Rhein-Neckar

Neckarhausen Heute wird die Ausstellung "Tischlein deck Dich" eröffnet

Märchenhafte Glaskunst verzaubert im Schloss

"Das Motto "Tischlein Deck Dich" passt wunderbar zu meinen Exponaten und den stilvoll ausgestatteten Räumen", stellte die Kunstglasbläserin Kerstin Müllerperth fest. Märchenhaftes Glas in Form von Trinkgefäßen, Schalen, Leuchtern und freien Kunstobjekten sind ab heute im adligen Ambiente der Graf-von-Oberndorff-Dauerausstellung im Neckarhäuser Schloss zu sehen. Um das in alter Handwerkstradition hergestellte Glas rankt sich seit jeher eine geheimnisvolle Mystik, was Herstellungsprozess und handwerkliche Kunstgriffe anbelangt.

"Die Dauerausstellung derer von Oberndorff wird durch die virtuose Vielfalt der Glaskunst weiter aufgewertet", sind sich die organisierenden Aktiven der IG Gemeindemuseum (IGM) einig. Zu der Gruppe zählt auch Margot Friedrich, die den Kontakt zu der Glaskünstlerin hergestellt hatte. "Ich habe ihre faszinierenden Arbeiten im vergangenen Jahr in der Orangerie des Schwetzinger Schlosses gesehen und war mir sicher "das passt hierher".

Ahnen erfanden Christbaumkugel

Kerstin Müllerperth entstammt einer Glasbläserdynastie, deren Ahnen bis ins Mittelalter zurückzuverfolgen sind. Zwei ihrer Vorfahren hatten sogar bemerkenswerte Erfindungen gemacht, wie die gläserne Christbaumkugel und das menschlich Glasauge.

"Das einmalige am Gestalten mit Glas ist die unglaubliche Wandlungsfähigkeit des Materials", sagte die Glaskünstlerin, die ihre Werkstatt in Maulbronn hat. In ihrer kleine "Hexenküche", wie sie formuliert, sei es sehr heiß - und Ruß bedingt kohlrabenschwarz. Als Ausgangsmaterial benutzt Kerstin Müllerperth ausschließlich handgezogene Glasröhren und - stäbe und traditionelle Werkzeuge. Technische Kniffe und die entsprechende Fingerfertigkeit verleihen den Gefäßen und Objekten einen sagenhaften Farben- und Formenreichtum.

In den Ausstellungsräumen wurden für größere Garnituren an Gläsern insbesondere die vorhandenen Tische genutzt. Viele von Müllerperths Glas-Kreationen lehnen sich in Form von Blütenkelchen und Gräsern an die Natur an. Sie sind gläserne Gebilde von poetischer Anmut, von denen jedes seine ganz individuelle Pracht entfalten darf. Filigrane Blüten und Blätter führen an den Stängeln der Gläser zudem ihr graziles Eigenleben.

Eigens neue Beleuchtung

"Ich bin total begeistert, wenn ich so was Schönes sehe", gestand Elke Kurtzer und fügte an: "Damit das Glas auch zum Funkeln kommt, haben wir im Hinblick auf diese Ausstellung um eine neue Beleuchtung gebeten. Der Wunsch wurde uns vom Rathaus erfüllt", bemerkte die zu den Aktiven der IG Gemeindemuseum zählende Kunsthistorikerin. Ferner gehören den Ehrenamtlichen neben der bereits erwähnten Margot Friedrich auch Hildegard Schneider, Irene Daners, Evi Betzwieser, Elisabeth Niemann und Ingeborg Bertsch an.

An einem der Tische wurden edle Gläser mit ebenso edlem Porzellan kombiniert. Die Teller stammen noch aus der Zeit von Graf Friedrich von Oberndorff und seiner Gattin Irene aus dem Jahr 1911, als die beiden goldene Hochzeit feierten. Zu glasgewordenen Poesie zählen ebenso die "Seerosen": ein Ensemble von blauen, das Wasser symbolisierenden Flacons, die Blüten von anmutiger Leichtigkeit zieren. Dekorative Glaskunst in Form von "Kastanien" oder als "Mini-Schwarzwald" zählen ebenfalls zu den Hinguckern.

Die Ausstellung lädt übrigens nicht nur zum Schauen ein, es darf auch gekauft werden.