Rheinau / Hochstätt

Süd/Rheinau SPD-Bürgerdialog mit Polizeipräsident Andreas Stenger zum Thema Sicherheit am Rheinauer See

„Den See zu sperren, war nie Thema“

„Nach teilweise chaotischen Zuständen im Sommer am Rheinauer See“ startete SPD-Stadtrat Thorsten Riehle eine dreiteilige Dialogreihe mit Bürgern unter der Überschrift „Wie geht es weiter am Rheinauer See?“ Bei der ersten Veranstaltung in der Martinskirche mit Polizeipräsident Andreas Stenger ging es um die Sicherheit.

Riehle berichtete: „Als klar war, dass die Schwimmbäder in Brühl und Ketsch wegen der Corona-Pandemie nicht aufmachen, hat sich die Situation am Rheinauer See noch mal deutlich zugespitzt, verbunden mit allen Problemen.“ Von zugeparkten Wegen, über Eckenparken bis hin zu Bussen, die nicht durchkommen, habe es viele brenzlige Situationen gegeben. Dies sei für die Anwohner sehr belastend gewesen, nicht zuletzt auch wegen laut feiernder großer Gruppen von Jugendlichen am See. Es habe viele Gespräche gegeben – mit dem Oberbürgermeister, mit Erstem Bürgermeister Christian Specht, Polizeipräsident Andreas Sprenger, Revierleiter Elmar Hörscher und Quartiermanagerin Christiane Rudic. Den See abzusperren wegen der vielen Besucher in der Corona-Zeit sei aber nie Thema gewesen.

Polizeipräsident Stenger stellte fest: „Die Situation rund um den Rheinauer See war deutlich schwieriger als in den Jahren zuvor, doch immer beherrschbar und ohne Ausschreitungen wie in Stuttgart.“ Am Rheinauer See, wie auch am Vogelstangsee, hätten Ordnungskräfte und Polizei sehr engagiert und mit starken Kräften auf die vielen Besucher reagiert und extra Konzepte aufgelegt. Das zuständige Revier unter Leitung von Elmar Hörscher sei verstärkt worden durch weitere Kräfte. Von der Juni/ Juli bis Anfang August habe es 450 Verwarnungen gegeben, wurden Abschleppdienste beauftragt. Strategie der Polizei ist laut Stenger: „Starke Präsenz, Deeskalation und konsequente Bestrafung.“ Aber mit ordnungspolizeilichen Maßnahmen allein könne man die Situation nicht beruhigen. „Was wir brauchen, sind Respekt und Verständnis der Leute“, betonte der Polizeipräsident.

Keine tumultartigen Szenen

Revierleiter Hörscher erklärte, Polizei und Ordnungsdienste seien in Rheinau schon in der Anfangsphase aktiv gewesen, hätten sich während der Zeit eng mit den städtischen Institutionen und Quartiermanagerin Rudic ausgetauscht. „Es ist nicht so, wie behauptet, dass es Verstöße im mehrstelligen Bereich gab, und auch keine tumultartigen Szenen“, betonte der Polizeioberrat.

Bürger beschrieben die Lage hingegen als „Chaos ohne Abstand und rechtsfreien Raum“. Bewohner von Rheinau-Süd würden deshalb nicht mehr zum See gehen, so Hans Held. Was fehle, seien soziale Kontrolle und deutlich lesbare Schilder. Anwesende plädierten für „ein Rauchverbot am Sandstrand und dass das Grillverbot früher greift, beziehungsweise einen ausgewiesenen Grillplatz“.

Erwin Prudlik, Vorsitzender von Rot-Weiß Rheinau, erklärte, sein Sportverein habe während des Lockdowns den Betrieb einstellen und auch nach der Lockerung ein strenges Reglement des Trainings- und Spielbetrieb beachten müssen, während die Strandbesucher, die Parkplätze auf dem Vereinsgelände rücksichtlos zuparkt hätten. Er forderte, „dass der See bei Überlastung gesperrt wird“. Andere schlugen vor, den Parkplatz von Real zu nutzen und Besucher von außerhalb direkt nach Brühl umzuleiten.

Anwohner Martin Simon stört der mit Stacheldraht bewehrte Maschendrahtzaun am südlichen Seeufer, der Kinder und Hunde gefährde (wir berichteten). Den Zaun hat der Betreiber der Wasserski- und Wakeboardanlage, Peter Lindenberger, gezogen zum Schutz der Angelfischerei vor unrechtmäßigem Eindringen von Besuchern vom städtischen Strand in seinen Bereich. 83 Prozent des Nord- und Südufers gehören ihm. Was fehle, seien Strukturen. „Eine Lösung wäre, dass der See bewirtschaftet wird“, sagte Lindenberger.

Dagegen wandten Bezirksbeirätin Ulrike Kahlert (SPD) und Quartiermanagerin Christiane Rudic ein, die Pandemie sei nun mal eine Ausnahmesituation. „Der See muss offenbleiben, auch wegen seiner sozialen Funktion.“ Zur Wiederherstellung von Rücksicht und Akzeptanz planen Polizei und Quartiermanagement jetzt eine mobile Einsatzgruppe bestehend aus Sozialarbeitern und Bürgern.