Rhein-Neckar

Nach Sturmtief "Eberhard": Die Lage beruhigt sich

Rhein-Neckar.Nachdem Sturmtief "Eberhard" am Sonntag zu erheblichen Schäden in Mannheim und der Region geführt hat, beruhigt sich die Lage am Montagmorgen zusehends. Starke Windböen hatten am Wochenende unter anderem zur Verlegung des beliebten Mathaisemarkt-Umzuges in Schriesheim geführt sowie weitere Schäden an Gebäuden und im regionalen Verkehr verursacht.

Nachdem Teile eines angehobenen Tankstellendaches am frühen Sonntagnachmittag bei Hirschberg auf die Oberleitung der Straßenbahnlinie 5 gestürzt waren und diese dabei stark beschädigt hatten, konnte die Sperrung der Strecke zwischen Großsachsen und Weinheim am Montag aufgehoben werden. "Die Bahnen fahren wieder und wir rechnen mit keinen Schwierigkeiten im Berufsverkehr", erklärte ein Sprecher der Polizei auf Anfrage. Die Rhein-Neckar Verkehr GmbH (RNV) bestätigte am Morgen, dass der Betrieb der Linie wieder ohne Einschränkungen möglich sei.

Auch in Mannheim beruhigte sich die Lage über die Nacht zumindest stellenweise. Ein Sprecher der Polizei sprach zwar von weiterhin starken Windböen, die allerdings zu keinen weiteren gravierenden Beschädigungen geführt hätten. Feuerwehr und Polizei waren am Sonntag zu rund 370 Einsätzen ausgerückt, um umgestürzte Bauzäune und abgedeckte Dächer abzusichern. Im Stadtteil Sandhofen knickte der Wind zwei Strommasten um, in der Neckarauer Straße fiel ein Baum auf einen Pkw und auch in der Stolberger Straße hielt ein Altkleidercontainer den Böen nicht stand und prallte gegen ein Fahrzeug.  Zu Schwerverletzten sei es dabei "glücklicherweise" nicht gekommen, so die Polizei. 

Bei der Feuerwehr in Mannheim gingen am Montagmorgen schon wieder erste Anrufe ein. "Die Firmen nehmen ihren Betrieb auf, Handwerker kommen auf ihre Baustellen - da sehen viele Leute erst die Schäden", so Thomas Näther vom Führungsdienst der Berufsfeuerwehr. Überall im Stadtgebiet sieht man umgestürzte Mülltonnen, herumgewirbelte Stühle von der Außengastronomie und abgerissene Wahlplakate.

Bis 1 Uhr in der Frühe waren wegen des Orkans an mehr als 170 Stellen im Stadtgebiet die Besatzungen aller drei Wachen der Berufsfeuerwehr und die Ehrenamtlichen aller acht Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr im Großeinsatz – insgesamt 155 Männer und Frauen. "Umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer, lose Gebäudeteile", so Näther, beschäftigten die Feuerwehrleute: "Es hat aber auch ganze Dächer abgedeckt!" Zeitweise waren alle sechs verfügbaren Drehleitern unterwegs. Vollalarm (die höchste mögliche Alarmierungsstufe) wurde auch für das Technische Hilfswerk (THW) gegeben, worauf über 30 Kräfte abrückten und für über fünf Stunden beschäftigt waren. "Wir mussten mit Notverschluss eine große Schaufensterscheibe mit über 15 Quadratmetern an einer medizintechnischen Praxis durch Kantholz und Platten sichern und ein Dach in Neckarau abdichten, wo ein Dachsparren durch den Kamin des Nachbarhauses, der darauf gestürzt war, gebrochen war und die Ziegel in das Dachgeschoss gefallen waren", so THW-Ortsbeauftragte Nicole Dudziak.

Für Rheinland-Pfalz meldeten Kräfte von Berufsfeuerwehr, den Freiwilligen Feuerwehren und dem Technischen Hilfswerk bei 290 Einsätzen im ganzen Bundesland Blech- und Gebäudeschäden von rund 330.000 Euro. 30 Unfälle wurden registriert, 37 Straßen mussten zeitweise gesperrt werden. Allein im Stadtgebiet Ludwigshafen beschäftigten 151 Einsätze die Retter. Umgeknickte Bäume waren auf Häuser, Oberleitungen und Pkw gestürzt, Lose Dachziegel, Blechverkleidungen und Kamine mussten durch die Feuerwehr gesichert oder abgetragen werden. In Plankstadt hielten zwei Ampelanlagen dem Wind nicht stand und im Schwetzinger Schälzigweg wehten die Sturmböen einen Glascontainer gegen ein Auto. Personenschäden vermeldeten die Einsatzkräfte dabei auch hier keine.

Hoffnung auf einen störungsarmen Montag im Schienenverkehr durften sich auch Fahrgäste der Deutschen Bahn gegen Sonntagabend machen. Zwischen Mannheim und Lampertheim konnten Einsatzkräfte gegen späten Nachmittag einen umgestürzten Baum aus den Gleisen entfernen, auch eine in die Oberleitung gewehte Plane, die den Zugverkehr zwischen Mannheim und Worms zeitweise blockierte, konnte bereits am frühen Abend wieder entfernt werden. Die Bahn wies auf Twitter dennoch darauf hin, dass es im Fern- und Regionalverkehr am Montag stellenweise zu Verspätungen und Zugausfällen kommen kann. Reisende seien angehalten, sich über die Homepage oder die App der Deutschen Bahn über das Vorgehen zu informieren. Tickets für gegebenenfalls ausfallende Züge behalten laut Bahn ihre Gültigkeit. (pwr/mer)

Zum Thema