Rheinau / Hochstätt

Traurig, aber unvermeidlich

Der Entschluss der VR Bank Rhein Neckar, ihre Filiale im Casterfeld im Sommer nächsten Jahres zu schließen, ist für diesen Ortsteil am nördlichen Rand Rheinaus ein Schlag in den Karton. Die Erosion der Infrastruktur in diesem Quartier schreitet da-mit voran. Das ist beklagenswert. Zu verhindern ist diese Entwicklung nicht, denn die Ursachen sind gesellschaftlicher Natur.

Natürlich erfolgt nun wieder jener Reflex, der bei derartigen Entwicklungen in der Vergangenheit immer wieder zu beobachten war, etwa bei der früheren Schließung von Filialen von VR Bank, Sparkasse oder Post: Parteien und Kommunalpolitiker zeigen sich empört, schreiben Briefe, laden sogar Konzernvorstände auf die Rheinau ein, um ihnen persönlich ihr Anliegen zu erläutern. Und natürlich ist es gut, dass die Politik die Sorgen der Bürger aufnimmt, doch der Effekt ist – um es in der Bankersprache zu formulieren – Nullkommanull.

Die schmerzliche Einsicht lautet, dass in einer Marktwirtschaft Unternehmensentscheidungen betriebswirtschaftlich begründet sind. Das gilt auch für Volksbanken. Wer denkt, sie seien ein Kulturinstitut, das anders als Großbanken am Ende des Tages nicht auf die Bilanz achten muss, erliegt folkloristischen Vorstellungen.

Verantwortlich sind wir alle

Denn auch Volksbanken sind unter Druck durch Nullzins-Politik und Digitalisierung. Wenn die VR Bank formuliert, ein Filialnetz wie früher zu Bedingungen einer Direktbank sei nicht machbar, dann legt sie den Finger in die Wunde.

Der Chef der Siedler, Thomas Steinbrenner, hat den Mut, eine weitere unangenehme Wahrheit auszusprechen: Verantwortlich für diese Entwicklung sind nicht fremde Mächte im All, sondern wir alle. Mit jeder Onlinebuchung setzen wir einen Sargnagel in die Filialen unserer Banken vor Ort; mit jeder Mail, die wir statt eines Briefes verschicken, werden Postämter entbehrlicher.

Auf der Strecke bleiben dabei aber diejenigen, die diesen Weg nicht mitgehen können, vor allem die älteren Menschen. Was unternehmerisch gerechtfertigt sein mag, erweist sich daher als sozial bedenklich – und schwächt damit den Zusammenhalt vor Ort. Dies ist die eigentlich bedenkliche Folge von Entwicklungen wie der jetzigen – über den längeren Weg zur nächsten Bankfiliale hinaus.