Rhein-Neckar

Schriesheim Ausstellung über Opfer von Holocaust und Euthanasie

Mahnung zur Wachsamkeit

Archivartikel

Wer in diesen Tagen das Schriesheimer Rathaus betritt, dem fällt im Foyer ein großformatiges Bild ins Auge. Auf ihm zu sehen ist ein kleines Mädchen, das vor dem Tor eines Hauses steht. Es zeigt Lore Sussmann als damals Achtjährige vor der Schriesheimer Synagoge.

Es ist eines der 480 Bilder und Dokumente aus dem 720 Seiten starken Buch über das Schicksal der Schriesheimer Opfer von Holocaust und Euthanasie, das Professor Joachim Maier vor kurzem veröffentlicht und vorgestellt hat (wir haben berichtet). Einige dieser Bilder und Dokumente sind nun im Rathaus zu sehen.

Eröffnet wurde diese Ausstellung am Mittwoch, dem 8. Mai – „und das ist gewollt“, wie Bürgermeister Hansjörg Höfer bei der Begrüßung der Gäste betonte. Denn am 8. Mai 1945 kapitulierte die Deutsche Wehrmacht, somit markiert dieses Datum das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und damit die Befreiung von Millionen Menschen in Deutschland und auf dem Kontinent vom Joch des Nationalsozialismus.

Dass dies nicht immer so gesehen wurde, darauf verwies Joachim Maier in seiner Rede: „In meiner Jugend galt dieser Tag noch als Tag der Niederlage, der Kapitulation“, erinnert er sich: „Von einer Befreiung sprach man nur in der DDR.“ Der Perspektivenwechsel sei erst mit der Ansprache des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zum 40. Jahrestag des Kriegsende am 8. Mai 1985 erfolgt. „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung“, zitierte Maier aus dieser Rede des Bundespräsidenten.

Maier verwies darauf, dass die Bilder und Dokumente aus vielen Orten und Archiven stammen, manche aus dem Schriesheimer Rathaus, und zwar aus dem Geburtenregister. Als Beispiel zeigte er auf einer der Ausstellungstafeln einen Nachtrag im Geburtenregister aus den Jahren 1938/39. Michael Eppsteiner war gezwungen worden, zusätzlich den Namen „Israel“ eintragen zu lassen.

Maier lenkte den Blick auch auf ein Filmplakat aus dem Jahr 1941 mit dem Titel „Ich klage an“. Zunächst denkt man dabei an eine Gerichtsverhandlung. Doch „geklagt“ wird hierbei über das Gesetz, wonach Töten auf Verlangen verboten ist. Es ist ein Film, der auf subtile und daher gerade erschreckende Weise für das nationalsozialistische Ziel der Euthanasie, also der Ermordung von Menschen mit Behinderung, wirbt.

Nach dem Willen Höfers soll die Ausstellung gerade jetzt auch Mahnung sein für ein friedliches Europa: „Für uns besteht die Verpflichtung, uns mit aller Kraft gegen eine Entwicklung zu stremmen, wie sie in den 1930er Jahren eingetreten ist.“