Rheinau / Hochstätt

Rheinau Vorstand des Großkraftwerks stellt sich im Bezirksbeirat den Bürgerbeschwerden über Lärm, Gestank und Ruß

„Die Wäsche wird schwarz“

Hans-Joachim Rickel bringt es auf den Punkt: „Wegen des Rußausstoßes wird im Casterfeld die im Freien hängende Wäsche schon mal schwarz“, berichtet der Sprecher der SPD-Bezirksbeiräte. Und das ist offensichtlich kein Einzelfall. Klagen über Ruß, Gestank und Lärm häufen sich, so dass der Bezirksbeirat sich genötigt sieht, das Thema auf die Tagesordnung seiner jüngsten öffentlichen Sitzung zu setzen.

GKM zeigt sich offen

Und beim Großkraftwerk stößt er dabei auf offene Ohren. Der Technische Vorstand Manfred Schumacher persönlich erscheint, um Räten und Bürgern Rede und Antwort zu stehen. „Unser Bestreben ist, die Belastungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten“, betont er.

Allerdings sind bestimmte Rahmenbedingungen gegeben. Die 500 Meter lange Kohlehalde fasst bis zu 300 000 Tonnen – eine Kapazität, die zwar nicht vollständig, aber doch zu einem Teil vorgehalten werden muss. „Die Halde ist unbedingt notwendig“, betont Schumacher unter Verweis auf mögliche Lieferprobleme, etwa wenn Schiffe wegen Niedrigwasser im Rhein nicht verkehren.

Bereits jetzt jedoch hat das GKM laut Schumacher Einiges getan:

Herrschen hohe Windgeschwindigkeiten, so besteht die Weisung, den Transport der Kohle vom Schiff auf die Halde einzustellen.

Falls es längere Zeit nicht regnet, wird auf der Kohlehalde eine Bewässerungsanlage eingeschaltet, um einer Staubentwicklung vorzubeugen. Seit vergangenem Jahr wird dabei nicht nur Wasser gespritzt, sondern eine biologische Flüssigkeit, die die Staubpartikel verklumpt – „so ähnlich wie Zuckerrübensirup.“

An den Rändern der Halde wurden ein Windschutz installiert und entlang der Duisburger Straße Bäume gepflanzt, damit der Wind die Kohlestaubpartikel nicht durch die Gegend wehen kann. Teile des Förderbandes („Eckstellen“) zwischen Kohlehalde und Dampferzeuger sind eingehaust.

Innerhalb des Werksgeländes wird die Reinigung der Wege intensiviert, damit auch von diesen keine Staubemissionen ausgehen können.

Neben Staub sowie Lärm durch Greifarme bildet die Geruchsbelästigung einen weiteren Kritikpunkt der Bürger. „Die entsteht, wenn die Kohle sich selbst entzündet – kokelt, wie man sagen könnte“, erklärt Schumacher. Dies geschieht bei bestimmten Kohlesorten, wenn das Material längere Zeit unberührt liegt und Sauerstoff hinzukommt.

Auch dagegen hat das GKM Maßnahmen getroffen:

Es wird versucht, Kohlesorten verwenden, die für eine solche Selbstentzündung weniger anfällig sind.

Die Lagermenge und die Lagerzeit der Kohle sollen reduziert werden;

Bei längerer Lagerdauer wird das Kohlematerial durch einen Rüttelbagger verdichtet, so dass freier Sauerstoff nicht mehr eindringen kann und damit eine Rahmenbedingung für eine Selbstentzündung entfällt.

Ausdrücklich ermuntert Schumacher die Rheinauer, bei Belästigungen sich direkt ans GKM zu wenden: „Die Neckarauer tun das sehr unbefangen“, schmunzelt er: „Von Belastungen auf der Rheinau erfahren wir jedoch zumeist über die Politik.“ Meldungen sollten allerdings nicht mit Zeitverzug, sondern sofort erfolgen, auch nachts: „Es ist immer ein Schichtführer im Dienst.“ Bei starken Belästigungen erscheine dann sogar nachts jemand vor Ort.

Wunsch nach Einhausung

Der Bezirksbeirat zeigt sich weitgehend zufrieden, hat aber dennoch weitere Wünsche: „Optimal wäre es, wenn das gesamte Förderband eingehaust würde“, sagt Hans-Joachim Rickel. „Wir denken über Lösungen nach“, versichert Schumacher.

Christiane Rudic vom Quartierbüro nutzt die Chance zur Nachfrage, ob das GKM bürgerschaftliche Projekte in Rheinau sponsert. Auch da zeigt sich Schumacher konziliant: „Ich gebe Ihnen nachher meine Visitenkarte.“ Und so geschieht es.