Rhein-Neckar

Vorstandsvorsitzende des Klinikums und Kaufmännische Direktorin treten zurück

Archivartikel

Heidelberg.Die Vorstandsvorsitzende des Universitätsklinikums Heidelberg, Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich, und die Kaufmännische Direktorin Irmtraut Gürkan haben nach Informationen dieser Zeitung am heutigen Dienstag gegenüber dem Aufsichtsrat erklärt, ihr Amt vorzeitig niederzulegen. Demnach tritt Gürkan bereits am morgigen Mittwoch von ihrem Amt zurück, Grüters-Kieslich zum 31. Oktober. Dies erklärten sie am heutigen Dienstag in einer Sondersitzung des Aufsichtsrates. Diese Schritte machten den Weg frei für einen Generationswechsel an der Spitze des Universitätsklinikums, wie der Aufsichtsrat am Dienstag mitteilte. 

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) zollte den beiden Frauen Respekt. Sie ermöglichten der Uniklinik den aus ihrer Sicht notwendigen Neuanfang. Zuvor war der Geschäftsbereichsleiter Recht der Uniklinik, Markus Jones, freigestellt worden. Der Dekan der Medizinischen Fakultät war zurückgetreten.

Hintergrund ist die verfrühte Präsentation eines Bluttests für Brustkrebs durch den Chef der Frauenklinik, Christof Sohn, der ihm herbe Kritik der Fachwelt eingebracht hatte. Eine externe Kommission zur verfrühten Veröffentlichung hatte Mitte Juli in einem Zwischenbericht "Führungsversagen, Machtmissbrauch und Eitelkeit" in der Klinik festgestellt.

„Ich habe mit großer Freude mehr als zwei Jahre lang als Leitende Ärztliche Direktorin und Mitglied des Vorstands des Universitätsklinikums Heidelberg gearbeitet. Aufgrund der Geschehnisse der letzten Monate bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es richtig ist, mein Amt vorzeitig zur Verfügung zu stellen", teilte  Annette Grüters-Kieslich mit.  "Wir haben als Vorstand besonders in der Krise nicht konzertiert genug agiert. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein schlichtes 'Weiter-so' für das Universitätsklinikum Heidelberg in der heutigen Zeit nicht in Betracht kommen darf", hieß es weiter. Strukturreformen für das Universitätsklinikum Heidelberg seien notwendig. 

Die Entwicklung der vergangenen Monate habe deutlich gemacht, dass die Strukturen und Prozesse des Universitätsklinikums Heidelberg, vor allem in Hinblick auf seine Töchter und Ausgründungen, deutlicher definiert werden müssen, erklärte Irmtraut Gürkan. "Eine konstruktive Aufarbeitung bedingt eine vertrauensvolle enge Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat. Diese ist nicht mehr möglich. Daher habe ich mich entschlossen, von der Position der Kaufmännischen Direktorin zum 31. Juli 2019 zurückzutreten." Irmtraut Gürkan war 16 Jahre lang für das Klinikum tätig. 

Diplom-Kaufmann Hartmut Masanek, Geschäftsbereichsleiter Finanzen am Universitätsklinikum Heidelberg, wurde vom Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung zum neuen Stellvertretenden Kaufmännischen Direktor ernannt. Er wird die Aufgaben des Kaufmännischen Direktors ab sofort kommissarisch übernehmen. Darüber hinaus beschloss der Aufsichtsrat am Dienstag, eine Personalberatung zur Unterstützung bei der Neubesetzung der Vorstandsämter zu beauftragen.

Prof. Dr. Hans-Georg Kräusslich wurde als neues, nebenamtliches Mitglied des Vorstands des Universitätsklinikums berufen. Kräusslich übernimmt als erster Stellvertreter des Dekans dessen Amtsgeschäfte bis zum Ende der aktuellen Wahlperiode.

Der Aufsichtsrat unterstrich nochmals seine Auffassung, dass die Hauptverant­wortung für die „Causa Bluttest HeiScreen" bei demjenigen Wissenschaftler liege, der ohne entsprechende Grundlage durch eine Medienkampagne haltlose Versprechungen verbreitet hat. Der Aufsichtsrat begrüße die noch laufende Aufklärungsarbeit der verschiedenen damit befassten Kommissionen.

(dls/tbö/dpa) 

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