Rheinau / Hochstätt

Rheinau Traditioneller Rathaussturm der „Sandhase“ gerät zur inoffiziellen Verabschiedung von Bürgerservice-Leiter Stephan Frauenkron / Lob von Lieblichkeit Daniela

„Du wärst ein toller Prinz für mich“

Seit Jahrzehnten ist er Tradition: der Sturm der „Sandhase“ auf das Rathaus in der Relaisstraße, durch den die Karnevalisten des Stadtteils für alle sichtbar die Macht während der fünften Jahreszeit übernehmen. So ist es auch diesmal. Doch in die ausgelassene Freude mischt sich auch Wehmut. Denn es ist die letzte Veranstaltung dieser Art mit dem Hausherrn: Stephan Frauenkron gibt sein Amt als Bürgerservice-Leiter in Mannheims Süden zum 31. Januar ab und wechselt in die Gemeindeverwaltung nach Plankstadt.

Kontakt soll erhalten bleiben

Und so macht er derzeit in seinem Beritt vieles zum letzten Mal. Und da bislang keine offizielle Verabschiedungsfeier durch die Stadt angesetzt ist, wird jeder dieser öffentlichen Auftritte in den drei Vororten, für die er zuständig ist, zu einer Art inoffizieler Abschiedsfeier. Was da auf ihn im Laufe dieses Monats noch zukommt, davon gibt der Rathaussturm auf der Rheinau einen Vorgeschmack. Weil es sein erster Termin im neuen Jahr ist, sind dort nicht nur die Honoratioren der Rheinau anwesend, sondern auch zahlreiche Vertreter der Stadtteile Seckenheim und Friedrichsfeld – Repräsentanten aus Parteien und Vereinen, dem jetzigen Anlass geschuldet naturgemäß vor allem aus dem Bereich der Fasnacht. „Schade, dass Du gehst. Du bist ein ganz toller Typ“, bringt es die amtierende Stadtprinzessin Daniela Ströbel, die in dieser Kampagne belkanntlich von den „Sandhase“ gestellt wird, als ranghöchste Anwesende gekonnt auf den Punkt: „Du wärst auch ein toller Prinz für mich“, setzt die beruflich beim „MM“ tätige Lieblichkeit hinzu. Der Präsident der „Sandhase“, Holger Kubinski, kann da nur zustimmen und überreicht dem scheidenden Rathaus-Chef als Abschiedsgeschenk Wein seiner Lieblingssorte Rosé.

Und der Beschenkte ist sichtlich gerührt. „Es ist ein sehr emotionaler Moment für mich“, bekennt Frauenkron, „auch wenn ich nach außen oft cool wie ein Kühlschrank wirke.“ Und so betont er: „Ich freue mich auf meine neue Aufgabe in Plankstadt“, sagt er in seiner ersten öffentlichen Rede nach seiner Entscheidung: „Aber ich gehe auch mit Wehmut.“

Schmunzelnd erinnert sich der Rathaus-Chef an seinen ersten Tag auf der Rheinau. „Ich dachte: Oh, mein Gott, wo bin ich da hingeraten“, erzählt er schmunzelnd. Doch es habe nicht lange gebraucht, bis er die Herzlichkeit dieses Stadtteils entdeckt und erlebt habe.

Kein Wunder, dass er in dessen Nähe, in den Nachbarvorort Neckarau, gezogen ist, wo er auch nach seinem Wechsel nach Plankstadt wohnen bleibt. Und auch danach ist er ja nicht aus der Welt: „Nur zehn Kilometer südlicher.“ Sein Dank gilt allen, mit denen er in den zurückliegenden Jahren „im ganzen Beritt“ zusammengearbeitet hat: den Stadt- und Bezirksbeiräten, den Vereinen und natürlich seinem Team. „Und jetzt höre ich auf, bevor mir wirklich die Tränen kommen.“

Verbales Fingerhakeln

Aber so weit wollen es die Fasnachter dann doch nicht kommen lassen. Und so gibt es auch diesmal das verbale Fingerhakeln, das die Gäste bei diesem Termin so sehr lieben. Und Anlass dazu bietet sich genug. Kostprobe: Als Holger Kubinski den SPD-Stadtrat Thorsten Riehle und andere „rote“ Mandatsträger begrüßt, da feixt ein CDU-Mann aus Seckenheim: „Alle SPD‘ler da, die es noch gibt.“ Riehle pariert gekonnt: „Von solchen Zahlen träumt Ihr ja nur.“

Nach dem offiziellen Teil besteht Gelegenheit zum Gespräch. Unter den Gästen der katholische Pfarrer Lorenz Seiser, der sogar den grünen Kittel der „Sandhase“ trägt – auch wenn der ihm, an den Ärmeln erkennbar, doch ein wenig groß ist. Hochwürden nimmt es fasnachtlich gelassen: „War wohl der einzige Kittel“, lacht er, „der noch da war.“