Rheinau / Hochstätt

Rheinau Nach 37 Jahren gibt Willi Fischer seinen legendären Kiosk in der Relaisstraße ab

„Endlich länger aufbleiben“

Auf der Rheinau ist der „Kiosk Fischer“ in der Relaisstraße eine Institution. Denn er ist weit mehr als ein Kiosk: ein Laden, in dem es fast alles gibt, das man für den Alltag so braucht: Zeitungen und Zigaretten, Backwaren und Getränke, Schulbedarf und Schreibwaren. Und nicht zuletzt ein persönliches Gespräch. Vor allem mit Inhaber Willi Fischer.

Das wird vielen Rheinauern und möglicherweise ja auch ihm selbst künftig fehlen. Denn mit Beginn des neuen Monats hat Fischer nach insgesamt 37 Jahren den Betrieb aufgegeben. Oder korrekter: abgegeben. Die junge Stefanie Hocker hat ihn mit ihrem Freund Kadiz Ariaslan übernommen und führt ihn weiter.

Ende einer Dynastie

Für die Rheinauer endet dennoch eine Kiosk-Dynastie, die vom gleichnamigen Vater des bisherigen Besitzers begründet wurde: Dieser betrieb bereits vor dem Kriege in der Stengelhofstraße ein Zigarettengeschäft (das heute ebenfalls noch besteht). Als sich nach dem Kriege der Schwerpunkt der Bebauung verlagerte, errichtet er 1961 an der Ecke Relais-/Waldseestraße einen Kiosk. Dieser entwickelte sich dermaßen prächtig, dass auf diesem Areal 1964 ein Haus mit einem richtigen Ladengeschäft gebaut wurde.

Täglich um halb vier aufgestanden

Vor 37 Jahren übernahm Willi Fischer den Laden. Und der bestimmte fortan sein Leben. „Morgens stand ich um vier, halb vier auf“, berichtet er. Dieses extrem frühe Aufstehen hatte zur Folge, dass geselliges Leben, das ja vor allem abends stattfindet, nur sehr eingeschränkt möglich war. „Wenn man doch mal abends wohin gegangen ist, hat man schon um neun nervös auf die Uhr geschaut: Wir müssen!“, erzählt er: „Dass ich künftig länger aufbleiben kann, da bin ich schon froh drüber.“

Das Aufstehen selbst fiel ihm dagegen nicht schwer, ja er genoss es sogar zuweilen: „Es ist schön, frühmorgens durch die Rheinau zu fahren, wenn noch alles still und leer ist.“. Das frühe Aufstehen war notwendig, da er kurz nach vier Uhr im Laden sein will. Dann musste er nämlich damit beginnen, Brötchen aufzubacken und Kaffee zu kochen.

Denn um 5 öffnet der Laden an Werktagen: „Dann steht zumeist schon eine Schlange vor der Tür“, berichtet Fischer. Die Wartenden wollen einen Kaffee oder ein Süßteilchen, Zigaretten oder die Zeitung. Im Laufe des Tages kommen dann diejenigen, von denen die anderen Bestandteile des Sortiments nachgefragt werden: Schreibwaren, Schulbedarf, Spielzeug. Auch auf die jungen Kunden ging Fischer immer ein; seine Schaufensterdekorationen zu bestimmten Themen waren Kult, zuletzt gerade Halloween.

Nichtraucher im Raucher-Paradies

Ein Laden voller Zigaretten – für Raucher ein El Dorado. Nicht für Fischer. Denn der Mann, im Stadtteil als Händler von Glimmstängeln ein Begriff, ist selbst überzeugter Nichtraucher. „Die letzte Zigarette habe ich als Jugendlicher geraucht.“

Bei der Führung des Geschäftes standen seit 30 Jahren Ehefrau Diana und Schwiegermutter Gerda Pfaff an seiner Seite. Diana Fischer wird noch für einige Zeit im Laden bleiben, die Nachfolgerin gerne einlernen und unterstützen können.

Die neue Betreiberin freut sich auf die Arbeit. „Ich habe schon lange einen Kiosk gesucht“, sagt Stefanie Hocker, die reichlich Erfahrung im Einzelhandel. mitbringt. Das bewährte Konzept will sie fortführen. „Demnächst kommt sogar Toto Lotto dazu“, berichtet sie. Auch privat orientiert sie sich Richtung Rheinau. Noch wohnt sie in Plankstadt. „Aber so bald ich eine passende Wohnung habe, ziehe ich gerne hierher.“