Rheinau / Hochstätt

Hochstätt Bezirksbeirat diskutiert die nach wie vor unzureichende Versorgung mit Betreuungsplätzen / Kritik am Zeitplan der Stadt

Neubau des Kindergartens dauert bis Januar 2023

Die Situation der Kinderbetreuung im Ortsteil Hochstätt wird sich nur langsam verbessern: Die Container zur provisorischen Unterbringung der Kinder sind frühestens im Juni nächsten Jahres bezugsfähig. Und der seit langem geplante neue Kindergarten wird gar erst im Januar 2023 fertiggestellt sein. Dies teilte die Stadtverwaltung auf der jüngsten Bezirksbeiratssitzung des Stadtteils Seckenheim mit, zu dem die Hochstätt ja verwaltungsmäßig gehört.

Die Kommunalpolitiker aller Parteien hatten das Thema auf die Tagesordnung gesetzt, weil die Probleme nach wie vor ungelöst sind, seit die Lebenshilfe ihr Projekt für einen integrativen Kindergarten Ende 2017 aufgegeben hat. Nach Informationen des Bezirksbeirats seien derzeit um die 50 Kinder unversorgt.

Laut Stadt „nur“ 16 Unversorgte

„Diese Zahl kann ich nicht bestätigen“, meint dagegen Peter Schäfer, Leiter des Fachbereichs Jugend und Gesundheit der Stadt Mannheim: „Wir wissen nicht, wie diese Zahl zustande kommt.“ Denkbar sei, dass sich Eltern, die einen Platz für ihr Kind suchen, an verschiedenen Stellen anmelden, und, wenn sie einen finden, dies nicht zurückmelden.

„Ungeachtet dessen ist ein Bedarf unstrittig vorhanden“, konstatiert Schäfer. Denn auch nach den Zahlen der Stadt sind zum 1. April drei Kinder unter drei Jahren sowie 13 über drei Jahren unversorgt. Um diese unterbringen zu können, hatte sich die Stadt nach dem Scheitern des Lebenshilfe-Projektes entschlossen, selbst eine siebengruppige Einrichtung zu bauen und zu betreiben.

Zu diesem Zweck hat sie sich nach einem geeigneten Grundstück umgesehen. „Dabei hat sich herausgestellt, dass im Grunde nur ein einziges geeignet ist“, berichtet Alena Helmling vom Fachbereich Bau- und Immobilienwirtschaft der Stadt Mannheim: Das des zweigruppigen katholischen Kindergartens, der ohnehin dringend einer kostenintensiven Sanierung bedarf, welche die Gemeinde aber nicht leisten kann.

Bis zur Fertigstellung des Neubaus werden diese Kinder in Containern untergebracht, die bereits drei statt bislang zwei Gruppen umfassen. Die Container sollen auf dem Gelände der GBG aufgestellt und im Juni 2020 bezogen werden. Danach folgen Abbruch und Neubau des bestehenden Gebäudes. „Die neue Einrichtung wird im Januar 2023 bezugsfertig sein“, so Helmling.

Gremium empört

Im Bezirksbeirat löst diese Nachricht jedoch keine Freude, sondern Empörung aus. Besonders die Tatsache, dass sogar die Aufstellung der Container mehr als ein Jahr dauern soll, stößt im Gremium auf heftige Kritik: „Wo wollt Ihr die Kinder denn bis dahin unterbringen?“, fragt CDU-Bezirksbeiratssprecherin Adelgunde Freisinger, die selbst auf der Hochstätt wohnt. „Ich kann ihr da nur zustimmen“, ergänzt ihre SPD-Amtskollegin Evi Korta-Petry: „Muss das denn wirklich so lange dauern?“

„Sie sollten in dieser Sache den Turbo einlegen“, fordert der Grüne Cornelius Zapf die Stadtverwaltung auf. „Ihre heutige Mitteilung ist äußerst unbefriedigend“, kritisiert auch Edith Wellmann-Hufnagel von der Mannheimer Liste die Stadtvertreter: „Wir sprechen seit 2016 über Container, und seither ist nichts geschehen.“ Zudem sei ja keineswegs hundertprozentig sicher, dass nach Scheitern des Lebenshilfe-Projektes der jetzige Plan der Stadt klappt, der ja ganz auf dem Entgegenkommenden der katholischen Kirche beruht.

Tagespflege im Karolinger Weg

Was die kurzfristige Unterbringung angeht, so kann Peter Schäfer einen kleinen Hoffnungsschimmer geben: Bereits Ende dieses Jahres wird in Kooperation mit dem Schifferkinderheim im Karolinger Weg eine Kindertagespflege eingerichtet. „Damit können zumindest neun der 13 derzeit unversorgten Kinder versorgt werden“, kündigt Schäfer an.

Die Kritik an der Dauer für die Aufstellung der Container weist die Stadt zurück: „Ein Jahr nach Bestimmung des Standortes ist allgemein üblich“, erklärt Alena Helmling: „Immerhin kommen die Container auf die grüne Wiese.“ Dort müssten sowohl Feuerwehrzufahrt als auch Leitungen für Strom erst gelegt werden. „Erst dann kann dort ein Container aufgestellt werden.“

Was die Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer angeht – für Verkauf oder Erbpacht – , so seien sie derzeit „im Gange“ und verliefen hoffnungsvoll, wie Alena Helmling versichert: „Die katholische Kirche zeigt sich sehr kooperativ.“