Rhein-Neckar

Schriesheim Trauerfeier für Lynn Schoene, langjährige Leiterin des Kerg-Museums / Viele Künstler der Region nehmen Abschied

„Wir werden sie vermissen“

Archivartikel

Mit einer gefühlvollen, familiär geprägten Trauerfeier haben Angehörige, Freunde und die Stadt Schriesheim am Freitag Abschied von Lynn Schoene genommen. Die überregional bekannte Künstlerin und Leiterin des Museums Theo Kerg war am 12. Januar im Alter von 66 Jahren plötzlich verstorben.

Wie geschätzt, ja beliebt die Verstorbene war, davon zeugt an jenem sonnigen, aber kalten Winternachmittag der Andrang auf dem Friedhof. Bereits lange vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung ist die Trauerhalle bis auf den letzten Platz besetzt, viele Trauergäste müssen im Innern und auch im Freien stehen. Auch zahlreiche bekannte Künstler der Region sind gekommen.

In der Trauerhalle erinnern an die Verstorbene ein Porträtfoto und das von ihr geschaffene Kunstwerk „Kaffeemuseum“ – entstanden 2018 auf Basis des Fotos einer Kaffeerunde mit Freunden, die ihr stets viel bedeutet haben.

Der gemeinsame Blick der Trauergemeinde fällt zunächst auf ein viel zu kurzes, aber erfülltes Leben, das am 24. Februar 1953 in der Nähe von London beginnt. Die Tätigkeit als Dolmetscherin bei der BASF Ludwigshafen führt Lynn McCarrick Anfang der 1970er Jahre nach Deutschland, die Hochzeit von 1976 schließlich nach Schriesheim. Nach Geburt von Sohn Benjamin 1978 und Tochter Helen 1980 beendet sie ihre berufliche Tätigkeit, um sich ganz der Familie zu widmen.

Angehörige gestalten Programm

Zugleich ist es der Startschuss für jenes Wirken, durch das sie in der gesamten Region und sogar darüber hinaus bekannt wird. Denn die rare freie Zeit zu Hause nutzt die junge Mutter, um ihrem künstlerischen Talent Raum zu geben, das sie im Laufe der Jahre in Kursen bei renommierten Kollegen immer weiter verfeinert. Den Ateliers zu Hause folgt 2006 ein großes in Mannheim. 1997 übernimmt sie die Leitung des Museums Theo Kerg, erwirbt sich bleibende Verdienste um die Bewahrung der Erinnerung an Leben und Werk des 1993 verstorbenen Meisters, den sie selbst nie kennenlernt.

2000 kreuzen sich die Wege von Lynn Schoene und Tom Feritsch. In einer Heidelberger Galerie spricht er sie an, es entsteht eine fruchtbare künstlerische Symbiose sowie „neues Lebens- und Liebesglück, das wunderbar, aber viel zu kurz bleibt“.

Das weitere Programm der Feier gestalten die Angehörigen selbst: Martin McCarrick spielt am Klavier, Tochter Helen rezitiert auf Englisch das Gedicht „The Road not taken“ des amerikanischen Dichters Robert Frost (1874-1963). Lynns älterer Bruder dankt auf Deutsch all jenen, „die Lynn in Deutschland herzlich aufgenommen und willkommen geheißen haben.“ Und er bekennt: „Wir werden sie vermissen.“

„Wir trauern um Lynn“ formuliert auch Bürgermeister Hansjörg Höfer. Im Namen von Stadt, Kulturkreis und Volkshochschule würdigt er die Verstorbene als „angesehene Künstlerin“, die das Kerg-Museum weit über die Grenzen der Stadt bekannt gemacht, ja die es geprägt hat – mit ihren Kontakten, die hochkarätige Künstler nach Schriesheim holten, oder indem sie oft selbst mit Hand angelegt hat: „Lynn Schoene hat sich um die Stadt Schriesheim verdient gemacht“. Und zum Trost der Trauernden findet er die richtigen Worte: „Wenn man auf Erden einen geliebten Menschen verliert, gewinnt man im Himmel einen Schutzengel.“

Zu den Klängen von Weisen der britischen Insel nehmen die Trauergäste Abschied. Der Inhalt der Urne wird in Großbritannien an Orten verstreut, die der Verstorbenen wichtig waren. Jeder Trauergast darf eine weiße Rose mitnehmen – als Erinnerung an eine einzigartige Frau, die vielen fehlen wird.

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