Rheinau / Hochstätt

Rheinau Kinder und Jugendliche tragen dem Bezirksbeirat ihre Wünsche vor / Mitspracherecht bei der Planung von Spielplätzen gefordert

„Denn wir sind es, die dort spielen“

Ein ungewohntes Bild bietet an jenem Frühsommerabend die öffentliche Sitzung des Bezirksbeirates Rheinau: Die Zuschauerreihen im Nachbarschaftshaus sind voller Kindern und Jugendlicher, auch das Saalmikrofon gehört bei diesem Anlass ihnen. Denn in dieser Sitzung sollen sie den Kommunalpolitikern vor Ort ihre Wünsche vortragen.

Erarbeitet wurden sie im März auf einer Stadtteilversammlung. 77 Kinder und Jugendliche aus Grund- und Realschule, Hort und Nachbarschaftshaus, Kinderheim und Pfadfindergruppe Lorién nahmen damals daran teil. Was dabei herauskam, trugen sie nun öffentlich vor.

Klage über Schmutz und Hundekot

Den Anfang machte eine Gruppe aus der Rheinau-Grundschule. Sie beklagte vor allem die Lage auf den Spielplätzen: Zu viel Schmutz, zu viel Hundekot – so lauteten die vorgebrachten Missstände. Doch die Kinder hatten auch Lösungsvorschläge: Mehr Mülleimer für die, die sich korrekt verhalten wollen, und eine Hundewiese, die den Vierbeinern und ihren Besitzern vorbehalten ist.

Neben der Sauberkeit sorgte auch der Zuschnitt der Spielplätze für Kritik. Etwa in der Relaisstraße: „Dort gibt es viel zu viel Metall“, meinte ein Junge: „Wir wünschen uns mehr Holz und Natur.“ Auf der Drachenwiese sei zwar ein neues Klettergerüst installiert worden: „Aber es ist langweilig“, klagt ein anderer: „Oft werden Spielgeräte einfach nur aneinandergereiht.“

So wünschen sich die Kinder, bei die Planung der Spielplätze mit einbezogen zu werden: „Bisher entscheiden die Erwachsenen. Doch sie sind es nicht, sondern wir, die dort spielen“, formuliert ein Kind unter dem stürmischen Beifall des Saales.

Die älteren Jugendlichen haben naturgemäß andere Bedürfnisse. „Wir möchten Räume und Plätze für unsere Aktivitäten“, sagt ein Schüler der Konrad-Duden-Realschule. Dies gilt vor allem für den Sport. Und die Liste der Wünsche ist lang: Skaterplatz, Basketballplatz, Bolzplatz, Parcoursplatz, Kletterwand. „Vielleicht könnte man das an einer Stelle kombinieren“, schlägt er vor.

Bitte um flexiblere Öffnungszeiten

Ein weiterer Wunsch der Jugendlichen betrifft das Nachbarschaftshaus, konkret die Zugänglichkeit für verschiedene Altersgruppen. Bislang gilt, dass ältere Jugendliche erst gegen Abend Zutritt haben, der Nachmittag den jüngeren vorbehalten ist. Damit will man verhindern, dass die Jüngeren zu kurz kommen.

Das aber hat zur Folge, dass Gruppen auseinandergerissen werden. „Wenn wir zusammen zum Nachbarschaftshaus gehen, dürfen meine Freunde nicht mit rein, weil sie ein oder zwei Jahre älter sind“, berichtet ein Schüler. Renke Theilengerdes, seit zwei Monaten Leiter der Einrichtung, zeigt sich flexibel: „In Ausnahmefällen dürfen künftig auch Jugendliche ab 14 schon um 15 Uhr rein, wenn es unsere personelle Besetzung erlaubt.“ Die Jugendlichen sind erst einmal zufrieden.

Einen weiteren Kritikpunkt referiert Petra Carrera vom Fachbereich Bildung: „Jugendliche beklagen, dass die Straßenbahn sonntags nur alle 20 Minuten fährt.“ Und morgens sind die Busse so voll, dass nicht alle Schüler mitfahren können. „Manche Busfahrer fahren sogar einfach weiter und nehmen sie nicht mit.“ Und bei schlechtem Wetter werden die fehlenden Unterstände dann so richtig als schmerzlich empfunden.

Im Bezirksbeirat stieß die Präsentation auf viel Lob. „Ich bin begeistert von der Mühe, die sich die Kinder gemacht haben“, bekannte Wolfgang Göck (CDU): „Schon deshalb sollten wir das mehr als ernst nehmen“, lautete sein Appell an die Stadt: „Es reicht eben nicht, Spielgeräte zu entfernen und Rindenmulch auszubringen. Dadurch wird der Spielplatz zwar naturnah, aber noch nicht attraktiv.“

Viel Lob von den Politikern

„Echt toll, wie Ihr das gemacht habt!“, lobte auch Ulrike Kahlert (SPD), „an ein Mikrofon zu treten und vor einem solchen Gremium zu sprechen.“ Interessant fand sie, dass Kinder und Erwachsene vieles ähnlich sehen: „Abfall und Hundekot finden auch Erwachsene nicht gut.“

Einen Vorschlag für eine konkrete Folgerung machte Helmut Losert (MfM): Ihm fiel auf, dass die Kinder in ihrem Vortrag den Spielplätzen Namen gegeben hatten: „So etwas habe ich schon vor längerem beantragt, aber die Stadt hat das abgelehnt.“ Doch jetzt sollte man diese Idee wieder aufgreifen, bei der Namensfindung aber die Kinder mit einbeziehen: „Das stärkt ihre Identifikation mit diesen Spielplätzen.“

Eine weitere konkrete Idee steuerte der Förderverein für das Parkschwimmbad bei. Vorstandsmitglied Michael Lange schlug vor, bei der anstehenden Planung für den neuen Spielplatz im Parkschwimmbad die Kinder mit einzubeziehen.

Ebenfalls begeistert vom Vortrag der Kinder war Christiane Rudic. Was die Folgen angeht, zeigte sich die Leiterin des Quartierbüros jedoch skeptisch: „Wir hatten vor drei Jahren schon einmal eine solche Kinder- und Jugend-Stadtteilkonferenz. Damals wurden fast die gleichen Themen vorgetragen wie jetzt.“