Rheinau / Hochstätt

Rheinau Kurt Kubinski feiert morgen 75. Geburtstag / 18 Jahre lang SPD-Ortsvereinschef, inzwischen aus der Partei ausgetreten

Stets engagiert, aber nicht immer bequem

Andere in seinem Alter, manche sogar weit früher, denken daran, ihr öffentliches Wirken zu beenden. Nicht so er: Zwar hat er die meisten seiner Ämter abgegeben, doch zwei große, durchaus gegensätzliche Arbeitsgebiete bleiben: die Fasnacht mit den „Sandhase“ sowie der Friedhof des Stadtteils. Am morgigen Samstag feiert Kurt Kubinski, Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Friedhof Rheinau sowie viele Jahre lang Bezirksbeiratssprecher und Ortsvereins-Chef der Rheinauer Sozialdemokraten, seinen 75. Geburtstag.

Geboren wird der Jubilar am 16. Juni 1943 als Sohn eines Zollbeamten in einem Haus in der Sommerstraße am Pfingstberger Marktplatz, in dem er noch heute lebt. Nach Besuch der Rheinauschule und einer Ausbildung zum Chemielaborwerker verpflichtet er sich bei der Bundeswehr, namentlich bei den Fallschirmjägern, geht dort 1969 als Stabsunteroffizier ab. Nach Station im Heidelberger Landratsamt kommt er 1980 zur Stadt Mannheim; im Rathaus E 5 leitet er die Registratur, bis er in den Ruhestand tritt.

1980 wird Kubinski Mitglied der SPD, 1989 Bezirksbeirat und 1996 Chef des Ortsvereins Rheinau. Zwei Jahrzehnte lang prägt er die Kommunalpolitik des Vorortes, lehrt den politischen Gegnern das Fürchten, die ihn jedoch gleichwohl oder gerade deswegen schätzen. Bei den Oberen der eigenen Partei in Mannheim eckt er dagegen zunehmend an mit seiner klaren Linie, die er bis zur letzten Konsequenz durchzieht: 2014 tritt er von allen Parteiämtern zurück und sogar aus der SPD aus; seine Familie und mehrere andere Mandatsträger des Ortsvereins folgen ihm.

Auch seinem Ausflug in die „größere“ Politik ist wenig Glück beschieden: Bei der Bürgermeisterwahl in der Gemeinde Edingen-Neckarhausen 1991 unterliegt er dem lange amtierenden Roland Marsch.

Für Marktplatz und Friedhof

Ungleich erfolgreicher ist Kubinski in seiner Vereinsarbeit, für die er 2007 mit der Bundesverdienstmedaille bedacht wird. 1981 gründet er die Marktplatzinitiative Pfingstberg (MIP), die er seither führt. 25 Jahre lang veranstaltet sie nicht nur alljährlich ein großes Fest, sondern erreicht auch eine Verschönerung des Marktplatzes, als deren Symbol seit 1993 ein echter Brunnen plätschert. Die MIP wird Vorbild anderer Initiativen, auch für Kubinski selbst: Für die Pflege des Rheinauer Friedhofs gründet er 1999 einen Verein, der die Renovierung und Erweiterung der Trauerhalle erreicht, 700 ehrenamtliche Arbeitsstunden und mehr als 100 000 Euro einbringt. Diesem Feld will er weiterhin treu bleiben.

Und auch einem irgendwie ganz anderen Gebiet: der Fasnacht mit dem Karnevalsverein „Sandhase“. Hier bekleidet er „nur“ das Amt des Senatsvizepräsidenten, darf aber als „graue Eminenz“ gelten, der nicht nur seinem Sohn, Vereinschef Holger Kubinski, den Rücken frei hält, sondern auch seine in vielen Jahrzehnten gewachsenen Beziehungen einbringt – aktuell für die nahende Jubiläumskampagne, in der sein Verein die Stadtprinzessin stellt.

Danach wird er wohl auch hier kürzertreten – mit der Bilanz, in seinem Engagement viele Erfolge erreicht und viel Schönes erlebt zu haben, aber eben auch manchen Undank. Aber damit ist er ja nicht allein.