Rhein-Neckar

Nicht alles beim Alten

Archivartikel

Konstantin Groß zum Ergebnis im Wahl-kreis Heidelberg

Die Abstimmung im Wahlkreis 274 ist politisch so ausgegangen, wie viele es erwartet haben - was die konkreten Zahlen angeht dann aber doch knapper: CDU-Schlachtross Karl Lamers hat es wieder gepackt und zum vierten Mal das Direktmandat geholt, Lothar Binding (SPD) und Franziska Brantner (Grüne) rücken wie 2013 über die Landesliste ein. Also alles wie gehabt?

Nein. Auch in diesem Wahlkreis hat sich die Welt verändert. Mit der AfD ist ein neuer Spieler auf dem Feld, der nach gängiger Lesart in ländlichen Gebieten besonders erfolgreich ist. Trotzdem liegen in den Neckar-Bergstraße-Gemeinden ihre Zweitstimmen-Ergebnisse unter dem Landes- und dem Bundesdurchschnitt; und vom selbst gesetzten Ziel des Direktmandates ist ihr Kandidat Malte Kaufmann gar meilenweit entfernt geblieben.

Am Ende haben die meisten Wähler die Arbeit von Lamers honoriert. Nicht die in internationalen Organisationen, die wenige mitbekommen, sondern die Präsenz vor Ort über vier Jahre, seine Volkstümlichkeit, sein Kümmern auch um die kleinen Anliegen.

Damit vermochte er auszugleichen, was ihm geschadet hat. Und das war neben dem Bundestrend die Situation der CDU in der Region, die in vielen Ortsverbänden kaum mehr kampagnenfähig ist. Auf weiten Strecken war der Kandidat Einzelkämpfer. Das waren die gleichen Defizite, die bereits bei der Landtagswahl 2016 die CDU das Direktmandat kosteten, die aber trotzdem seither nicht richtig angegangen wurden.

Die AfD dagegen hat gezeigt, dass sie über eine motivierte Anhängerschaft verfügt und über erhebliche Mittel, wie etwa ihre Kampagne mit Plakaten offenbart, die auf einzelne Kommunen ausgerichtet waren. Sie auszusitzen, reicht also auch in der Region nicht mehr aus. Nach der Kommunalwahl 2019 könnte niemand sagen, man sei überrascht.