Rhein-Neckar

Hirschberg Gemeinde muss für die OEG erneut mehr aufbringen / Gremium stimmt Ausgleichsbeiträgen zu / FW sehen sich der Willkür der RNV ausgesetzt

Massive Kritik an steigenden Kosten

Die Gemeinde Hirschberg muss in diesem Jahr erneut mehr für die Defizitabdeckung der OEG-Linie 5 bezahlen. Der Nettoausgleichssatz soll von aktuell 4,44 auf 4,89 Euro pro Nutzzugkilometer steigen. 2020 wird er dann wieder ein wenig auf 4,74 Euro fallen. In diesem Jahr werden 577 000 Euro fällig, 2020 knapp 560 000 Euro. Der Hirschberger Gemeinderat stimmte der anteilmäßigen Übernahme der Kosten zu; dabei gab es, wie in der Vergangenheit ziemlich regelmäßig, massive Kritik.

Bürgermeister Ralf Gänshirt versuchte im Vorfeld gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Hirschberg zahle einen stolzen Betrag, räumte der Rathauschef ein und fügte hinzu: „Der ÖPNV muss uns lieb und teuer sein.“ In der Summe sei Hirschberg gut bedient mit dem Preis, wenn man bedenke, was die RNV investiere. Aktuell gehe es um die Erneuerung der Fahrzeugflotte.

Massive Kritik übte dagegen Alexander May. Steigerungsraten von zehn Prozent seien mit gestiegenen Strompreisen und Tariferhöhungen nicht begründbar, sagte der FW-Gemeinderat. Mit Blick auf die Taktverdichtung müsse der Ausgleichsbeitrag pro Nutzzugkilometer eigentlich sinken. „Je mehr Kilometer ich fahre, desto mehr verteilen sich die Kosten“, sagte May. Das Gegenteil sei aber der Fall. Er gewinne daher zunehmend den Eindruck, dass es sich bei dem Unternehmen um einen „Selbstbedienungsladen“ handle. „Wir sind voll und ganz der Willkür der RNV ausgeliefert“, wetterte May und dachte darüber nach, die Züge mit verschlossenen Türen durch Hirschberg fahren zu lassen, sprich aus dem Vertragswerk auszusteigen.

Preis für Einzelfahrt zu hoch

Jürgen Steinle (Grüne Liste) konnte die Kritik am Monopol der RNV nachvollziehen, stimmte aber den Schlussfolgerungen Mays nicht zu: „Es gibt keine Alternative zum ÖPNV“, sagte er und verwies auf die Ortsdurchfahrt in Großsachsen, die Entlastung dadurch erfahre, wenn mehr Bürger auf die OEG umsteigen. Gleichwohl müsse man die Strukturen der RNV infrage stellen, sagte Steinle. Auch Tobias Rell ging mit der RNV ins Gericht. Ihm war der Preis für eine Einzelfahrt angesichts der hohen Zahlungen der Gemeinden zu hoch. „Deshalb nutze ich die OEG nicht“, bekannte der FDP-Gemeinderat.

Die Kritik blieb nicht unwidersprochen: Christian Würz (CDU) brach eine Lanze für die RNV. „Jeder will den ÖPNV jederzeit nutzen“, sagte der CDU-Fraktionschef und fügte hinzu: „Das haben wir fast erreicht.“ Das müsse sich die Gemeinde aber auch etwas kosten lassen. Immerhin bezuschusse der Landkreis den Gemeindeanteil mit 40 Prozent (Schiene) und 50 Prozent (Bus).

„Wir wollen, dass die Bürger auf den ÖPNV umsteigen und nicht mehr Auto fahren“, bekräftigte SPD-Fraktionschefin Eva-Marie Pfefferle. Kritik hatte sie dennoch: Die Züge zwischen Schriesheim und Heidelberg seien „total voll“, sagte die passionierte OEG-Nutzerin. Daher könne sie nicht so recht nachvollziehen, warum die RNV so viel berechne.

Matthias Dallinger (CDU) sprang der RNV bei und empfahl jedem, einmal eine Rundtour von Hirschberg nach Hirschberg zu machen. Dann würden die ständigen Erneuerungen und Investitionen der RNV schnell deutlich, sagte Dallinger und erwähnte die anstehende Flottenerneuerung ebenso wie den Ausbau in Weinheim. „Schaut es euch an!“, empfahl Dallinger den Kritikern.

Am Ende stimmte der Gemeinderat geschlossen für die Anpassung des Ausgleichsbeitrags in diesem und nächstem Jahr. Gleichzeitig will Hirschberg einen Vertreter der RNV in den Gemeinderat einladen, um Rede und Antwort zur Kostenberechnung zu stehen. maz

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