Rhein-Neckar

Neckar-Bergstraße Unwetter trifft vor allem Edingen-Neckarhausen und Ilvesheim / Mehr als 200 Einsätze der Feuerwehren / Bundestagsabgeordneter Lamers vor Ort

Umstürzende Platane beschädigt Wohnhaus in Ladenburger Weststadt

Archivartikel

Die amtliche Warnung des Deutschen Wetterdienstes vor Gewittern mit heftigem Starkregen war nach der ungewöhnlichen Hitze für den gesamten Beritt dieser Zeitungsausgabe aktiv. Doch wann und wo genau würde es sich entladen? Seit den frühen Morgenstunden des Freitags steht fest: Vor allem in Edingen-Neckarhausen und Ilvesheim.

Insgesamt liefen laut Polizei kreisweit allein 150 Keller voll. Es gab keine Personenschäden. Doch rückte die Freiwillige Feuerwehr in der Doppelgemeinde nach eigenen Angaben gestern Mittag auf Facebook zu über 130 nächtlichen Einsätzen aus. Auf der Insel zählten die Hilfskräfte über 70 Stellen, wo noch in der Nacht Eingreifen erforderlich war.

Es kam Verstärkung aus Dossenheim, Heddesheim und Schriesheim, um Ilvesheimer Keller von eingedrungenem Wasser zu befreien. Am Mittag machte sich Bundestagsabgeordneter Karl A. Lamers im Ilvesheimer Gerätehaus ein Bild von der Lage. In Heddesheim und Hirschberg gab es kaum Schäden.

16 vollgelaufene Keller

Relativ glimpflich kam Ladenburg mit 16 Fällen von vollgelaufenen Kellern und umgestürzten Bäumen davon, allerdings unterstützen die Römerstädter die Edinger Feuerwehr mit sechs Leuten und Tauchpumpen. Der Rest der Mannschaft half in der Römerstadt auch, einen größeren Schaden in der Breslauer Straße zu beseitigen.

Dort war die Krone einer mächtigen Platane abgebrochen und beschädigte das Dach eines Hauses stark. Darauf drang Regenwasser ein. Außerdem stürzte der schwere Stamm des Straßenbaums auch auf einen Kleinwagen, der in der Einfahrt parkte, und zerstörte unter anderem den Holzzaun des Nachbarn.

„Um zwei, halb drei hat es geknallt“, berichtet Anwohner Roland Nawa. „Das war mit Ansage und nur eine Frage der Zeit, bis so etwas passiert“, sagt Gerd Vogelgesang, dessen Haus am stärksten betroffen ist. Er zeigte dabei auf eine dunkle Fäulnisstelle im Inneren des auf der Straße liegenden Baumstamms. Er fragte sich, wer den Berg an Ästen und Laubwerk beseitigt und wessen Versicherung für den Schaden aufkommt.

Da tauchten Mitarbeiter des städtischen Bauhofs mit einem Transporter auf und begannen aufzuladen. „Alle Anwohner der Breslauer Straße mit riesigen Platanen vor dem Haus regen sich schon lange auf“, erklärt Nawa, „weil diese Allee nur Ärger macht.“ Schon zigmal habe man die Stadtverwaltung auf die angeblich mangelnde Pflege von Bäumen und Hecken hingewiesen. „Vor drei Jahren wurde durch herabfallende Äste der Motorroller meines Hausbewohners zerstört“, berichtet Doris Köber. Für den Schaden habe der Mann selbst aufkommen müssen.

Kritik an Verwaltung

„Das alles kümmert im Rathaus niemanden, obwohl wir bestimmt schon zwanzig Mal angerufen haben“, zeigt sich Nawa verärgert. Er sieht „Gefahr für Leib und Leben“ und sorgt sich „um die Sicherheit von Kindern“ auf dem Weg in die schräg gegenüberliegende Astrid-Lindgren-Grundschule. „Auch der Belag des öffentlichen Straßenbereichs vor unserer Einfahrt ist stark mangelhaft“, schimpft Nawa. Sein Versuch, sich mit der Stadt zu einigen, sei gescheitert. „Die Hecken und Wege sind ungepflegt, aber da kommt keiner zum Rückschneiden und Kehren“, kritisiert er.

Im Rathaus habe man ihm erklärt, dass man gesunde Bäume nicht zurückschneide. Das kann Anwohnerin Köber nicht verstehen: „Das ist doch kein Zustand, das sind keine Bäume für ein Wohngebiet, auch Allergiker haben hier größte Probleme“. Nawa findet angesichts der weiter instabilen Wetterlage: „Solch ausladende Platanen sind Zeitbomben, und deshalb wäre es unser Wunsch, dass diese Bäume wegkommen oder zumindest regelmäßig geschnitten werden.“