Rheinau / Hochstätt

Rheinau Gustav Kruse, ehemaliger Chef der Tennisgesellschaft, im Alter von 97 Jahren verstorben

Den Verein nachhaltig geprägt

Wer ihm gegenübertrat, der konnte die Altersangabe nicht glauben. Bis ins hohe Alter war er schlagfertig, immer freundlich, ja gut gelaunt, stets elegant gekleidet. Im gesegneten Alter von 97 Jahren ist Gustav Kruse, als „singender Zahnarzt“ 1959 Stadtprinz des „Feuerio“ und in den 1970er Jahren Chef der Tennisgesellschaft Rheinau, verstorben.

Geboren wurde er am 23. Mai 1922 als jüngstes von sechs Kindern in der Rheinauer Waldseestraße 2. Sein Vater war Prokurist der Getreidefirma sowie österreichischer Vizekonsul in Mannheim; er starb mit nur 44 Jahren kurz nach Gustav Kruses Geburt. So war es an der Mutter, die Kinder durch die schlechten Zeiten zu bringen. Es folgten die charakteristischen Daten seiner Generation: 1941 Einberufung zum Arbeitsdienst, danach zur Wehrmacht, Teilnahme am Afrika-Feldzug, schließlich Gefangenschaft in Texas. Dort machte er eine Ausbildung zum Zahntechniker – Grundstock einer Profession, die er später verfeinerte: 1949 eröffnete er seine erste eigene Zahnarztpraxis auf der Rheinau – noch lag das Wartezimmer damals im heimischen Wohnzimmer. Insgesamt 40 Jahre praktizierte er.

Weit über die Grenzen Rheinaus hinaus bekannt wurde Kruse 1959 als Fasnachtsprinz des „Feuerio“ und der Stadt Mannheim. Bis heute legendär ist sein Lied als „Gustav II. von Zahntonien“: „Die Welt ist groß und rund/Ich bin ein Vagabund“. Vor Ort Spuren hinterlassen hat Kruse in der Tennisgesellschaft, der er fast 75 Jahre angehörte. 1950 wurde er Vergnügungswart, schuf gesellige Veranstaltungen, für welche die „TG“ lange bekannt war. Als Vorsitzender von 1970 bis 1973 unternahm er den ersten weitblickenden Versuch einer Verlegung der Vereinsanlage. Doch die Zeit war noch nicht reif, erst 30 Jahre später gelang der Umzug in den Hafen. 1980 wurde Kruse Ehrenmitglied seines Vereins.

Verheiratet war er seit 65 Jahren mit seiner Sieglinde. Die beiden bildeten das Herz einer Großfamilie, zu der drei Kinder, neun Enkel und elf Urenkel gehören. Die Beisetzung erfolgt an diesem Freitag, 9.30 Uhr auf dem Friedhof Rheinau. tin