Rheinau / Hochstätt

Hochstätt Anwohner wollen für Erhalt kämpfen / GBG tauscht Schlösser aus / Gespräche über Wiedereröffnung und neues Konzept laufen noch

Besucher klagen über Schließung von Bewohnertreff

Archivartikel

Die Empörung der Bewohner auf der Hochstätt ist groß: Nach Jahren ehrenamtlicher sozialer Arbeit wurde der Bewohnertreff am Karolingerweg zu Beginn der Sommerferien geschlossen. Die GBG Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft mbH als Vermieter der Räumlichkeiten teilte dem ehrenamtlichen Verantwortlichen, Günter Seibel, mit, der Bewohnertreff bleibe bis zum 9. September geschlossen.

In der Vergangenheit habe es immer wieder Beschwerden von Anwohnern des Stadtteils gegeben. Besucher des Treffs hätten in größeren Gruppen vor dem Haus gestanden, geraucht und Passanten belästigt. Außerdem hätten die Nutzer des Treffs entgegen den Vereinbarungen mit der GBG, dem Träger Schifferkinderheim, dem Quartiermanagement Hochstätt und den ehrenamtlichen Verantwortlichen weder die Räume noch die Außenflächen sauber gehalten und sich auch sonst nicht an die Hausordnung gehalten. Ende Juli hatte die GBG dann sämtliche Zylinder getauscht und Günter Seibel aufgefordert, die Schlüssel zurückzugeben. „Wir waren schockiert. Die Information kam von heute auf morgen“, sagt Rentnerin Renate Schettler (80 Jahre), welche die Angebote im Bewohnertreff gerne nutzt.

Täglich bis zu 25 Gäste

Die Kontaktzahlen bewegten sich täglich zwischen zehn und 25 Besuchern. Günter Seibel erklärte: „Dieser Stadtteil war sehr unterstützungsbedürftig. Meine Frau hat den Bewohnertreff aufgebaut und damit angefangen, sich um die Bewohner zu kümmern.“

Nach dem Tod von Monika Seibel übernahm er die ehrenamtliche Leitung der Einrichtung: Frühstück am Montag und Freitag, Mittagstisch am Mittwoch. Schularbeitenhilfe, Senioren- und Spielenachmittage der Einrichtung wurden von vielen Bewohnern des Stadtteils genutzt. Hier fanden Sommerfeste, Kindergeburtstage und alljährlich auch ein Neujahrsempfang statt. Beim Neujahrsempfang der Stadt 2019 sprach Oberbürgermeister Peter Kurz Günter Seibel „Dank und Anerkennung für sein hervorragendes Engagement“ aus.

Seibel betonte, dass der Bewohnertreff vor allem eine Anlaufstelle für Sozialschwache ist: „Kinder kommen nach der Schule hierher und werden betreut. Alleinlebende Rentner suchen täglich den Kontakt zu anderen.“ Die Besucher hätten auch weder vor dem Treff geraucht, dafür hätten sie extra hinter dem Haus einen Platz eingerichtet, noch stammten die Verschmutzungen rings um das Haus von diesen.

Auf den Bewohnertreff verzichten möchten auch Cornelia Heinemann, Zelal Kardogan und Feride Aybars nicht. „Der Bewohnertreff ist unser zweites zu Hause und das Herz von der Hochstätt“, erklärten sie. Aufgeheizt wurde die Stimmung durch Gerüchte: Man wolle Günter Seibel rausdrängen und die Räume einer anderen Nutzung zuführen.

„Alles falsch“, sagt Quartiermanagerin Yvonne Baumgarten. Der Bewohnertreff sei nur vorübergehend geschlossen. Zurzeit werde ein neues Konzept erarbeitet. Für einen öffentlichen Raum gebe es Vorgaben und Vorschriften. Es sei keine Grundlage mehr da gewesen. Günter Seibel sei zum Schluss ganz allein gewesen und brauche Unterstützung. Nach den Sommerferien werde der Bewohnertreff wieder geöffnet mit einem anderen Konzept – „ein neues und breiteres Angebot, das auf mehrere Schultern verteilt wird“. Das werde zusammen mit Günter Seibel geplant.

Spielregeln einhalten

Zum Hintergrund erklärte Tim Ludwig, Leiter des Schifferkinderheims: Vor den Ferien habe es ein Gespräch gegeben mit den unterschiedlichen Beteiligten, da sie nicht zufrieden gewesen seien, wie es läuft. Beim Gespräch über ein neues Konzept werde Günter Seibel als zentrale Figur, der mitverantwortlich sei, dass es den Bewohnertreff so lange Zeit gibt, immer mitgedacht. Aber er sei auch ein Teil des Problems gewesen, da er sich an gewisse Absprachen nicht gehalten habe.

Versucht werde, den Bewohnertreff so schnell wie möglich wieder zu öffnen. Das Konzept werde auch nicht komplett verändert, sondern angepasst. Es werde wieder verschiedene Nutzungen geben. „Aber in einem Rahmen und mit gewissen Regeln, an die sich Betreiber und Nutzer halten müssen“, betonte Ludwig.