Rheinau / Hochstätt

Rheinau „Sandhase“ feiern in dieser Fasnachtskampagne ihren närrischen 55. Geburtstag und stellen daher die Stadtprinzessin / Blick auf die Vorgängerinnen

„Hasenstall“ stellt acht Lieblichkeiten

Es ist kein klassisches Jubiläum, sondern eben ein närrisches: Sein 55-jähriges Bestehen feiert der Rheinauer Carnevalverein (RCV) „Die Sandhase“ in der aktuellen Karnevalskampagne. Wie es in der Mannheimer Fasnacht Tradition ist, darf der Jubelverein in jener Session die Stadtprinzessin stellen. Die „Sandhase“ erfüllen diese schöne Pflicht bekanntlich mit Daniela Ströbel.

Viele langjährig in der Fasnacht Aktive werden sich in diesen Momenten zurückerinnern an ihre Vorgängerinnen, jene aus den Reihen der Rheinauer „Sandhase“. Auch der „MM“ hat im Archiv geblättert, der Autor auch in seinen Erinnerungen an fünf der Würdenträgerinnen, die er selbst bislang miterleben konnte.

Interessant ist, dass die „Sandhase“ erst relativ spät eine Stadtprinzessin stellen – fast zehn Jahre nach ihrer Gründung: Im Januar 1972 inthronisiert Vereinspräsident Boris Bockelmann die junge Arzthelferin Monika Breitenberger, Tochter eines im Stadtteil bekannten Inhabers eines Elektrogeschäftes.

Als Festkönigin gelernt

Wie die meisten ihrer Nachfolgerinnen, hat die Lieblichkeit das Repräsentieren als Festkönigin des „Sandhase“-Festes gelernt, damals eines der größten Volksfeste der Region. Zu ihrem Prinzen Horst Rienkens entsteht eine lebenslange Freundschaft. Die damalige Prinzessin ist übrigens noch immer gesellschaftlich engagiert: Monika Kulczinski, wie sie seit ihrer Hochzeit heißt, ist heute Präsidentin des Richard-Wagner-Verbandes Mannheim.

Dauert es zehn Jahre bis zur ersten Prinzessin, so sind es nur zwei Jahre, bis die nächste folgt: Brigitte Knoblauch, Tochter des 2010 verstorbenen Gastwirtes und Vereins-Granden Paul Knoblauch, wird im Januar 1974 inthronisiert. Sie ist die bis heute einzige Stadtprinzessin in der Geschichte der Kurpfalz, die – an der Seite ihres Prinzen Dieter I. – als offizielle Stadtprinzessin sowohl von Mannheim als auch von Ludwigshafen amtiert.

Sechs Jahre später, im Januar 1980, präsentieren „Sandhase“-Chef Wolfgang Göck und Sitzungspräsident Hans-Joachim Bender (später Chef der „Fröhlich-Pfalz“) die 19-jährige Uschi III. aus dem Hause Gienger. Die schwarzhaarige Steno-Kontoristin beim Sparkassen- und Giro-Verband muss eine besonders attraktive Erscheinung gewesen sein; jedenfalls streichen alle damaligen Zeitungsberichte dies ganz deutlich heraus. Ihr Prinz wird übrigens der Bauunternehmer Herbert Siebert, der in den Jahren danach mit seinen Bauprojekten für mancherlei Schlagzeile sorgt.

Wehmütige Erinnerung

Im November 1989, wenige Tage nach dem Fall der Berliner Mauer, stellen „Sandhase“-Chef Georg Wolf und sein Vize Fritz Fischer in dessen Haus in der Wachenburgstraße der Presse die 25-jährige Arzthelferin Gabriele Beck als Prinzessin vor; mit dem blonden Friseur Mathias Scheufler wird ihr ein angemessen schmucker Prinz an die Seite gestellt.

Gabriele wird die erste Stadtprinzessin, die einen Sponsor in ihrem Titel führt, trägt sie doch den Beinamen „aus dem Hause OVB“ – jene Vermögensberatung, in der ihr Freund Wolfgang Widmayer tätig ist. Die Erinnerung an sie löst heute allerdings auch eine große Wehmut aus: Wenige Wochen nach Ende der Kampagne stirbt die sympathische junge Frau bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn.

Fünf Jahre später, im November 1995, trägt die 22-jährige Friseurmeisterin Isabell Jöst die Krone. Sie ist es auch, welche die Tradition begründet, zugunsten eines karitativen Zweckes auf Geschenke zu verzichten; damals ist es der Regenbogenkindergarten für spastisch gelähmte Kinder in der Gartenstadt.

Geschwisterpaar mit Zepter

Ihr folgt sieben Jahren später ihre jüngere Schwester Silke Schaaf, geborene Ratzek. So sind die „Sandhase“ der einzige Verein, der im Laufe der Jahre ein Geschwisterpaar zu Stadtprinzessinnen erheben kann.

In jenem Jahr 2003 amtiert Manuela Kniehl als Festkönigin des Rheinauer Stadtteilfestes „Fröhliche Meile“. Als die „Sandhase“ 2010 wieder an der Reihe sind, die Stadtprinzessin zu stellen, greifen sie auf diese im Repräsentieren erfahrene 26-jährige Bankkauffrau gerne zurück.

2018 bewirbt sich die im „MM“-Verlag tätige Daniela Ströbel bei den „Hase“ um das Amt – und wird genommen. Ein guter Griff, wie bereits der bisherige Verlauf der jetzigen Kampagne zeigt.