Rheinau / Hochstätt

Rheinau Pfarrer Uwe Sulger wird am Donnerstag 60 Jahre alt

Voller Einsatz nach später Berufung

Archivartikel

Als Erster Bürgermeister Christian Specht vor zehn Tagen das Große Rheinauer Stadtteilfest eröffnet, da begrüßt er einen der Anwesenden namentlich: Uwe Sulger, den Pfarrer der Evangelischen Versöhnungsgemeinde Rheinau. „Er leistet einen besonders wertvollen Dienst für unsere Stadt“, lobt der Stellvertreter des Oberbürgermeisters unter Hinweis auf dessen weitere Ämter: die des Notfallseelsorgers und des Polizeiseelsorgers für Mannheim.

Am Donnerstag wird Uwe Sulger 60 Jahre alt, und am Samstag feiert er dies im engsten Freundes- und Familienkreis im Garten „seiner“ Kirche. Das hat etwas Symbolhaftes: Denn Sulger hat das seltene Glück, seine Wirkungsstätte als Pfarrer bereits seit seiner Kindheit zu kennen.

Denn seine Jugend verbringt er auf der Hochstätt, besucht die Pfingstbergschule unter Rektor Siegfried Blank, erhält die Konfirmation auf dem Pfingstberg durch Pfarrer Johannes Schurr. Gleichwohl ist damals an sein heutiges geistliches Wirken noch nicht zu denken.

Ausbildung in der Stadtverwaltung

Am Lessing-Gymnasium macht er das Abi, mit dem damaligen Stadtrat Paul Buchert als Tutor. „Er hat mir selbstständiges politisches Denken beigebracht“, lobt er dessen Unterricht noch heute. Es folgt eine Ausbildung bei der Stadt Mannheim mit Stationen im Baudezernat und im Rosengarten, im Klinikum und im Gemeindesekretariat Rheinau – eine Erfahrung, die ihm im Umgang mit Ämtern noch heute zugute kommt. Das Studium an der Verwaltungshochschule Kehl schließt er als Diplom-Verwaltungswirt ab.

Doch dann kommt die Wende. Seit langem in der evangelischen Jugend engagiert, wird sie für ihn bald mehr als bloße Freizeitbeschäftigung. Ihn beginnt zu interessieren, was „dahinter“ steckt, und so nimmt er in Heidelberg das Studium der Theologie auf. Nach Dienst in einem Übergangswohnheim für Russland-Deutsche erhält er 1996 seine erste Pfarrstelle in Neulußheim.

2011 wird die Stelle an der Versöhnungskirche frei. Bei der Suche nach einem Pfarrer erinnern sich einige Gläubige an den Pfingstberger. „Zunächst war ich skeptisch“, bekennt er: „Soll ich dorthin zurückkehren, wo ich früher mein Unwesen getrieben hab‘“, lacht er. Doch er greift zu: „Das diakonische Profil der Gemeinde hat mir sehr gefallen.“

Dies baut er seither aus, etwa mit Einführung des Mittagstischs 2012, zu dem sich jeden Dienstag 70 bis 80 Personen hier einfinden. Doch der Mensch lebt nicht vom Brot alleine: 2018 wird sein für eine passende Ausschmückung der Versöhnungskirche wahr: Die Künstlerin Bettina Mohr gestaltet eine goldene Sonne für den Altarraum, die Finanzierung gelingt durch eine Spendenaktion.

Doch der übrige Gebäudebestand bleibt eine Herausforderung. Der Gemeindesaal ist zu groß und zu alt. Sulgers Plan: Ihn durch einen Neubau ersetzen und darin den Kindergarten aus der Bruchsaler Straße integrieren. 4,4 Millionen kostet das Projekt: „Ich hoffe, dass wir es bis 2022 schaffen“, sagt er und fügt lachend hinzu: „Zumindest bis zu meiner Pensionierung 2025.“

Zumindest bis dahin wohnt er mit seiner Frau im Pfarrhaus – direkt gegenüber seiner Wirkungsstätte. Auch dies ein schönes Symbol.