Rheinau / Hochstätt

Rheinau Weg zum Kalvarienberg im Dossenwald trägt fortan den Namen des 2016 verstorbenen Pfingstberger Geistlichen Erich Rappenecker

Ziel: Christliche Traditionen bewahren

Archivartikel

Die Gestaltung des Kreuzweges im Rheinauer Wald kommt weiter voran. Nachdem die künstlerische Arbeit abgeschlossen ist, hat auch der zum Kalvarienberg führende Waldweg seit kurzem einen Namen. Benannt ist er fortan nach dem 2016 verstorbenen katholischen Geistlichen Erich Rappenecker, der 40 Jahre lang in St. Theresia Pfingstberg-Hochstätt als Pfarrer wirkte.

Der ökumenische Kreuzweg entstand 2016 als Rheinauer Beitrag zum 1250-jährigen Bestehen von Seckenheim. zu dem die Rheinau ja bis 1913 gehört hat. Initiator war Altstadtrat Rolf Dieter, der damalige Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Mit dem von ihm gegründeten und seither von ihm geführten „Verein der Freunde des Dossenwaldes“ fand er den idealen Träger für diese Initiative.

Erderhebung über dem Tunnel

Als Ort ausgewählt wurde eine durch den Tunnel über der Schnellbahntrasse entstandene Erderhebung an der Gemarkungsgrenze zwischen Seckenheim und Rheinau. Auf ihrem Plateau wurde ein drei Meter hohes Kreuz gesetzt, jede der dorthin führenden Kreuzweg-Stationen von Künstlern der Region gestaltet.

Einer der engagiertesten Förderer dieses Projektes war Erich Rappenecker, 1957 bis 1997 Pfarrer der katholischen Doppelgemeinde von St. Theresia Pfingstberg-Hochstätt. Nach Rappeneckers Tod fasste Rolf Dieter den Entschluss, den zum Kalvarienberg führenden Waldweg nach dem bekannten Geistlichen zu benennen: „Er hat auch mich getraut“, machte Rolf Dieter seinen persönlichen Bezug zu ihm deutlich.

Da nicht jeder gerade nach Gutdünken einen Weg benennen kann, musste dies bei der Stadt beantragt werden. Und die Prüfung dauerte: „Das ist fast wie bei einer Heiligsprechung“, scherzt Pfarrer Lorenz Seiser bei der jetzigen Segnung: „Es muss erst geprüft werden, ob der Namensgeber auch würdig ist, keine dunklen Flecken im Lebenslauf hat.“

Die Prüfung dauerte so lange, dass Rolf Dieter sein ursprüngliches Ziel nicht verwirklichen konnte, den Weg durch Elfriede Walbaum taufen zu lassen; sie wirkte für Rappenecker von 1957 bis zu seinem Tode als Haushälterin. Auch sie verstarb bereits, im Oktober 2018 mit 89 Jahren.

Weggefährten als Ehrengäste

Als Ehrengäste der Einweihung nahmen daher Menschen teil, die mit Rappenecker und Walbaum eng verbunden waren. So Dieter Geiger und Helmut Losert, beide ehemalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende der Gemeinde St. Antonius Rheinau. Oder Alt-Bürgermeister Rolf Schmidt und seine Tochter Katharina Kohlbrenner, die Rappenecker bis zu seinem Tode regelmäßig besucht hat. Sie ist zugleich Vize-Bürgermeisterin der Gemeinde Ilvesheim, in der Rappenecker bis zu seinem Tode gelebt hat. Für die Stadt Mannheim nahm Stadtrat Thorsten Riehle an der Veranstaltung teil.

„Wege bringen uns an andere Orte, verbinden uns miteinander“, macht Pfarrer Seiser in seiner Rede die grundsätzliche Bedeutung von Wegen deutlich: „Ein Weg steht auch für die Richtung, die wir in unserem Leben einschlagen“. Daher kommt ihnen auch eine religiöse Funktion zu – zu erkennen an dem Bibelwort „Ich bin der Weg“. Gott biete uns seinen Weg an. „Trotzdem heißt das nicht, dass wir unseren Verstand ausschalten sollen, wenn wir einen Weg gehen“, betont der Geistliche: „Wer nicht auf seinen Weg achtet, der kann zum Beispiel gegen einen Laternenmast laufen“, unterstreicht Seiser seinen Appell ganz plastisch.

In der Benennung des Weges nach Rappenecker sieht Seiser eine angemessene Würdigung. Rappenecker sei nämlich eine außergewöhnliche Geistlichen-Gestalt gewesen: „Wie Jesus lehnte man ihn entweder ab oder man liebte ihn.“

Tafel mit Lebenslauf soll folgen

Auf jeden Fall sei Rappenecker wert, an ihn zu erinnern. „Machen wir uns nichts vor: In einigen Jahren wird keiner mehr wissen, was er geleistet hat“, so Seiser: „Dieser Weg kann dazu beitragen, die Erinnerung an ihn wachzuhalten.“ Erst recht, wenn, wie Rolf Dieter ankündigt, der bislang noch in rustikalem Material gezimmerte Wegweiser durch eine Info-Tafel über Leben und Wirken des Namensgebers ergänzt wird.

Das sei nötig in einer Zeit, in der alles Christliche in Vergessenheit gerate. „In der Schule werde ich sogar gefragt: Was macht ein Pfarrer eigentlich?“, erzählt Seiser. Der Kalvarienberg im Dossenwald helfe, christliche Tradition zu bewahren.