Rheinau / Hochstätt

Ein Trauerspiel

Die jüngste Mitteilung der Verwaltung über die Bereitstellung der seit langem dringend benötigten Plätze zur Kinderbetreuung auf der Hochstätt ist er-nüchternd: Der Bau des Provisoriums dauert bis Juni 2020, der neuen Einrichtung gar bis 2023. Da sind viele der heute unversorgten Kinder schon in der Grundschule oder gar auf dem Sprung auf eine weiterführende – ein Offenbarungseid der in diesem Bereich Verantwortlichen.

Dass Betreuungsplätze auf der Hochstätt fehlen, das wissen Kommunalpolitik und Verwaltung seit vielen Jahren. Doch ebenso lange hat die Stadt nicht reagiert oder sich auf bequeme Scheinlösungen versteift. Zu lange konzentrierte sie ihr ganzes Wirken alleine auf die Baupläne der Lebenshilfe. Als diese aus Kostengründen absprang, stand die Stadt mit leeren Händen da.

Auch jetzt hängt die Verwaltung komplett von einem Partner ab: Das jetzige Projekt kann nur umgesetzt werden, wenn die katholische Kirche bereit ist, ihr Grundstück zur Verfügung zu stellen. Für die Kinder kann man nur hoffen, dass dies klappt.

Gerade hier unerlässlich

Denn seit Jahren wird in diesem Stadtteil jeweils etwa ein Dutzend an Kindern eingeschult, die zuvor keinen Kindergarten besucht haben. Doch in kaum einem anderen Bereich Mannheims sind Kindergärten und damit eine optimale Versorgung mit Betreuungsplätzen so wichtig wie auf der Hochstätt. Anders als etwa auf dem Lindenhof oder im Niederfeld geht es hier nicht um Optimierung der Vorbereitung auf das Leben; auf Grund der Sozialstruktur der Hochstätt geht es um Vermittlung von Basisqualifikation.

Mit Betroffenheit berichten Pädagogen, wie manche Hochstätter Grundschüler beim Weihnachtsbasteln noch nicht einmal eine Schere bedienen können – sie haben zuvor keinen Kindergarten besucht, in dem sie dies hätten lernen können. Und zu Hause gab es wohl niemanden, der dafür die Fähigkeit oder auch nur das Interesse besaß. Und das alles geschieht im Mannheim, im Deutschland des Jahres 2019.

Diejenigen, die sich in und für die Hochstätt engagieren, tun sich schwer, dies so deutlich auszusprechen. Sie fürchten, einer Stigmatisierung Vorschub zu leisten, die der Absender „Hochstätt“ gerade für Kinder und Jugendliche schon jetzt mit sich bringt. Doch um die Sache herumzureden, das bringt gar nichts. Nur konkrete Maßnahmen helfen. Dieser Pflicht muss die Stadt endlich nachkommen – schnellstens!