Rheinau / Hochstätt

Rheinau Oberbürgermeister Peter Kurz würdigt das Stadtteilfest und äußert sich zu aktuellen Themen des Vororts

„Heimat braucht Anlässe und Orte, an denen sie erlebt wird“

Archivartikel

Unter den zahlreichen Stadtteilfesten in Mannheim hat das Rheinauer ein Alleinstellungsmerkmal, das seine besondere Bedeutung unterstreicht: Seit Gründung der Veranstaltung 1990 ist es üblich, dass es jedes Jahr vom jeweiligen Oberbürgermeister persönlich eröffnet wird. „Ich weiß natürlich, wie kritisch dies aus Neckarau und Seckenheim beobachtet wird“, scherzt Peter Kurz, versichert aber gleichwohl: „Solche Traditionen sollte man erhalten, und das tue ich auch gerne weiter.“

Die jährliche Anwesenheit des Stadtoberhauptes ist aber auch verdiente Anerkennung für die Ehrenamtlichen des Gemeinnützigen Vereins, die sich der Mühe der dreitägigen Großveranstaltung unterziehen. „Es ist wichtig, dass es ein solches Stadtteilfest gibt und dass Sie es in die Zukunft forttragen – auch unter schwieriger werdender Bedingungen“, lobt der OB. „Denn Heimat braucht Anlässe und Orte, an denen sie erlebt wird.“

Und damit ist er schon beim ersten kommunalpolitischen Thema des Stadtteils: dem Marktplatz. „Wir wollen hier einen Ort schaffen, der das Thema Heimat widerspiegelt.“ Kurz berichtet, dass der zuständige Ausschuss des Gemeinderates das Planungsbüro, das den Wettbewerb gewonnen hatte, gerade mit der Vorbereitung beauftragt hat. Das heißt, im Jahr 2018 beginnen die Planungen, ab Herbst unter Einbeziehung der Projektgruppen, spätestens im Herbst 2019 die vorbereitenden Arbeiten. „Im Jahr 2020 wird der Marktplatz umgebaut“, versichert Kurz. „Ich bin der festen Überzeugung – sonst würden wir das auch nicht machen –, dass der Marktplatz am Ende attraktiver sein wird, dass es mehr Möglichkeiten für Begegnung gibt und mehr Identifikation für die Rheinau geschaffen werden.“

Bunker und Relaishaus

Heimat, das bedeutet aber auch historische Bauwerke. „Und die Rheinau hat ja gleich zwei Denkmalthemen auf einmal, und beide sind nicht unumstritten“, spannt der OB den Bogen zu Bunker und Relaishaus. Den Bunker würden die Rheinauer gerne loswerden, doch der Denkmalschutz sagt Nein. „Das müssen wir jetzt akzeptieren“, betont Kurz: „Da müssen wir jetzt mit der Situation produktiv umgehen und das Gebäude entsprechend einbinden.“ Und er setzt hinzu: „Wer weiß, wofür es gut ist. Es ist natürlich auch ein Erinnerungszeichen.“

Das zweite Gebäude, das Kurz anspricht, ist das Alte Relaishaus. „Da war ich etwas überrascht, dass Stimmen auch aus Rheinau, aus dem Bezirksbeirat, sagen: Ne, das wollen wir nicht mehr haben als Denkmal“, bekennt Kurz: „Wir waren eigentlich der Auffassung, dass wir alles tun sollten, um das Relaishaus möglichst zu erhalten.“

Doch es ist ja nach wie vor in Privatbesitz und bleibt es nach Absage der Zwangsvollstreckung auch – ein Problem: „Wir billigen jedem Eigentümer das Recht zu, jenseits von unmittelbarer Gefährdung seiner Nachbarschaft alles zuzumuten, was so geht – da ist das Eigentumsrecht überdehnt“, beklagt Kurz und mahnt rechtliche Änderungen an: „Es gibt eben auch die Sozialpflichtigkeit des Eigentums. Man kann seiner Nachbarschaft nicht alles zumuten auf seinen Grundstücken.“

Und so bekennt sich der OB eindeutig zum Erhalt des Relaishauses: „Wir bleiben am Ball, um den Prozess zu einem für die Rheinau positiven Ende zu bringen“, kündigt er an. „Also seien sie versichert, dass wir uns – sowohl seitens der Verwaltung als auch des Gemeinderates – entsprechend engagieren werden.“

Info: Zwei Bilderstrecken unter morgenweb.de/rheinau