Rheinau / Hochstätt

Rheinau Stadt möchte ehemaliges US-Kasernenareal im Süden renaturieren / Doch der Bund muss als Eigentümer mitspielen

Militärgelände als Ökofläche?

Archivartikel

Nach dem Willen der Stadt Mannheim soll das acht Hektar große Gelände der ehemaligen amerikanischen Rheinau-Kaserne vollständig renaturiert und in den regionalen Grünzug integriert werden. Dieses Konzept erläuterte Hans-Jürgen Schneider vom städtischen Fachbereich Grünflächen auf der jüngsten Bezirksbeiratssitzung des Stadtteils.

Amerikaner in Rheinau? Zumeist denkt man beim Thema US-Kasernen an Franklin, Coleman oder Spinelli. Aber „Rheinau-Kasernen“? Sogar nicht jeder Bewohner des südlichsten Stadtteils weiß auf Anhieb, diese Liegenschaft zu verorten. Denn sie liegt derart versteckt zwischen Eisenbahn, Autobahn und Wald, dass sie vielen Rheinauern bislang nicht ins Bewusstsein gekommen ist, zumal sie seit 25 Jahren nicht mehr militärisch genutzt wird.

Doch ein halbes Jahrhundert saßen die Amerikaner auf diesem Gebiet, nutzten es als Verladestation für Panzer und vor allem für ihre Feldpost nach ganz Europa. Denn das Areal verfügte – einzigartig – über einen direkten Bahnanschluss. 1995 wurde es von den Amerikanern der Bundesrepublik zurückgegeben.

Zwar ist das Areal noch von einem Zaun mit Stacheldraht-Kronen umgeben. Doch die Hinweisschilder warnen längst nicht mehr vor einem „militärischen Sperrgebiet“, sondern bitten lediglich darum, die Wiesen „nicht zu betreten und die Pferde nicht zu füttern.“ Denn zuweilen wird das Areal an einen Zirkus verpachtet, der dort Wagen und Tiere unterstellt, die dort weiden.

Die Gebäude im Innern des Areals sind längst verfallen, die Rudimente der Gleisanlagen erinnern jedoch noch immer an die einstige Bedeutung dieses Ortes als Umschlagplatz der US-Armee für ganz Europa.

Der Bund, seit 1995 im Besitz des Geländes, versuchte anfangs, das Areal gewerblich zu vermarkten. In der Tat gab es dank der auf den ersten Blick ausgesprochen verkehrsgünstigen Lage zwischen Eisenbahn, Autobahn und Bundesstraße im Laufe der Jahre zahlreiche Interessenten: Ein Frachtzentrum der Bahn, ein Lkw-Service-Center und ein Logistik-Zentrum von Daimler markieren einige der Projekte.

Ökologisch wertvoll

Doch die Fläche liegt eben nicht nur verkehrsgünstig, sondern auch in unmittelbarer Nähe zum Rheinauer Wald und zu Wiesen, also zur Natur, die sich seit Abzug des Militärs das Gelände sogar sukzessive zurückholt. „Hier leben 36 Vogelarten, darunter sechs Fledermausarten“, berichtet Schneider. Auch die seltene und daher streng geschützte Mauer-eidechse steht für die ökologische Bedeutung des Areals ebenso wie die blauflügelige Ödlandschrecke und der bedrohte Sand-Thymian. Alle gewerblichen Vorhaben scheiterten.

Und so kamen die Verantwortlichen der Stadt bereits vor einigen Jahren zu dem Schluss, dieses Gebiet der Natur zurückzugeben und es gemeinsam mit den angrenzenden Wald- und Wiesenflächen zu einem umfassenden ökologischen Areal zusammenzufassen. Damit entstünde im Süden der Stadt ein riesiges Naherholungsgebiet.

Doch mit diesem bloßen Wunsch der Stadt ist die Sache ja noch nicht geritzt. Denn ihr gehört das Gelände gar nicht, sondern dem Bund, konkret der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Und nach Bundeshaushaltsordnung ist sie verpflichtet, Grundbesitz allein zu einem Zweck zu vermarkten: den höchsten Verkaufserlös zu erzielen.

Dies wäre bei einer ökologischen Nutzung natürlich weniger erreichbar als bei einer Verwendung als Gewerbefläche. „Da aber eine Gewerbeansiedlung wegen der Verkehrserschließung nur schwer möglich ist, stehen die Chancen für die ökologische Nutzung gut“, glaubt Schneider. Gleichwohl muss eine Einigung über den Kaufpreis erzielt werden.

„Schwerter zu Pflugscharen“ – zumindest in der Version „Militärgelände zu Wiesen“ wäre diese alte Forderung der Friedensbewegung auf der Rheinau künftig verwirklicht.