Rhein-Neckar

Heddesheim Gemeinde beschließt Digitalisierungsstrategie / Marie Gottschaller als Expertin im Rathaus

Wenn die Drohne den Pass bringt

Archivartikel

Wir schreiben das Jahr 2034. Eine Drohne fliegt durch die Schriesheimer Straße und landet direkt vor dem Haus von Jana Kessler. An Bord hat sie den Kinderausweis, den Janas Eltern wenige Minuten zuvor per Fingerwisch auf dem Smartphone beantragt haben. Die kleine Jana erntet so die Früchte, die ihr Großvater Michael als Bürgermeister zwanzig Jahre zuvor mit der Digitalisierungsstrategie gesät hat.

Noch ist das alles natürlich Zukunftsmusik, doch mit seinem einstimmigen Beschluss am Donnerstag hat der Gemeinderat den Grundstein dafür gelegt, dass eine solche Entwicklung zumindest in der Theorie möglich ist. „Digitalisierung wird uns und die Verwaltung verändern, auch den Umgang miteinander“, erläuterte Christopher Heck von der Dienstleistungsgesellschaft des Gemeindetages: „Das hat Einfluss auf uns alle, und dem können wir uns nicht entziehen.“

„Digitalisierung trifft den Nerv der Zeit“, glaubt auch Marie Gottschaller (25). Die junge Verwaltungsexpertin ist seit Januar stellvertretende Leiterin des Hauptamtes der Gemeinde und dort vor allem für diesen Bereich zuständig. „Heddesheim ist hier schon sehr weit“, betont Gottschaller im Gespräch mit dem „MM“. Zuletzt war sie bei der Stadt Erlangen beschäftigt und hat an der Uni in Speyer den Master of Public Administration erworben. Mit der Digitalisierung könne sich viel bewegen, glaubt sie und nennt als konkrete Beispiele die Badesee-App zum Ticketkauf ohne Schlangestehen oder den Ausbau des öffentlichen WLAN. Zwar könnten nicht alle Dienstleistungen der Verwaltung digital angeboten werden, aber Ziel sei es, das bei möglichst vielen zu erreichen, um Erleichterungen für die Bürger zu schaffen.

Heddesheim habe sich schon früh diesem Thema gewidmet, sagte Heck, als eine von insgesamt 50 Kommunen in ganz Baden-Württemberg. Damit sei gelungen, was in einer „MM“-Schlagzeile zu lesen war: Die Gemeinde habe sich als Vorreiter positioniert und als eine der ersten eine solche Strategie erarbeitet. Nun müsse man sehen, welches Förderprogramm für Heddesheim sinnvoll sei. „Sie dürfen nicht stehenbleiben, sondern müssen am Ball bleiben“, appelliert er an die Gemeinde. Klar ist für Heck aber auch: „Der Mensch steht im Mittelpunkt, wir wollen sein Leben vereinfachen.“

Die CDU unterstütze das Projekt, betonte deren Sprecher Josef Doll. äußerte aber ein mulmiges Gefühl angesichts der Tatsache, dass Daten irgendwo in der Cloud liegen. „Rund 65 Prozent der Schüler von heute werden einen Beruf ausüben, den es derzeit noch gar nicht gibt“, machte Jürgen Merx (SPD) die Bedeutung der Digitalisierung deutlich und forderte: „Sie muss schon bei den Jüngsten ansetzen, darf aber bei den Alten nicht aufhören.“

„Digitalisierung gilt als nicht aufhaltbar, ist aber auch kein Naturereignis“, goss Günther Heinisch von den Grünen etwas Wasser in den Wein und mahnte: „Nicht alle Geschenke sind wirklich kostenfrei.“ Es gelte, Chancen nutzen, aber auch Gefahren zu erkennen und Missbrauch zu verhindern: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“

„Wir begrüßen das Papier grundsätzlich“, sagte Frank Hasselbring (FDP) und sprach von einem besonders wichtigen Vorhaben für die Zukunft. Allerdings wolle man der Verwaltung keinen Freibrief ausstellen. „Die Strategie ist nur ein großes Gestaltungsbuch“, hielt ihm Bürgermeister Kessler entgegen. Damit konnte er Hasselbring und die FDP-Fraktion schließlich doch überzeugen.