Rheinau / Hochstätt

Hochstätt Stadt will angespannte Kita-Versorgung entschärfen

Neubau eines Kindergartens dauert bis 2021

Archivartikel

Die Stadt Mannheim will die dramatisch schlechte Kindergartenversorgung auf der Hochstätt in mehreren Schritten angehen: 2019 soll ein Provisorium im Rahmen eines Naturkindergartens in Betrieb gehen, bis 2021 ein Neubau mit 110 Kindergarten- und Krippenplätzen entstehen.

„Wir sind uns der angespannten Lage auf der Hochstätt sehr wohl bewusst“, versichert Andrew Ballantyne vom Jugendamt. Daher hat sich die Stadt entschlossen, nachdem die Lebenshilfe ihr Projekt Ende 2017 aufgegeben hat, selbst aktiv zu werden: So will sie drei Krippengruppen (30 Plätze) und vier Kindergartengruppen (80 Plätze) einrichten.

Das Gebäude soll von der kommunalen Baugesellschaft GBG errichtet werden. „Derzeit wird noch ein Bauplatz gesucht.“ Das für das Lebenshilfe-Projekt ins Auge gefasste Grundstück stehe nicht mehr zur Verfügung. „Insofern können wir nicht sagen, wann genau Baubeginn sein wird“, so Ballantyne. Er gehe jedoch davon aus, dass die neue Einrichtung „bis 2021 in Betrieb ist“.

Naturprojekt als Provisorium

Bis dahin will die Stadt kurzfristig ein Übergangsangebot organisieren. Dieses soll in Form eines „Naturkindergartens“ erfolgen; eine solche Einrichtung ist den seit langem bekannten Waldkindergärten ähnlich: „In bebauten Gebieten heißen sie aber Naturkindergärten, weil es hier keinen Wald gibt.“ Auch hierfür wird jedoch noch ein Standort gesucht. Die Stadt hofft, hier im ersten Quartal 2019 Plätze anbieten zu können.

Parallel sollen in einer angemieteten Wohnung mit Hilfe des Schifferkinderheims Seckenheim bis zu neun Plätze angeboten werden; weitere Maßnahmen sind in Arbeit.

Sollte die Verwaltung im Bezirksbeirat Lob erwartet haben, so sah sie sich kräftig getäuscht. Vielmehr hagelte es Kritik daran, dass die Stadt erst jetzt reagiert. „Wir haben schon letztes Jahr, als das Projekt der Lebenshilfe gescheitert war, die Aufstellung von Containern gefordert“, kritisierte CDU-Bezirksbeiratssprecherin Adelgunde Freisinger. „Denn schon jetzt fehlen 43 Kindergartenplätze“, klagte sie: „Damit ziehen wir schon jetzt die nächste Generation Sozialhilfeempfänger groß“, warnte die Hochstätterin und appellierte an die Stadt: „Kommt endlich zu Potte!“

Heftige Kritik des Bezirksbeirates

„Es ist ein Jahr ins Land gegangen, ohne dass etwas passiert ist“, klagte auch ihre Kollegin Edith Wellmann-Hufnagel von der Mannheimer Liste: „Das empört mich ziemlich.“ Und so forderte sie: „Wir brauchen so schnell wie möglich eine Zwischenlösung für die drei bis vier Jahre, bis die neue Einrichtung steht.“

Unzufrieden zeigte sich auch ihre SPD-Kollegin Evi Korta-Petry: „Angesichts von 43 unversorgten Kindern sind neun mögliche Plätze nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Ballentyne wollte die Zahl 43 unversorgter Kinder nicht bestätigen. Nach Daten der Stadt, die über das zentrale elektronische Anmeldesystem „MeKi“ ermittelt werden, seien es 20: „Aber ich sage auch: Jedes unversorgte Kind ist eines zu viel.“

Stadtrat Ralph Waibel machte die dramatischen Folgen der unzureichenden Kindergartenversorgung deutlich: „In der Astrid-Lindgren-Schule wurden gerade zehn Kinder eingeschult, die zuvor in keinem Kindergarten waren. Sie können nicht einmal eine Schere bedienen.“