Rheinau / Hochstätt

Rheinau Stadtrat Thomas Hornung erklärt Vogelstimmen / Frühmorgendliche Exkursion zum Thema Artenschutz

„Wer singt denn da im Dossenwald?“

Archivartikel

Der frühe Vogel fängt den Wurm, an diesem Sprichwort ist wirklich was dran. Wer Vögel beobachten will, der muss deshalb auch bei Zeiten aus den Federn. Am Sonntagmorgen trafen sich Liebhaber zu eher unchristlicher Zeit auf dem Waldparkplatz am Friedrichsfelder Weg. Der CDU-Stadtrat und Hobbyornithologe Thomas Hornung hatte zu einer Vogelstimmen-Exkursion in den Dossenwald zwischen Rheinau und Friedrichsfeld eingeladen. Die Veranstaltung „Wer singt denn da? Vogelstimmen im Dossenwald“ war Teil des Mannheimer Programms zum Tag des Artenschutzes.

Dreistündige Exkursion

Zwanzig Begeisterte waren dem Aufruf in Wanderschuhen und mit Ferngläsern gefolgt. Als langjähriger Kleingärtner war Bernd Roestel aus Pfingstberg „sehr interessiert an Natur“. Und der Morgen begann auch für ihn mit einer Überraschung: Wolfgang Dreyer vom Naturschutzbund Mannheim (Nabu) hatte einen jungen Turmfalken dabei, der am Wochenende aus dem Nest im Turm der Diakoniekirche Luther an der Dammstraße gefallen war. Doch der putzige kleine Vogel mit dem flauschigen Haarkleid piepte munter drauflos.

Was wäre ein Spaziergang durch Wald und Feld ohne Vogelgesang? Gerade im Frühjahr macht das herrliche Vogelkonzert das Naturerlebnis erst so richtig komplett. Doch welche Stimme gehört zu welchem Vogel? Wo und wie leben die Tiere? Vogelliebhaber Thomas Hornung zeigte und erklärte bei der dreistündigen Exkursion verschiedenste Vogelarten und leitete zum Hören und Zuordnen der zahlreichen Vogelstimmen an.

Die Teilnehmer entdeckten mehr als zwanzig Vogelarten im Dossenwald, einem ganz besonderen Lebensraum auf Flugsanddünen, sowie in der angrenzenden Feld- und Wiesenlandschaft. „Ich finde das großartig, was wir hier lernen“, lobte Susanne Haumann aus Neckarau.

Sie machte sich viele Notizen. „Am Tag der Artenvielfalt“ gucke ich immer, dass ich möglichst viele Termine wahrnehmen kann, es ist immer gut und total unterschiedlich“, sagte sie. Die Teilnehmer lauschten derweil gespannt, was sie in der Ruhe des Waldes hören können: Singdrosseln, Kohlmeisen, Amseln und auch Mönchsgrasmücken. „Das sind geschwätzige Vögel“, erklärt Hornung lachend. Er ist seit früher Kindheit Hobby-Ornithologe und engagierter Naturschützer. Vogelstimmen sind sein Spezialgebiet.

Eine Besonderheit seiner Führung war die Erklärung der Vogelnamen. Diese leiten sich zum einen beispielsweise beim Pirol oder Zilp Zalp ab aus ihrem Gesang, bei anderen aus ihren lateinischen oder mittelhochdeutschen Namen, angelehnt an Aussehen oder Lebensraum der Tiere. Dann wird seine Erzählung vom Ruf des Buchfinken unterbrochen. „Da auf dem dicken Ast“, deutet Hornung und lässt die Teilnehmer durch sein Fernglas schauen. Dieses Bild lässt auch das Herz von Tanja Liersch von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Mannheim höher schlagen: „Ich freue mich sehr, wenn wir Leute für unsere Natur begeistern können. Wir müssen sie schützen und sollten sie wertschätzen.“

Weitere Erlebnisausflüge geplant

Deshalb soll es auch weiterhin solche Erlebnisausflüge geben. „Die Vogelstimmen sind so schön“, fand Rohan. Der Elfjährige, der vor acht Monaten mit seinen Eltern aus Singapur kam und jetzt das Johanna-Geismar-Gymnasium auf der Schönau besucht, ist der jüngste Teilnehmer. „Ich liebe Vögel, aber ich bin ein totaler Laie“, bekannte Kerstin Weinberger. Als Kunsthistorikerin habe sie Spaß an Formen und Farben.

Prächtiges Wetter und viele neue Vogelstimmen erlebten die Teilnehmer bei der Vogelstimmenexkursion im Dossenheimer Wald. Die begeisterten Naturliebhaber lernten viel Neues und nutzten am Ende der Tour die Gelegenheit, mit Thomas Hornung ins Gespräch über das bedrohliche Artensterben der Vögel inmitten der Natur durch giftigen Dünger und Klimawandel zu kommen und ihre Wünsche und Gegenargumente auszusprechen.