Rhein-Neckar

Heddesheim Joerg Landenberger gewinnt mit Blaukopf-Schmetterlingsfink bei Bundesschau / Täglich viele Stunden Arbeit

Titel belohnt tierischen Einsatz

Der wandhohe Vitrinenschrank im Keller ist rappelvoll mit Trophäen. Pokale, Schleifen, Medaillen füllen jeden Quadratzentimeter. „Den hier haben wir noch gar nicht ausgepackt“, zeigt Ulrich Landenberger auf einen weiteren Karton am Boden und lacht. Und jetzt noch ein Pokal, größer als alle anderen. Sein Sohn Joerg hat ihn von der Bundesschau mitgebracht, die die Vereinigung für Artenschutz, Vogelhaltung und Vogelzucht (AZ) in Kassel ausgerichtet hat. Dort erzielte der 44-Jährige mit etlichen ersten Plätzen nicht nur die beste Gesamtleistung, sondern holte mit einem Blaukof-Schmetterlingsfink sogar den Bundessieg bei den Exoten. Bei allen Erfolgen der beiden Heddesheimer Hobbyzüchter ein besonderer Titel. Vor elf Jahren gelang er Joerg Landenberger das letzte Mal, seinerzeit gewann ein Dornamadinen-Männchen aus seiner Zucht.

Der neue Champion mit dem eleganten blau-braunen Federkleid hüpft in seinem Käfig munter von einer Stange zur anderen, augenscheinlich unbeeindruckt von seinem Ruhm. Einen Namen habe er nicht, informiert sein Züchter. Kein Wunder: Rund 150 Vögel zwitschern in der Anlage der Landenbergers in der Gartenstraße. Der Schwerpunkt liegt auf den Prachtfinken, zu denen auch der ursprünglich im südlichen Afrika beheimatete Sieger gehört. Der ist freilich waschechter Hellesema. Der Import aus Afrika oder auch Australien, woher ebenfalls viele Prachtfinken ursprünglich stammen, ist in EU-Länder verboten, wie die Landenbergers aufklären. Das hat seine Gründe im Tierschutz ebenso wie in dem Risiko, dass Krankheiten eingeschleppt werden.

Die Exoten deutscher Züchter sind somit allesamt Nachzuchten – von nie auszuschließendem illegalem Handel mal abgesehen. Ohnehin dürfen in deutschen Schönheitskonkurrenzen nur „Eigengewächse“ antreten, also keine vom Halter zugekauften Tiere. In anderen Ländern ist das nicht so. „Ein Vogel, den wir nach Holland abgegeben haben, hat dort mit seinem neuen Besitzer eine Schau gewonnen“, erzählt er.

Tiere zu tauschen oder zu verkaufen, ist für die Züchter unerlässlich, um das Hobby ein Stück weit zu finanzieren. Nicht nur das Futter, das bei den Landenbergers im Keller ganze Kühltruhen füllt, kostet. Die Teilnahme an Schauen schlägt mit Startgeld, Fahrt und Übernachtungen gern mal mit einigen hundert Euro zu Buche. Und natürlich will auch die ganze Ausstattung – von den Nistkästen bis zu den kleinen Badehäuschen – bezahlt werden.

Experte auch im Ausland gefragt

„Als Schreiner kann ich aber einiges selbst machen“, zeigt Joerg Landenberger auf die Käfige im Keller, in dem es übrigens auch im Winter schön warm ist. Die Exoten haben schließlich ihre Ansprüche. „Das Licht dimmt abends automatisch langsam runter und morgens wieder hoch“, erklären die Vogelfreunde. Komplizierter wird es beim ausgeklügelten Futterplan für die Tiere, die je nach Art, Größe, Alter und sonstigen Vorlieben ihre ganz spezielle Körnchen- oder Würmchen-Mischung bekommen.

Erfahrung ist da alles – und über die verfügt das erfolgreiche Vater-Sohn-Gespann reichlich. Als Jugendlicher habe er ein Paar Wellensittiche geschenkt bekommen, erzählt der 65-jährige Ulrich Landenberger und lacht: „Damit fing das Elend an.“ Später hielt er Kanarienvögel, und die ersten Zuchterfolge ließen nicht lange auf sich warten. Sohn Joerg stieg mit etwa zwölf Jahren mit ein ins tierische Hobby, und ist heute auch im Ausland gefragter Experte zur Prachtfinkenzucht.

Rund drei bis vier Stunden täglich verbringen die beiden bei ihren Vögeln, schätzen sie. Füttern, Saubermachen, Beringen, Nistkästen kontrollieren, Bade- und Trinkwasser wechseln: Bei so vielen gefiederten Mitbewohnern ein zeitaufwendiges Geschäft. Sind Vater und Sohn unterwegs – etwa auf Schauen oder um bei anderen Züchtern neue Vögel zu sichten –, springen die Frauen und die (Enkel-)Kinder helfend ein.

In Kürze beginnt im Hause Landenberger wieder die Zuchtsaison. „So zwischen Weihnachten und Neujahr“ erwarten sie die ersten Eier. Bis zum Frühsommer pickt sich in den Nestern dann immer neuer Nachwuchs ans Licht – und vielleicht schon der nächste Bundessieger. Ein potenzielles Weibchen für den namenlosen Champion wartet jedenfalls schon im Käfig nebenan.