Rheinau / Hochstätt

Rheinau Rot-Weiß-Präsident Erwin Prudlik feiert 60. Geburtstag

Ein Leben für den Fußball und den Verein

Archivartikel

Als Altstadtrat Winfried Höhn, der Ehrenvorsitzende des Sport-Clubs Rot-Weiß Rheinau, an seinem kürzlichen 90. Geburtstag gefragt wird, wie er die Arbeit seines Nachfolgers beurteilt, da ist seine Antwort klar: „Er macht dies ganz super“, sagt der Mann, der 40 Jahre an der Spitze des Vereins stand – fast ein Ritterschlag. Wenige Wochen nach diesem runden Geburtstag feiert nun der so Gelobte seinen: Am Donnerstag wird Erwin Prudlik 60 Jahre alt, die man ihm übrigens wirklich nicht ansieht.

Mag sein, dass dies damit zu tun hat, dass er den Großteil dieses nun 60 Jahre währenden Lebens sportlich engagiert ist. Als er am 19. September 1959 das Licht der Welt erblickt, wird er Teil einer sportlichen Familie. Alle seine Brüder kicken beim SC Rot-Weiß, seine Schwester fungiert später als Schriftführerin.

Kein Geld für Fußballschuhe

Bei acht Kindern fehlt den Eltern zunächst das Geld für Erwins Ausrüstung. „Fußballschule waren nicht drin, und so konnte ich nicht dem Verein beitreten“, erinnert er sich: „So hab‘ ich immer neben dem Fußballplatz mit normalen Straßenschuhen gekickt.“ Sein Talent fällt Funktionsträgern auf; sie bieten ihm an, den Mitgliedsbeitrag zu übernehmen, Fußballschule zu spendieren. „So kam ich zum Verein.“

Mit zehn Jahren wird der kleine Erwin, damals Schüler der Gerhart-Hauptmann-Schule, in der RW-Fußballjugend aktiv. Und er hat Ehrgeiz. 1974 wechselt er zum VfL Neckarau. „Neckarau hatte eine sehr gute Jugendarbeit.“ Die A-Jugend des VfL spielt damals in der höchsten Klasse gemeinsam mit dem Karlsruher SC und SV Waldhof in einer Liga.

Zwischendrin Karriere in Neckarau

1978 kommt er in die Erste Mannschaft der Neckarauer, die damals in der Verbandsliga Nordbaden spielt, vergleichbar der heutigen Regionalliga. Sieben Jahre schreibt der laufstarke Mittelfeldspieler, zuletzt als Kapitän, dort Erfolgsgeschichte. Höhepunkt ist 1978 das Freundschaftsspiel gegen den Borussia Mönchengladbach. Gegen den Deutschen Meister des Vorjahres, in dessen Reihen Berti Vogts spielt, erzielt Prudlik den Führungstreffer – auch wenn die Profis am Ende mit 3:2 gewinnen. 1991 kehrt er zum Rot-Weiß zurück. Sein letztes Spiel ist, irgendwie angemessen, 1998 die Begegnung gegen den SV Waldhof Mannheim.

Von da an wird Prudlik Funktionär, um dieses völlig zu Unrecht negativ besetzte Wort zu verwenden. Denn dabei handelt es sich um Ehrenamtliche, die den Verein mit viel Einsatz und Herzblut am Laufen halten. In den 1990er Jahren wirkt Prudlik als Leiter der Fußballabteilung.

2013 gibt er die Ämter ab, mit der Ehrenmitgliedschaft geehrt. „Ich habe fast 27 Jahre selbst gespielt und war 20 Jahre Funktionär“, sagt er damals. „Irgendwann brauchst Du mehr Zeit für Dich selbst und für das, was Dir wichtig ist. Man sucht Entspannung, will rechts rausfahren.“

Doch die Entspannung währt nicht lange. Ohnehin ist er nie völlig draußen, bleibt etwa Organisationschef einer der wichtigsten Veranstaltungen des Vereins, des MorgenMasters. Als 2015 das Amt des Präsidenten zur Besetzung ansteht, sagt er zu – nicht zuletzt auf Bitten von Winfried Höhn. Denn ein Jahr danach steht ohnehin sein Ruhestand an, nach 42 Jahren beim Fernmeldeamt beziehungsweise der Telekom, zuletzt als Grußkunden-Manager.

Seither führt er den Verein, hochprofessionell und in einem guten internen Klima. Ein Ende ist nicht in Sicht. Allerdings: Um Winfried Höhns Amtszeit zu erreichen, müsste er noch 35 Jahre lang durchhalten.