Rheinau / Hochstätt

Rheinau Zum Tode von Philipp Genazino, Ehrenvorsitzender der Rudergesellschaft

Wasser war sein Element

Archivartikel

Für ihn war es ein bewegender Augenblick. Nach 63 Jahren aktiven Ruderns setzte er sich im Oktober 2014 das letzte Mal ins Boot und fuhr mit vier Kameraden auf dem Altrhein Richtung Otterstadt. „Man muss selbst wissen, wann man aufhören soll“, sagte der Jubilar melancholisch, aber auch so selbstbestimmt, wie er immer war und auch bleiben wollte. Zuletzt machte ihm eine Krankheit dieses Ziel immer schwerer. Wie sein Verein mitteilte, ist Philipp Genazino, Ehrenvorsitzender der Mannheimer Rudergesellschaft Rheinau (MRGR), nun im Alter von 83 Jahren verstorben.

Genazino war Spross einer Familie, deren Urahn väterlicherseits vom Comer See stammte und bereits für 1795 in Mannheim verbürgt war; der berühmte Schriftsteller Wilhelm Genazino war ein Cousin.

Mütterlicherseits stammte Philipp Genazino aus der Rheinauer Bauern- und Wirtsleute-Dynastie Roßrucker, die im legendären „Zähringer Löwen“ in der Relaisstraße 11 ihren Ursprung hatte. Bereits seine Mutter Luise Roßrucker wurde 1901 in Rheinau geboren – eine der wenigen „echten“ Rheinauer, die es in diesem jungen Ort gab, wie ihr Sohn stets mit Stolz vermerkt hat.

27 Jahre Vereinsvorsitzender

Der Jubilar selbst, am 25. November 1935 geboren, zog nach dem Kriege auf die Rheinau. Hier wurde er aktiver Ruderer, trieb Hochleistungssport im Einer, Vierer und Achter; 15 Regattasiege tragen seinen Namen. Dem Rennsport folgte das ehrenamtliche Engagement im Verein: 1968 Schatzmeister, wurde der studierte Diplom-Ingenieur 1971 mit 35 Jahren Vorsitzender im Ruderclub.

Er sollte es mehr als ein Viertel Jahrhundert lang bleiben, schuf dabei einen angesehenen und modernen Verein. Als sein Meisterstück gilt der anfangs noch von Vielen bekämpfte Umbau der alten Bootshalle zum modernen Bootshaus. Verdientermaßen wurde er bei seinem Abschied 1997 Ehrenvorsitzender.

Für Parkschwimmbad engagiert

Wasser im weitesten Sinne blieb sein Betätigungsfeld. Als 2001 „sein“ geliebtes Rheinauer Freibad von der Schließung bedroht war, da engagierte er sich für dessen Erhalt, übernahm im 2002 gegründeten Förderverein für mehrere Jahre das Amt des Schatzmeisters. Der Gewerbeverein ehrte ihn ob dieser und anderer Verdienste für den Stadtteil 2004 mit seiner höchsten Auszeichnung „Rheinau sagt Dankeschön“.

Ein schwerer Schlag war für Philipp Genazino der Tod seiner Frau Ute, die 2009 nach langer Krankheit verstarb. Doch der Zufall brachte es mit sich, dass er in dieser für ihn so schweren Zeit seine Jugendfreundin Karin Brouwer wiedertraf, ebenfalls Rudererin, die in Norddeutschland zu Hause ist. Und beiden gelang, was für Menschen in fortgeschrittenem Alter, die alleine sind, nicht schöner sein kann: Sie fanden zueinander, ja zusammen. Am 12. Juni 2015 gaben sie sich auf Amrum das Ja-Wort – für den Jubilar das schönste Geschenk im Vorfeld seines 80. Geburtstags.

Den Sommer über lebten die beiden fortan stets im Norden, den Winter über auf „seiner“ Rheinau, genauer gesagt: auf dem Pfingstberg, wo er mit Tochter, Sohn, Enkeln und Freunden seinen 80. Geburtstag feierte. Solange es ging, hielt er Kontakt zu seinem Verein, zuletzt besuchte er dessen Neujahrsrudern 2018.

Doch schon bald veränderte ein heimtückisches wie unheilbares Leiden sein lebensfrohes und agiles Wesen zunehmend, so dass er in seiner neuen Wahlheimat Wilhelmshaven in einem Seniorenheim betreut werden musste. Hier verstarb er friedlich am 27. April. Die Trauerfeier findet am 8. Mai in Wilhelmshaven statt. Seine letzte Ruhe findet er auf hoher See – also auf dem Wasser, das er stets so sehr geliebt hat.