Rhein-Neckar

Neckar-Bergstraße Solidarische Landwirtschaft am Markushof / Seit diesem Jahr auch Depot in Edingen

Von der eigenen Hände Arbeit ernähren

Archivartikel

Bauern, die Wert auf ökologischen und biologischen Anbau legen. Regionale Produkte, die verpackungsfrei in die Hände des Verbrauchers gelangen. Eine Gemeinschaft, die sich aktiv am Erhalt lokaler und nachhaltiger Strukturen beteiligt: Solidarische Landwirtschaft (Solawi) ist eine Art des Wirtschaftens, die das Wohlergehen von Menschen, Tieren und Umwelt als höchste Priorität setzt. „Solawi ist mit sehr viel Arbeit, Initiative und Engagement verbunden. Aber diese andere Form von Wirtschaften hat es geschafft, mich zu faszinieren“, erklärt Helga Frohoff, Depotsprecherin in Edingen, im Gespräch mit dem“MM“.

Wartelisten eingeführt

In Edingen befindet sich eines der insgesamt 14 Depots im Rhein-Neckar-Kreis. Depots sind Lagerorte, die meist Privatpersonen bereitstellen. Von dort können sich die Mitglieder der Solawi Rhein-Neckar ihre jeweiligen Ernteanteile abholen. Bauer Markus Schmutz vom Markushof in Maisbach beliefert diese Verteilstellen mit seiner Ernte. Der Hof ist mit seinen 48 Hektar Nutzfläche auf 180 Anteile ausgelegt. Momentan müsse er jedoch für 205 Anteile aufkommen. Das ist der Grund dafür, dass dieses Jahr erstmals Wartelisten für neue Mitglieder eingeführt wurden.

In Edingen stellt Helga Frohoff das Depot zur Verfügung. Anfang des Jahres hat sie dieses in der Gemeinde initiiert. Vorher sei sie anderen Depots angehörig gewesen. Die Freundin ihrer Tochter habe sie ursprünglich auf die Idee einer Mitgliedschaft bei der Solawi gebracht: „Ich habe nur gedacht: Das ist es. Das ist genau meins.“

35 Gemüsesorten

Zeitpunkt der Lieferung ist in Edingen immer donnerstags am Abend. Ab dann stehen Gemüse, Milch, Käse, Wurst, Fleisch, Getreide, Brot, Nudeln, Obst und Kräuter zur Abholung bereit. Über das Jahr verteilt werden bei der Solawi 35 verschiedene Gemüsesorten geerntet, erzählt Frohoff. Für die Produktion von Käse, Brot und Nudeln liefere der Markushof aber nur die Grundstoffe. Um die Weiterverarbeitung kümmern sich Fabrikanten aus der Region.

Die Mitglieder finanzieren durch ihre regelmäßigen Beiträge nicht nur ihre Produktanteile, sondern die gesamten Betriebskosten des Markushofs. Die Finanzierung ist demnach unabhängig davon, wie die Ernte ausfällt. Diesen Sommer sei sie zum Beispiel stark beeinträchtigt gewesen, erzählt Frohoff. Gründe dafür waren Trockenheit und Engerling-Plagen. Durch die finanzielle Rückendeckung der Gemeinschaft kann der Hof trotzdem ohne große Einbußen weiter bestehen. Jedes Mitglied erhält in solch einem Fall aber nur einen reduzierten Anteil der Ernte.

Einmal im Jahr findet eine Hauptversammlung aller Mitglieder statt. Unter anderem werden dort die Ergebnisse der Bieterrunde verkündet. In dieser Runde vermerkt jedes Mitglied sein Angebot für den monatlichen Beitrag, den er für seinen Ernteanteil leisten möchte. Die Runde ist ein „Appell an die Solidarität“, sagt Frohoff. Es gebe Mitglieder, die nicht so viel bezahlen können. Andere müssen sich dann dazu bereit erklären, mehr zu bezahlen. Hauptsache ist, dass der geplante Haushalt für das kommende Jahr gedeckt werden kann. Der durchschnittliche Beitrag müsse sich daher monatlich auf ungefähr 130 Euro belaufen.

Für den Hof und den Prozess ist die Hilfe vieler Mitglieder unabdingbar, wie Frohoff erklärt. Mitarbeit sei deswegen sehr erwünscht, aber keine zwingende Voraussetzung für die Mitgliedschaft. Für die meisten sei es aber nicht nur ein wertvoller Beitrag für die Gemeinschaft, sondern auch sinnvoll verbrachte Zeit mit einem hohen Wert für das eigene Gemüt und die Gesundheit: „Das gemeinsame Ackern macht großen Spaß. Einige Helfer bringen oft auch ihre Kinder mit. Im Acker zu spielen, das ist für die Kleinen einfach toll.“

Das Hofteam kalkuliere mit einer Unterstützung von etwa zwölfeinhalb Stunden Mitarbeit pro Mitglied im Jahr. Samstag und Mittwoch seien die festgelegten Helfertage, an denen Mitglieder zum Gemüse sähen, pflanzen, jäten und ernten kommen können. Besonders im Frühjahr gebe es viel zu tun.

Mehr als eine Nischenproduktion

Sich ausschließlich mit Solawi-Produkten zu ernähren, sei jedoch noch schwer. Frohoff könne mit der Ernte der Solawi einen Großteil ihres Bedarfs abdecken – aber nicht alles. Ziel ist es, sich eines Tages nur noch mit eigens angebauten Lebensmittel zu versorgen. „Wir streben auf jeden Fall eine Vollversorgung an.“, erklärt sie entschieden. Solawi sei außerdem längst keine Nischenproduktion mehr. Stattdessen breite sich die Wirtschaftsform immer weiter aus. „Man merkt, dass etwas passiert“, freut sich Frohoff.

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