Rheinau / Hochstätt

Rheinau Lesung mit Gaumenfreuden / Ein Mallorca-Krimi zur Vorspeise in der Stadtteilbibliothek

Kulinarisches trifft auf Poesie

Archivartikel

„Kein Genuss ist vorübergehend, nur der Eindruck, den er hinterlässt“, so formulierte es einmal Johann Wolfgang von Goethe. Die kulinarische Lesung des Fördervereins in der Stadtteilbibliothek Rheinau vor ausverkauftem Haus ist der Beweis für diese These. Mit an Bord bei dieser kulinarischen Reise für den Gaumen, gewürzt mit spannenden Momenten des Verbrechens, ist auch in diesem Jahr die Buchhandlung Schwarz auf Weiß aus Neckarau.

„Die Veranstaltung zum Welttag des Buches verbindet Literatur- mit Gaumengenuss und verknüpft beides in einzigartiger Art und Weise“, erklärte Christine Seifert. Die Bibliothekarin hatte die kulinarische Lesung unter dem Motto „Literarische Spezialitäten, eine kulinarische Reise durch die Welt der Bücher“ initiiert.

Gabi Puder vom Förderverein beginnt die unterhaltsam Lesung mit Auszügen aus dem 2018 erschienenen Buch „Mandelblütenmord“, dem Mallorca-Krimi von Christina Gruber mit detailliert recherchiertem Lokalkolorit. Von dort ging es nach Portugal: „Lost in Fuseto“ – mit Leander Lost hat Autor Gil Ribeiro eine faszinierende Ermittlerfigur erschaffen. „Was wäre ich ohne dich“ heißt der Krimi von Guillaume Musso, der in Paris spielt und eigentlich ein Liebesroman ist.

Geheimnisvolles Mädchen

Von einem „Mädchen, das in der Metro las“ erzählt der Roman von Christine Féret-Fleury. Danach ging es in Richtung Italien mit Salvatore Basiles Buch „Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstandes“. Buchhändler Dominik Vieth erzählt von der verzweifelten Suche des Bahnwärters so lebendig, dass die Zuhörer den Duft Italiens zu riechen meinen. Stattdessen wird nun der erste Gang serviert: „Tapas, Baguette mit Oliven und Pizza“. Nach dieser Köstlichkeit stellt Buchhändler Holger Braunweiler den neuen Roman von Dörte Hansen vor. „Mittagsstunde“ erzählt von den verheerenden Folgen der Flurbereinigung in Nordfriesland. Es folgt der Krimi der dänischen Schriftstellerin Katrine Engberg: „Krokodilwächter“.

Weiter geht es nach Schweden. Von einem brutalen Mord in Stockholm „1793“ erzählt der historische Roman von Natt och Dag. Abgeschlossen wird diese Leserunde mit einem ungewöhnlichen Text: „Im Iran dürfen Frauen kein Motorrad fahren“ – Lois Pryce hat den wahren Iran entdeckt.

Nun wird das Hauptgericht serviert: „Tartelettes mit Krabben, Croustades mit Grünkohl, Heringshäppchen und Köttbullar“. Auch diese Gerichte aus der Küche des Fördervereins sind wieder ein Genuss. Buchhändlerin Ute Mirbach hat als nächstes „Traum des Lebens“ von Jeffrey Archer ausgewählt, der von London nach San Franzisco führt. Ihr Lieblingsbuch „Die Farbe von Milch“ von Nell Leyshon gefällt vielen Zuhörern besonders gut. Auch bei der Geschichte über „Die Muse von Wien“ von Caroline Bernard hat Barbara Schurik vom Förderverein die Zuhörer ganz auf ihrer Seite. Die Aufmerksamkeit steigert sich beim letzten Beitrag dieser Leserunde noch einmal, „Toni und Moni oder: Die Anleitung zum Heimatroman“ von Petra Piuk spielt mit Schlagertexten, hohlen Sprüchen und Zeitungsmeldungen. Die Gäste genießen danach „Sachertörtchen und Shortbreadcookies“. Wie nicht anders zu erwarten, ist auch das Dessert eine Köstlichkeit.

Danach passt vorzüglich die „Kurze Geschichte der Trunkenheit“. Dann geht Holger Braunweiler mit Jochen Oppermann dem Thema „Rausch in der Geschichte“ nach. Amüsant ist auch der anschließende Hörgenuss: „Der irische Dorfpolizist“ von Graham Norten. Für die rund 40 Gäste gab es dann noch einen „Absacker“.

Genussreicher Abend

„Die kulinarische Lesung in der Stadtbibliothek bietet eine sehr gute Gelegenheit, einen genussreichen Abend zu erleben und dabei auch noch mit interessanten Leuten ins Gespräch zu kommen“, fand Klaus Schäfer vom örtlichen Gewerbeverein. Auch Vorsitzende Sandrina Künster ist „begeistert von der Mischung aus Kulinarik und interessanten Büchern“. Die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Ulrike Kahlert, ist beeindruckt von der liebevoll gestalteten und mit viel Arbeit verbundenen Veranstaltung. „Das hat Stil“, meinte sie.