Rheinau / Hochstätt

Verheerendes Signal

Ganz gleich, ob es nun eine Abstimmung war oder nur ein Meinungsbild – das Signal in die Öffentlichkeit ist eindeutig: Die Mehrheit der Bürgervertretung Rheinaus ist für einen Abriss des ältesten historischen Gebäudes im Stadtteil, von einem einheitlichen Kampf um seinen Er-halt kann keine Rede mehr sein. Und dieses Signal ist verheerend.

Die Augen reiben muss man sich schon beim Zustandekommen dieses Votums. Es geht auf einen einzelnen Bezirksbeirat zurück, der sichergehen wollte, welche Meinung er zu diesem Thema im Gemeinderat vortragen soll und daher eine Rundmail an seine Kollegen schrieb. Manche erreichte er gar nicht, andere antworteten unklar. So kam das „Meinungsbild“ der Rheinauer Bürgervertretung über die Zukunft des ältesten historischen Bauwerks im Vorort zustande.

Damit ist das Gremium seiner Aufgabe nicht gerecht geworden. Es ist schön, dass es sich in seiner Sitzung am Mittwoch mit Hunden, die im See schwimmen, oder Zirkustieren, die die Rheinaukaserne beweiden, befasst hat; mindestens ebenso wichtig wäre es, eine Woche vor der Versteigerung das Thema Relaishaus in öffentlicher Sitzung zu diskutieren und falls gewollt auch zu entscheiden.

Dass dieses Votum überhaupt bekannt wurde, ist das Verdienst eines Bürgers, der es in der Fragerunde ansprach. Seine Klage, damit sei der Bezirksbeirat allen, die sich für Denkmalschutz engagieren, „in den Rücken gefallen“, ist durchaus nachvollziehbar. Wie sollen sie bei Stadtverwaltung und Gemeinderat für einen Erhalt des Bauwerks eintreten, wenn die Bürgervertretung des eigenen Stadtteils sich so verhält?

Die Parteien sind nun aufgerufen, den Schaden zu begrenzen. Die SPD hat monatelang den Stadtteil eingedeckt mit Plakaten „Relaishaus erhalten!“, hat die Bürger einen ganzen Abend damit beschäftigt, Konzepte für seine Nutzung auszuarbeiten. Die CDU lädt am Mittwochabend zu einer Veranstaltung, bei der sie das Thema diskutieren will. Beide werden sich erklären müssen.