Rhein-Neckar

Orkantief "Sabine": RNV und Deutsche Bahn kommen langsam wieder ins Rollen

Nachdem die Bahnen der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) am Montagmorgen wegen des Orkantiefs "Sabine" in ihren Depots geblieben waren, sind fast alle Fahrzeuge wieder ausgerückt. Das teilte der Verkehrsbetrieb am frühen Nachmittag mit. Weitestgehend laufe der Betrieb wieder ohne Beeinträchtigungen. Nur auf den Heidelberger Buslinien 33, 34 und 39 gibt es weiter Einschränkungen aufgrund andauernder Böen in höheren Lagen des Odenwalds.

Zuvor war der Verkehr voll eingestellt 

Am frühen Montagmorgen hatten Deutsche Bahn (DB) und RNV in Pressemitteilungen die vollständige Einstellung des Verkehrs aufgrund des Orkantiefs "Sabine" bekanntgegeben. Demnach fielen "bis auf Weiteres" sämtliche Linien, auch diejenigen, die durch Subunternehmer bedient werden, sowie Schulbuslinien ersatzlos aus. Der Busverkehr sollte nach einem Krisengespräch der RNV am Morgen schrittweise wieder eingesetzt werden, bei den Schienenverbindungen Erkundungsfahrten abgewartet werden. 
Die RNV wies auf ihren digitalen Abfahrtstafeln mit einem Ankündigungstext auf die Ausfälle hin, zudem waren Mitarbeiter der RNV laut eines "MM"-Mitarbeiters vor Ort an Haltestellen, um Fahrgäste zu informieren. Pendler, die aufgrund der Ausfälle mit dem Taxi zur Arbeit fahren wollten, mssten sich laut "MM"-Informationen geduldig zeigen. Taxen verkehrten laut Auskunft der Taxizentrale zwar, man musste allerdings mit längeren Wartezeiten rechnen.

Ausfälle im Regionalverkehr bis zum Mittag

Auch die Deutsche Bahn unternahm zunächst Erkundungsfahrten durch die Region, nachdem sowohl der Regional- als auch der Fernverkehr am Morgen stillstanden. Der Fernverkehr wurde ab 10 Uhr stückweise aufgenommen.

Wie ein Bahn-Sprecher dem "Mannheimer Morgen" auf Anfrage mitteilte, waren "erhebliche Beeinträchtigungen" im Nah- und Fernverkehr aufgrund der Wetterdaten vom späten Sonntagabend nicht ausgeschlossen. Deshalb hatte man sich dazu entschieden, den Regionalverkehr nicht vor 8 Uhr aufzunehmen, damit die Strecken bei Tageslicht begutachtet werden konnten. Diese Regelung galt ausdrücklich auch für sämtliche Bahnhöfe der Region - von Ludwigshafen bis Mannheim, von Heidelberg bis Karlsruhe. "Wir bitten gerade Vielfahrer und Pendler um Verständnis, wollten aber unbedingt vermeiden, dass Züge aufgrund von Schäden auf freier Strecke stehen bleiben müssen", ergänzte der Sprecher. 

"Wir bitten unsere Kunden aktuell, auf Fahrten am heutigen Tage zu verzichten, und weisen darauf hin, dass Tickets, die für den heutigen Montag gebucht waren, noch bis einschließlich 18. Februar eingelöst werden können", stellte der Sprecher gegenüber dieser Zeitung klar. Unter der Nummer 08000/996633 hat die Bahn für Kunden eine kostenfreie Sonder-Hotline eingerichtet, ansonsten gibt es aktuelle Informationen zu Zügen und Sperrungen auch im Internet sowie über die App der Deutschen Bahn.

Schäden in der Region zunächst überschaubar

Die Sturmschäden über Nacht in der Region scheinen sich dagegen zunächst im Rahmen zu halten. Ein Sprecher der Mannheimer Polizei erklärte für den kompletten Präsidialbereich auf "MM"-Anfrage: "Es gab dutzende Einsätze in Mannheim und Umkreis. Es handelte sich jedoch vorwiegend um Sachschäden und entwurzelte Bäume, die Einsatzkräfte von den Straßen ziehen mussten." Insgesamt habe man 20 Bäume unter anderem von den Autobahnen 5 und 6, den Bundesstraßen 291, 292, 38 und 39 sowie den Landstraße 532, 536, 546 und 597 getragen. Für die Räumung der Straßen hätten die Farbahnen zum Teil kurzfristig komplett gesperrt werden müssen. Personen seien nach ersten Erkentnnissen nicht zu Schaden gekommen. Bis um 7 Uhr zählte die Polizei insgesamt 107 Einsätze, die sich auf die Bereiche Weinheim/Ladenburg, Wiesloch/Sandhausen, Schwetzingen/Oftersheim und Sinsheim/Waibstadt konzentriert hätten. In Mannheim und Heidelberg konzentrierten sich die Schäden auf abgerissene Wellbleche, umgestürzte Baustellenschilder und Bauzäune. Die Stadtparks entschlossen sich trotz überschaubarer Beschädigungen in den eigenen Beständen vorsorglich dazu, Luisenpark und Herzogenriedpark am Montag komplett geschlossen zu halten. Auch der Mannheimer Hauptfriedhof bleibt am Montag geschlossen.

„Weit weniger heftig als gedacht“, sei laut Ralph Rudolph vom Führungsdienst die Sturm-Nacht für die Mannheimer Feuerwehr verlaufen. Diese zählte bis zum morgendlichen Schichtwechsel 20 wetterbedingte Einsätze. Meist habe es sich um umgestürzte Bäume, auf der Fahrbahn liegende abgebrochene Äste und Zweige oder lose Ziegel gehandelt. Auf dem Waldhof stürzte eine Tanne auf ein Wohnhaus und beschädigte das Dach. Im Einsatz waren 20 Beamte der Berufsfeuerwehr und 40 Ehrenamtliche der Freiwilligen Feuerwehren Innenstadt und Nord, welche vorsorglich auf die Wachen gekommen waren und ihre Fahrzeuge besetzten. Am frühen Morgen wurde die Einsatzbereitschaft für die Freiwilligen aufgehoben, nachdem der Sturm nachließ. Im Laufe des Vormittags rechnet die Feuerwehr aber mit weiteren Einsätzen. „Wenn die Leute aufgestanden sind und es heller wird, sieht man ja manche Schäden erst“, so Rudolph. Wenn keine Gefahr im Verzug sei, müssten aber Dachdecker oder Baumpflegefirmen beauftragt werden.

Der Mannheimer Stromversorger MVV teilte am frühen Montagmorgen mit, dass gegen 1.26 Uhr zwischen Mannheim und Lampertheim aufgrund der Orkanböen ein Baum auf eine Strom-Freileitung gefallen sei. Die Folge sei eine Versorgungsunterbrechung für einige Aussiedlerhöfe im Bereich Scharhof gewesen. Eine Reparatur sei aufgrund des Sturms in der Nacht noch nicht möglich gewesen und werde bei Tagesanbruch und nachlassenden Winden erfolgen. Für den Landkreis Rhein-Neckar teilte der Müllentsorger AVR mit, dass sämtliche geplanten Abfuhren aufgrund der starken Winde um einen Tag verschoben werden.

Autofahrer in Darmstadt landet in Teich

Die Polizei in Südhessen ist wegen des Orkantiefs „Sabine“ in der Nacht zu Montag zu insgesamt 137 Einsätzen ausgerückt. Wie die Behörde mitteilte, wurde eine Person wegen des Sturms verletzt. Ein Autofahrer in Darmstadt war beim Versuch, einem umgestürzten Baum auszuweichen, von der Straße abgekommen und landete in einem Teich.

Insgesamt seien die Beamten bis um 6 Uhr zum Großteil wegen umgestürzter Bäume ausgerückt, die Straßen blockierten oder geparkte Fahrzeuge beschädigten. Dies war bei 92 Einsätzen der Fall. Aber auch wegen dreier Trampoline, die sich in Mörlenbach (Odenwaldkreis), Darmstadt-Arheiligen und in Mühltal-Trautheim (Kreis Darmstadt-Dieburg) selbstständig machten, wurden die Beamten zur Hilfe gerufen.  Außerdem wehte es eine Dixi-Toilette in Walldorf (Kreis Groß-Gerau) auf die Straße.

Im Landkreis Bergstraße war die Polizei Südhessen insgesamt 30 Mal aktiv, im Odenwaldkreis 17 Mal. Außerdem rückten die Beamten 47 Mal im Kreis Darmstadt-Dieburg sowie jeweils 16 Mal in Darmstadt und im Kreis Groß-Gerau aus.

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