Rheinau / Hochstätt

Rheinau Zum Tode von Rosel Stemler, Trägerin der Prof. Dr. Ludwig-Ratzel-Bürgermedaille

Institution auch ohne ein Amt

Sie hat nie ein öffentliches Amt oder einen Vereinsposten bekleidet, dennoch war sie eine Institution auf der Rheinau, weithin hoch geschätzt: Rosel Stemler, viele Jahre lang Besitzerin des ältesten Geschäftes im Ortsteil Pfingstberg und treue Förderin von Vereinen, Initiativen und Kirchengemeinden. Jetzt ist sie nach langer schwerer Krankheit im Alter von 80 Jahren verstorben.

Ihr Großvater hatte 1929 jenen legendären Tabakladen am Pfingstberger Marktplatz begründet, den sie 1981 übernahm und selbst drei Jahrzehnte lang führte. Jeder, der den Laden betrat, erinnert sich noch heute an ihren Abschiedsspruch, den sie den Kunden mit einem herzhaften Lachen mit auf den Weg gab: „Bleib‘ g‘sund und zahlungsfähig.“

Gesangvereinen verbunden

Vater Karl, der in der Durlacher Straße eine Fabrik für Maschinenbau und Zahnräder führte, war aktiver Sänger (Bass) und Schatzmeister beim Liederkranz Rheinau, zuletzt Ehrenmitglied. Und diesem Verein war Rosel Stemler auch nach dem Tode ihres Vaters eng verbunden. Über den Liederkranz kam sie zum Gesangverein Frohsinn Hochstätt-Pfingstberg und schließlich zum Gemeinnützigen Verein Pfingstberg.

Die Arbeit all dieser Vereine unterstützte sie viele Jahre lang uneigennützig und im Stillen: ob in Details wie dem Angebot, ihren Laden als Vorverkaufsstelle für Vereinsveranstaltungen oder für Festschriften zu nutzen, oder mit großzügigen Spenden, ohne die schon damals kein Verein auskommen konnte.

Ob der Marktplatzbrunnen der Marktplatz-Initiative Pfingstberg unter dem Vorsitz von Kurt Kubinski oder der Pfingstberger Weihnachtsmarkt des Gemeinnützigen Vereins – derartige Projekte für den Ortsteil konnten stets auf ihre Hilfe zählen. Sie sponserte die Weihnachtstanne auf dem Pfingstbergplatz ebenso wie die Bläsermusik in der Pfingstbergkirche an Heiligabend.

Hohe Auszeichnung

Im Jahre 2000 erfuhr dieses Engagement für die Gemeinschaft seine angemessene Würdigung: Der Gemeinnützige Verein Pfingstberg ehrte sie mit seiner höchsten Auszeichnung, der Prof.-Dr.-Ludwig-Ratzel-Bürgermedaille – die inoffizielle Ehrenbürgerschaft des Pfingstbergs.

Privat gehörte ihre Liebe seit 1972 ihrem treuen Lebens- und Weggefährten Gerhard Schröder. Sein Tod im März 2010 bedeutete für Rosel Stemler einen Schicksalsschlag, von dem sie sich nie mehr erholen sollte. Der seelische Schmerz führte unweigerlich zu zahlreichen körperlichen Leiden. Am 29. März verstarb sie nun im Alter von 80 Jahren.

Die Beerdigung erfolgt am morgigen Donnerstag, 11. April, 12 Uhr, auf dem Waldfriedhof Rheinau.