Sandhofen

Sandhofen Narren der Stichler übernehmen die Macht im Rathaus / „Goldiger“ Spezialauftrag

Beim Schlüssel ist der Lack ab

Die Stadtschlüssel, die bei den Neujahrsempfängen regelmäßig ihren Besitzer wechseln, sind nicht gerade klein. Das Sandhofener Exemplar etwa misst deutlich mehr als 20 Zentimeter. Dennoch gelang es der Bürgerservice-Leiterin Michaela Diehl, das gute Stück bis zuletzt zu verbergen. Kurz bevor sie es an Prinzessin Svenja I. vom Regenbogen übergab, zauberte sie es nicht etwa aus dem Hut, sondern aus ihrer Handtasche.

„Das Mysterium einer Damenhandtasche“, staunte Volksbank-Direktor Manfred Baumann. Einziges Manko des Schlüssels: Der Goldlack ist abgeblättert – und das zum Beginn der „Goldenen 20er Jahre“. Das gute Stück forderte der stellvertretende Vorsitzende der Karnevalabteilung Stichler im SKV, Oliver Strübbe, letztlich erfolgreich. Aber dass der Schlüssel so ramponiert sei, daran seien die Stichler schuld, kritisierte Diehl. „Bei mir kann das, da er geschützt auf einem Kissen gut verschlossen aufbewahrt wird, nicht gewesen sein“, erklärte die Bürgerservice-Leiterin. So forderte sie die Stichler auf, für eine neue Vergoldung zu sorgen, was Präsident Karlheinz Wetzel denn auch zusagte.

Zugesagt hatten die Stichler in den Vorjahren auch immer wieder, den Kerwekranz am Rathaus aufzuhängen. Zweimal brachen sie ihr Versprechen, erst im vergangenen Jahr lösten sie es dann ein. Aber das, so Strübbe schelmisch, sei eine absolute Ausnahme gewesen. Und was die Vergoldung des Rathausschlüssels angehe: „Bis zu welchem Jahr soll das sein“, fragte Strübbe in gespieltem Ernst. Dazu Diehl: „bis Aschermittwoch 2020.“ Für Strübbe „ein sehr knapper Termin, aber wir geben unser Bestes“. Der Prinzessin empfahl Michaela Diehl, ihre Narren ständig zu beschäftigen, „dann machen sie keine Dummheiten und sind abends müde“.

Rathauskasse füllt sich

Neben dem Schlüssel bekamen die Stichler auch noch die – allerdings leere – Rathauskasse. Das sei kein Wunder, betonte Diehl: „Wenn ich höre, was die Stadt hier alles so gemacht hat, kann ja nichts mehr drin sein.“ Das konnte Volksbank-Chef Baumann nicht mit ansehen. Er überreichte Svenja I. einen Scheck über 222,22 Euro – und bat die Anwesenden, die Kasse weiter zu füllen.

Die neue Regentin verlieh nicht nur Orden, sondern verkündete auch ihr Motto und die elf närrischen Paragrafen. Dabei ging sie unter anderem auf das Thema Sauberkeit in Sandhofen ein – und baute gleich noch eine kontrovers diskutierte Formulierung der letzten Tage mit ein: „Ich appelliere an alle, Mann oder Frau, macht euch nicht zur Umweltsau.“ eng/bhr