Sandhofen

Stadtteile Nord Nach Corona-Lockerungen – so laufen die Geschäfte

Bisher lässt der Ansturm noch auf sich warten

Archivartikel

Nach den ersten Corona-Lockerungen vor drei Wochen durften auch im Mannheimer Norden viele Geschäfte wieder den Betrieb aufnehmen. Wir schauten uns in Sandhofen, Waldhof und Gartenstadt um und sprachen mit einigen Händlern. Viele Geschäfte konnten im Mannheimer Norden nun aber lediglich unter bestimmten Auflagen eröffnen, was für Kunden und Personal in jedem Fall Atemschutzmasken und Sicherheitsabstand bedeutet.

Frustrierende Zeit vorbei

„Die Corona-Krise traf uns völlig unerwartet“, sagte Gerhard Engländer, Inhaber vom Modehaus Engländer in der Kalthorststraße in Sandhofen. Man habe sich neu orientieren müssen. Als Engländer das Geschäft nach vier Wochen der Schließung wieder öffnen durften, sei das sehr strukturiert geschehen. Die Kunden insgesamt reagierten verhalten. „Es war nicht so, dass sie gleich drauflosgestürmt sind“, so Engländer. Schließlich verkaufte man in seinem Laden Luxusartikel, die keiner wirklich braucht. Die Schränke seien voll. Doch eigentlich sei das Geschäft ganz normal weitergegangen. Überwiegend Frauen kauften bei ihnen Kleidungsstücke. Das sei immer auch ein Stück Gefühl. „Und selbst wenn der Kleiderschrank voll ist, gute Gefühl kann man nicht genug haben“, meinte Engländer.

Schwierig sei das Einkaufen mit Gesichtsmasken, weil die Kunden ihren eigenen Atem einatmeten. „Nach gewisser Zeit werden sie unruhig, kriegen zu wenig Sauerstoff“, erzählte er. Außerdem verstehe man sie schlecht. Deshalb habe er für sein Personal die neuen Gesichtsmasken aus durchsichtiger Folie angeschafft. „Ohne diese Gesichtsmaske wäre es für das Personal noch schwieriger“, meint der fürsorgliche Firmenchef.

Er ist froh, dass die für ihn frustrierende Zeit der Geschäftsschließung vorbei ist. Doch geblieben sei „die Unsicherheit, dass man nicht richtig weiß, ob und wie es weitergeht“.

Auch Katja Ehmke, Inhaberin von Schmuckstück in der Sandhofer Straße, ist „froh, dass die bedrückende Zeit der Schließung vorbei ist“. Über Serviceleistungen und online habe sie während der vier Wochen den Kontakt zu ihren Kunden gepflegt. In der ersten Woche nach Wiedereröffnung sei der Zuspruch noch sehr verhalten gewesen. In der dritten Woche freute sie sich über eine inzwischen „gute Resonanz“.

„Wir Geschäftsleute spüren die Unterstützung in der Bevölkerung, die verstärkt kleine lokale Geschäfte unterstützt“, sagte sie.

So viel verkauft wie nie

Andere Geschäfte haben von der Corona-Krise profitiert. „Uns haben die Corona-Beschränkungen nicht irgendwie getroffen“, berichtete Andreas Kalt, Mitarbeiter im Farbenhaus Bissantz an der Ecke Waldstraße/Kasseler Straße in der Gartenstadt. So viele Farben habe er noch nie verkauft. „Die Menschen bleiben zu Hause. Es wird viel renoviert oder neu gestaltet. Die Leute kommen plötzlich verstärkt zu uns, weil sie merken, dass es hier noch Geschäft vor Ort gibt.“

Auch Karsten Erb, Inhaber der Firma Pfaffenhuber & Fahrradklinik am Speckweg auf dem Waldhof, bezeichnete den Zuspruch nach Wiedereröffnung des Fahrradgeschäfts „als momentan gut“. Die Werkstatt habe man auch während der Coronabeschränkungen die ganze Zeit geöffnet haben dürfen. Weil viele Mannheimer während der Corona-Krise verstärkt ihre Fahrräder wieder nutzten, habe man denn auch deutlich mehr zu tun gehabt.

„Schlimm“ findet Kalt die mit der Öffnung der Läden verbundenen Auflagen, wie etwa die Pflicht zum Tragen von Gesichtsmasken, aber auch die Warteschlangen vor dem Geschäft. „Wenn die Leute merken, dass sie sich anstellen müssen, laufen sie weg – das ist der Corona-Geschichte geschuldet“, bedauert er.