Rhein-Neckar

Schriesheim Reit- und Fahrverein wehrt sich gegen Vorwürfe von Pächtern / Kontrolle des Veterinäramts in der Küche

„Wie ein Schuss in den Rücken“

Archivartikel

„Wir wollen nicht zwischen die Mühlen geraten“, sagt Klaudia Türk; die Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins (RFV) fürchtet allerdings, dass ihr Verein nun doch in diese Lage gerät. Schon seit längerem schwelt nämlich der Streit um einen Pachtvertrag, in dem sich die Reiter mit Vorwürfen konfrontiert sehen, auf die sie jetzt im Gespräch mit dem „MM“ entschärfen wollen.

Streitobjekt ist ein Gartengrundstück zwischen Dressurplatz und öffentlichen Wegen südlich der Reithalle. Den Pächtern, berichtet Türk, sei zum Ende des Jahres gekündigt worden, das Gelände soll ab 2020 vom Verein genutzt werden (der „MM“ berichtete).

Grundlage ist eine Abrede, die die Eltern des heutigen Pächters mit dem damaligen Bürgermeister trafen. Als zwei weiteren Pächtern gekündigt wurde, teilte Peter Riehl in einem Schreiben vom Februar 2005 mit, dass die zwei verbliebenen Parteien ihre Grundstücke so lange weiter bewirtschaften dürften, „bis sie die Gärten aus Altersgründen abgeben“ würden. In einem Fall ist das geschehen. Nun geht es nur noch um das letzte Areal, dessen Pächterin mittlerweile verstorben ist.

Auslauf für die Pferde

Was nun für die Unstimmigkeiten sorgt, ist das Vorgehen des Pächter-Sohns Günter Machauer, der mit seiner Frau Barbara die Grünen-Fraktion auf sein Grundstück einlud und dazu ein Schreiben des Naturschutzbunds Heidelberg vorlegte, in dem sich dieser an die Stadt wandte mit der Bitte, das Areal zu erhalten. Grund war die naturnahe Gestaltung und Artenvielfalt.

Zum Verein hätten Machauers nie Kontakt aufgenommen, sagt Schriftführerin Daniela Fischer: „Wir haben ihnen ein Gespräch angeboten, aber sie sind nicht auf uns zugekommen.“ Ein Treffen mit den Grünen sagte der RFV wegen einer Großveranstaltung ab, berichtet Vize-Vorsitzende Cornelia Schmid.

Letztlich alles Probleme, die lösbar gewesen wären. Doch nun ist man im Verein empört über die Vorwürfe, die nach dem Treffen mit den Grünen erhoben wurden. Etwa der, dass auf dem Grundstück nur Geräte gelagert werden sollen.

„Das stimmt nicht“, sagt Fischer. Vielmehr soll das Gelände einmal als Paddock für den Winter dienen. In den Sommermonaten nutzt der RFV eine Wiese, die aber von September bis Mai gesperrt ist. „Damit sich die Grasnarbe erholen kann“, so Fischer. Für Türk ist es wichtig, dass die Tiere auch in der kalten Jahreszeit Auslauf haben: Drei Schulpferde würden davon profitieren, außerdem noch weitere Tiere, die im Stall einquartiert werden. Ausweichen sei nicht möglich, erklärt sie: „Die Flächen ringsum sind alle in Privatbesitz.“ Also sei der Verein auf das Machauer-Gelände angewiesen.

Im Vorstand ist man davon überzeugt, dass die Rechtslage eindeutig ist und dem RFV das Grundstück zusteht. Doch nun sorgte noch ein Besuch des Veterinäramts für Aufregung, wie Türk berichtet: Die Behörde erhielt unlängst einen anonymen Anruf, in dem von Ratten und Ungeziefer in der Küche die Rede war.

Anonyme Anzeige

„Sie musste dem nachgehen“, fasst Türk die Visite der Mitarbeiterin zusammen, die zur beiderseitigen Zufriedenheit ausfiel: Die Beamtin bescheinigte dem Verein, alle Hygiene-Auflagen erfüllt zu haben. Zu guter Letzt zeigen die Vorstände dem „MM“ das Grundstück. „Alles einjährige Nutzpflanzen“, sagt Türk beim Blick über den Maschendrahtzaun. Da stehen Folien-Gewächshäuser mit Tomaten, in den Beeten wachsen Gurken, Zucchini, Lauch und Kohlrabi. Nichts, was die Pächter nicht auch anderswo ziehen könnten, finden die Mitglieder. Am Zaun ranken Wicken, und zwischen den Beeten stehen Birken, Flieder und ein Kirschbaum. Sie sollten bleiben, betont Fischer: „Denn die Pferde brauchen ja auch Schatten.“

Unverständlich findet Türk das Vorgehen der Grünen: „Es ist wie ein Schuss in den Rücken. Es hat uns gewundert, dass sich auf einmal eine Fraktion gegen uns stellt.“ Gegen einen Verein mit mehr als 160 Mitgliedern, darunter 70 unter 18 Jahren, die hier reiten und den Umgang mit Pferden lernen würden.