Rhein-Neckar

Neckar-Bergstraße Besucher zeigen reges Interesse an der Geschichte ihrer Heimat

Schlössel, Schloss und Steinzeit

Beim Tag des offenen Denkmals gibt es Einblicke, die sonst meist verborgen bleiben. Oder es finden besondere Veranstaltungen statt, um die Geschichte oder das Denkmal in Erinnerung zu rufen. Wir waren in Edingen, Neckarhausen und Ilvesheim dabei.

Ein Beispiel ist das Schlössel in Edingen. Wer nicht gerade eine Hauptversammlung des Fördervereins besucht oder im Kleiderladen im Erdgeschoss einkauft, kennt das Kleinod in der Hauptstraße nicht. „Wir hatten heute schon 60 Besucher“, berichtet Stephan „Stips“ Kraus-Vierling am frühen Nachmittag: „Weit mehr als wir erwartet haben.“ Er ist Mitglied im Förderverein des Edinger Schlösschen und kam standesgemäß zu Tag des offenen Denkmals im historischen Kostüm des Nachtwächters.

Zwei Führungen durch das Schlösschen bot er an dem Tag, zur ersten Führung kamen schon knapp 20 Besucher, wie er berichtet. Die Besucher wurden vom Förderverein mit Kuchen und einem Glas Apfelsekt begrüßt.

Dass er überhaupt an diesem Sonntag eine Führung anbieten kann, nennt er historisch: Denn das geht nur alle acht Jahre, wenn der Tag des offenen Denkmals ausnahmsweise nicht mit der Kerwe zusammenfällt. Er zeigt die Geschichte des Schlösschen auf, von den frühesten gesicherten Dokumenten, als es noch ein Bauernhaus war, bis hin zu Entstehung des Schlösschen, seiner Gärten, „die in Form von Klein-Schwetzingen angelegt waren“, bis hin zu der späteren Nutzung und den Bausünden der Neuzeit.

Die werden gerade beseitigt, das Objekt ist deshalb auch acht Jahre nach Erwerb durch die Gemeinde noch nicht zugänglich. Im Obergeschoss befindet sich im gesamten großen Raum eine flächendeckende Arbeitsbühne, damit die Handwerker leichter die Stuckdecke sanieren können. Von dort ist der Stuck zum Greifen nah.

Regen verwässert Interesse nicht

Obwohl es in Strömen regnet, kommen viele Besucher auch in das Schloss der Grafen von Oberndorff in Neckarhausen. Vor 1746 war es ein Herrenhaus, ab 1777 wurde es von Franz Albert von Oberndorff zum Schloss umgebaut. Aber für Andreas Daners geht es vielmehr um den historischen Park hinter dem Schloss: „In den 60er Jahren wollte die Gemeinde hier Einfamilienhäuser errichten“, berichtet das Vorstandsmitglied des Fördervereines Schlossparkfreunde. Doch eine Bürgerinitiative stoppte die Kommune, der Park blieb erhalten. Aus der Bürgerinitiative entstand der Förderverein, und der kümmert sich bis heute um finanzielle Mittel zum Erhalt des Parks.

„61 Besucher hatten wir heute schon“, berichtet Daners strahlend, einer mehr als im Schlösschen: „Wir sind ja auch ein richtiges Schloss.“ Und dass jeder Beitrag und jede Spende direkt in den Park fließt, wie er erzählt. Auch in Neckarhausen gab es gut besuchte Führungen zum Tag des offenen Denkmals, „und viele interessierte Besucher mit noch mehr Fragen zur Geschichte und zur Arbeit des Vereines“.

62 Besucher kamen zur Führung von Markus Enzenauer in Ilvesheim, darunter waren viele stadtbekannte Ilvesheimer Gesichter. Die sollten die eigene Geschichte doch eigentlich kennen. „Aber es ist immer wieder schön, noch mal alles erzählt zu bekommen“, rechtfertigt ein Alt-Ilvesheimer am Rande der Führung sein Dabeisein. In anderthalb Stunden will Enzenauer die ganze Geschichte Ilvesheims von der Frühzeit bis zur Neuzeit durchmachen, als „sehr sportlich“ belächelt da schon einer das knappe Zeitfenster.

Futter fürs Museum

„Schauen sie sich mal im Reiss-Engelhorn Museum die zahlreichen Funde an, die in Ilvesheim gemacht wurden und jetzt in Mannheim ausgestellt werden“, empfiehlt Enzenauer. Schon 10 000 vor Christus fängt die Geschichte an, mit Messerspitzen und Jagdwerkzeugen, die man bei Ausgrabungen gefunden hat. Zur alte Fähre und Neckarbrücke erzählt er viel, sehr viel, und noch längst nicht alles, denn er wird schon ermahnt: „Wir müssen weiter, sonst sind wir morgen noch hier.“