina R. ihren erst sieben Wochen alten Sohn schwer missbraucht haben - nun befinden sich die beiden Angeklagten seit 27. Juni auf freiem Fuß. Das bestätigte Christian Bruns, Sprecher des Landgerichts Frankenthal, dieser Zeitung auf Anfrage. Demnach habe das Oberlandesgericht Zweibrücken bei einer regulären Haftprüfung festgestellt, dass zwar weiterhin dringender Tatverdacht und auch eine vorhandene Fluchtgefahr bei dem Paar bestehe. Da Ismail I. und Nina R. jedoch über einen festen Wohnsitz verfügen und bereits sieben Monate in Untersuchungshaft verbracht hätten, reiche eine wöchentliche Meldepflicht aus, um die Fortführung des Prozesses zu gewährleisten.

Am dritten Verhandlungstag hatte sich herausgestellt, dass der Verteidiger der 26-jährigen Nina R. überraschend schwer erkrankt ist. Mit einer baldigen Genesung sei nicht zu rechnen, so der Gerichtssprecher - ab Anfang August soll der Prozess neu terminiert und verhandelt werden, die genauen Sitzungstage stünden zunächst noch nicht fest, so Bruns.

Dem Paar wird vorgeworfen, dem Säugling im zurückliegenden Oktober einen Gegenstand zehn Zentimeter tief in den Analbereich eingeführt und ihm dadurch schwere innere Verletzungen zugefügt zu haben. Seitdem muss das Kind mit einem künstlichen Darmausgang leben. Auch soll der Junge mit einem Gegenstand schwer am Penis verletzt worden sein. Die Eltern hatten das Kind demnach schwer verletzt erst viel zu spät zum Arzt gebracht. Die Verletzungen soll das Paar dem Kleinkind gemeinschaftlich zugefügt haben. Mit einem Schädelbruch, mehreren Rippenbrüchen, einer Prellung an Lunge und Herzen sowie Einblutungen ins Auge wurde der Säugling schließlich bei der Kinderarztpraxis aufgenommen, die den Jungen seit Geburt betreute. Durch eine soforte Notoperation konnten Ärzte dem Kind das Leben retten. Im April hatte der Prozess gegen die Angeklagten im Alter von 24 und 26 Jahren begonnen. (mer)