Rheinau / Hochstätt

Rheinau Früherer Revierführer Winfried Scherer gestorben

Polizeibeamter der alten Schule

Fast zwei Jahrzehnte ist er für die Sicherheit im Süden Mannheims verantwortlich, zunächst als Chef des damaligen Polizeireviers in Rheinau, später in Neckarau. Auch nach seinem Ruhestand hielt er engen Kontakt zu den Vereinen, jetzt starb Winfried Scherer im Alter von 82 Jahren.

Geboren wurde er am 11. Oktober 1936 in Konstanz. Der Vater kehrte schwerversehrt aus dem Kriege zurück. Winfried Scherer machte zunächst eine Malerlehre, bevor er 1954 mit 18 Jahren in Biberach in die Bereitschaftspolizei eintrat. Seine erste Station in Mannheim wurde das Polizeirevier Neckarstadt-West.

Nach Qualifizierung für den Gehobenen Dienst 1964 wirkte Scherer bei Einsätzen als Zugführer in den Studentendemonstrationen Ende der 1960er Jahre. 1969 wurde er Kommissar, 1974 Leiter des Streifendienstes im Innenstadt-Revier G 1.

Schlagzeilenträchtige Fälle

1978 übernahm er die Leitung der Rheinauer Polizei in der Kronenburgstraße, die damals noch Revierstatus hatte, die Gemeinde Brühl umfasste und damit vom Dannstadter Kreuz im Norden bis zur Gemarkung Schwetzingens im Süden reichte. Betreut wurden also 38 000 Bürger und der Rheinauer Hafen; ein Großbrand hier im Juni 1986 war Scherers spektakulärer Einsatz.

In Scherers Amtszeit in Rheinau fielen aber auch mehrere schlagzeilenträchtige Kriminalfälle: Der Mordfall Nickles 1985, als der Rheinauer Arzt seine gesamte Familie und am Ende sich selbst tötete. Oder der „Holzschuh-Mörder“, der 1984 im Rheinauer Wald eine Frau erschlug – mit Holzschuhen, die später am Karlsplatz gefunden wurden.

Im Dienst war Scherer ein Polizeibeamter der alten Schule, stets korrekt, unerschrocken auch gegenüber hochgestellten Persönlichkeiten, bei alldem niemals auftrumpfend, sondern eher zurückhaltend. Gleichwohl machte er auch gerne einen Gag mit, wenn er als „Rheinaus Sheriff“ von den „Sandhase“ vor ihr Narrengericht zitiert wurde.

Als das bisherige Polizeirevier Rheinau Anfang der 1990er Jahre zum Posten herabgestuft und dem Revier Neckarau unterstellt wurde, da rückte Scherer zum Chef dieser neuen Konstellation auf und bezog sein Büro im Rheingold-Center. Hier wurde er am 31. Oktober 1996 in den Ruhestand verabschiedet, den er im beschaulichen Brühl verbrachte.

Auch im Ruhestand Kontakt

Doch vor allem zur Rheinau hielt er weiter Kontakt, war bei Veranstaltungen wie Stadtteilfest oder Neujahrsempfang gern gesehener Gast. Dass er in diesem Jahr erstmals fehlte, gab bereits Anlass zur Sorge. Winfried Scherer verstarb am 26. Januar.

Die Trauerfeier findet am Donnerstag , 7. Februar, 13 Uhr, auf dem Mannheimer Hauptfriedhof statt.