Rheinau / Hochstätt

Doppelter Erfolg

Archivartikel

Die jüngste Gedenkstunde des Gemeinnützigen Vereins Rheinau zum Volkstrauertag ist gelungen. Sie war ein doppelter Erfolg, sofern man diesen Begriff für einen Termin aus solch traurigem Anlass verwenden darf. Ein Erfolg für den ausrichtenden Verein, aber auch für den langfristigen Bestand der Veranstaltung.

Denn es war eine gute Sache, wie der erst zehn Tage zuvor ins Amt gekommene Vorstand des Vereins die traditionsreiche Feier fortgeführt hat. Der neue Vorsitzende Andreas Schäfer absolvierte seine erste öffentliche Rede in diesem Amt gekonnt. Das neue Team setzte im Programm aber auch Akzente. Statt des traditionellen „Ich hatte einen Kameraden“ erklangen zwei Antikriegslieder. In seiner Gesamtheit war alles würdig, hat alles gepasst.

Gut jedoch, dass an dem feierlichen Abschluss mit dem Deutschlandlied festgehalten wurde, dessen Platzierung zu diesem Anlass vereinsintern lange umstritten war. Doch man sollte die Nationalhymne eben nicht Rechtspopulisten und grölenden Fußballfans überlassen.

Toll ist vor allem, dass der neue Vorstand überhaupt diese Veranstaltung fortführt, die vorzubereiten und abzuhalten nicht gerade Wunschtraum eines Ehrenamtlichen ist. Das Team zeigt damit, dass es durchaus gewillt ist, eben nicht nur „Party zu machen“, also das Stadtteilfest zu feiern, sondern auch der Verantwortung nachzukommen, die ihm als Dachorganisation obliegt.

Das unterscheidet die Rheinau – übrigens auch Neckarau – von anderen Vororten wie Seckenheim und Friedrichsfeld. Dort wurde der Volkstrauertag bislang nicht von Dachvereinen, sondern vom städtischen Bürgerdienst organisiert. Nachdem diese das laut Dienstanweisung nicht mehr dürfen und die Vereine nicht einspringen wollen, fielen die Volkstrauertagsfeiern dort erstmals nach Jahrzehnten komplett aus.

Der Rheinau bleibt diese traurige Entwicklung erspart. Und das ist gut so. Denn der Volkstrauertag wird nach wie vor gebracht. Als Mahnung gegen Nationalismus, Populismus, Ausgrenzung von Minderheiten. Damit ist er nämlich so aktuell wie nie. Leider.