Rhein-Neckar

Ladenburg Die Johanneskirche wird abgerissen / Katholische Gemeinde plant Erweiterung des Kindergartens

Senioren-Paar soll ausziehen

Die Ladenburger Johanneskirche soll abgerissen werden. Das hat der Stiftungsrat der katholischen Kirchengemeinde jetzt beschlossen. „Wir haben einen diesbezüglichen Antrag beim bischöflichen Ordinariat Freiburg gestellt“, informiert Petrus van Nunen. Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats und Vize-Vorsitzende des Stiftungsrats kann zwar beim „MM“-Gespräch am Donnerstag noch keinen konkreten Zeitpunkt nennen, hofft aber, dass die Abrissbirne in den nächsten Wochen zum Einsatz kommt.

Langer Leerstand

Mit dem Einreißen des Gebäudes wäre auch die lange Zeit des Leerstands beendet, wurde das Gotteshaus aus den sechziger Jahren doch bereits im Juni 2012 vom damaligen Erzbischof Robert Zollitsch „profaniert“ und verlor damit seine Funktion als sakrales Bauwerk. An seiner Stelle soll nun Platz gemacht werden für Container.

Sie dienen dem benachbarten Caritas-Kindergarten St. Johannes als Übergangsquartier, denn dort steht die nächste Baumaßnahme an. Eine, die ebenso wie der Kirchenabriss in Abstimmung mit der Stadt geschehe, betont van Nunen. Denn der Kindergarten, den nach Auskunft von Leiterin Monika Wolf derzeit zwischen 60 und 70 Kinder besuchen, soll renoviert und erweitert werden. Sind die Gruppen bislang nur im Erdgeschoss untergebracht, soll nach Ende der Bauarbeiten auch im ersten Stock Platz sein für den Kindergartenbetrieb. Zwei Gruppen zu je zehn Kindern sollen hier einziehen, sagt van Nunen: „Wir planen Krippen-Gruppen für unter Dreijährige, außerdem den Ausbau des Ganztages-Kindergartens.“

Ein Raumprogramm sei der Verwaltung bereits vorgestellt worden, erste Gespräche wurden geführt. Der Bedarf an weiteren Betreuungsplätzen sei groß, nickt Wolf, und der Kirchenälteste nennt „stadtweit“ eine Zahl von etwa 130 Plätzen, die aktuell gebraucht würden. Weshalb sich eine Vergrößerung der Einrichtung im selben Gebäude anbieten würde.

Aber: Die Wohnung im ersten Stock steht nicht leer. Vielmehr wohnen hier seit 44 Jahren Anneliese und Helmut Kinzig. Die mittlerweile 88-Jährige sei früher Kindergartenleiterin gewesen, sagt van Nunen; ihr 85-jähriger Ehemann war einst Hausmeister und sah in der Kirche und im Kindergarten nach dem Rechten.

Am 26. Juni, nachdem zuvor bereits Gespräche mit den Mietern geführt worden seien, habe die Kirchengemeinde als Vermieterin offiziell die Kündigung wegen Eigenbedarfs ausgesprochen. Die Kündigungsfrist laufe bis zum 30. Juni 2020, erklärt der Pfarrgemeinderatsvorsitzende weiter.

Außerdem habe man dem Paar bereits mehrere Wohnungen als Alternative angeboten, und auch die Kommune habe ihre Mitarbeit zugesagt.

Helmut Kinzig bestätigt die Kündigung auf Nachfrage dieser Zeitung. Allerdings möchte der Altstadtrat in diesen Tagen aus persönlichen Gründen nicht weiter auf die Sache eingehen: „Das würde mich im Moment zu sehr aufregen.“