Rheinau / Hochstätt

Die Zeit läuft

Man hat die Titel verschiedener literarischer Werke zur Auswahl, um die Entwicklung zu beschreiben, die das Alte Relaishaus seit dem Feuer vor dreieinhalb Jahren genommen hat: von der „Unendlichen Geschichte“ über „Warten auf Godot“ bis zu „Täglich grüßt das Murmeltier“. Bei diesem Dauerbrenner versucht die SPD nun einen neuen Anlauf. Das ist gut. Ob es nützt, das bleibt zweifelhaft.

Natürlich ist die Aktion im Zusammenhang mit der Kommunalwahl zu sehen. Deshalb wohl war auch eine gemeinsame Initiative mit anderen Parteien nicht möglich, obwohl eine solche mehr Schlagkraft hätte. Doch die Sozialdemokraten konnten auf keinen Fall der AfD das Feld überlassen, die den Stadtteil mit Plakaten versieht, auf denen der Zustand des Relaishauses als „Mahnmal des Versagens“ der etablierten politischen Kräfte in dieser Stadt angeprangert wird.

Stadt ist gefordert

Natürlich schießt die AfD damit übers Ziel hinaus: Die Stadt war und ist bereit, das Gebäude zu erwerben. Doch was will sie machen, wenn der Besitzer nicht verkaufen will? Privateigentum ist in Deutschland nun einmal heilig.

Gleichwohl bleibt für viele Bürger nicht nachvollziehbar, dass sich in dreieinhalb Jahren nichts tut. Insofern ist es gut, dass die Politik und in diesem Fall die SPD Flagge zeigt. Allerdings ist es blauäugig, dass sich die Unterschriftenaktion an den Eigentümer richtet. Es darf bezweifelt werden, ob ein Mann, der vorsätzlich ein Haus in Brand steckt und dafür acht Jahre Haft erhält, Gewissensbisse bekommt wegen einer Unterschriftenaktion.

In dem Aufruf fehlt dagegen die klare Forderung an die Stadt, alle rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen, um dem Eigentümer beizukommen. Dass dies bislang ausreichend geschehen ist, das bezweifelt auch mancher Jurist.

Unterstützung schwindet

Und die Zeit drängt. Zum einen, weil Wind und Wetter dem Bauwerk inzwischen derart zusetzen, dass ein Wiederaufbau unter vertretbarem Aufwand immer schwerer wird. Zum zweiten, weil der Rückhalt für einen solchen Wiederaufbau bei den Rheinauern schwindet, je länger sie die hässliche Ruine vor sich haben.

Und schließlich: Alle Aufhübschungen, die von der Stadt auf der Rheinau mit Millionenaufwand vorgenommen werden – vom Kompaktbahnhof über den Marktplatz bis zum Karlsplatz – erscheinen wertlos, solange im Ortsbild die Wunde Altes Relaishaus weiter klafft.