Sandhofen

Sandhofen Bezirksbeiräte und Bürger diskutieren zum Thema Windräder im Mannheimer Norden / Heftige Kritik an derzeitigen Standort-Plänen

„Das ist ein Schlag ins Gesicht“

Archivartikel

Für heftige Diskussionen sorgte das Thema Windenergieanlagen bei der jüngsten Bezirksbeiratssitzung im Lutherhaus in Sandhofen. Bei der Vorstellung des Flächennutzungsplanes sorgten sich Bürger und Beiräte vor allem um die Folgen für Mensch, Tier und Natur.

Nach heftiger Kritik an Standorten im Käfertaler Wald hatte der Nachbarschaftsverband auch alternative Flächen im Bereich nördlich der A 6 und im Westen der Friesenheimer Insel geprüft. Der Gemeinderat hatte sich dafür ausgesprochen, den Käfertaler Wald nicht für Windräder zur Verfügung zu stellen.

Bedenken über Abstand

„Der Bereich Friesenheimer Insel liegt ganz in der Nähe der BASF. Interessiert das niemanden, dass dort viele Menschen arbeiten?“, fragte Bernd F. Siegholt (Freie Wähler/ML). Auch die Flächen weiter im Norden lägen sehr dicht an der Wohnbebauung: „Die Abstände nach Kirschgartshausen, Lampertheim oder zur Blumenau betragen ebenfalls weniger als 1000 Meter“, gab Siegholt zu Bedenken.

Die Aufstellung des Flächennutzungsplanes liegt in der Zuständigkeit des Nachbarschaftsverbandes Heidelberg-Mannheim, für den Martin Müller während der Sitzung informierte. „Alles wurde geprüft. Aussiedlerhöfe und Gewerbetreibende haben aber weniger Schutz. Die Blumenau hat die 1000 Meter Abstand bekommen, Kirschgartshausen als Aussiedlerhof nicht“, so Müller.

„Wir müssen uns mit so vielen Dingen auseinandersetzen im Norden. Das Ganze ist ein Schlag ins Gesicht für die Bürger in Sandhofen“, erklärte Wilken Mampel (CDU). Er habe Fotos mit rund 80 Störchen gemacht – nahe an der B 44. Auch geplante Biotopmaßnahmen locken Vögel an, so Mampel. Er befürchtet, dass die Tiere zu Dutzenden verenden. „Außerdem ist die Idee lachhaft, dass die Windkraft abgeschaltet wird, wenn Landwirte arbeiten“, so Mampel. Christian Konowalczyk vom Fachbereich Stadtplanung erklärte, dass Biotopplanung und Windkraft nicht im Konflikt stünden: „Es sind nur unterschiedliche Blickwinkel. Die Biotopplanung ist untergeordnet, hat keine Rechtskraft.“

Beirat Gerhard Engländer (parteilos) wollte wissen, um wie viel Windräder es sich bei den Überlegungen auf der Friesenheimer Insel handle. „Drei oder vier, vielleicht ein paar mehr, im Norden vielleicht zehn“, so Müller. Engländer gab zu bedenken, dass die Anlagen nahe am Tierheim eingezeichnet seien und sah dort enormes Konfliktpotenzial. Siegholt monierte, dass die Planung von Menschen gemacht würde, die „keinen Hintergrund“ hätten und erntete viel Beifall.

Vogelsterben befürchtet

Bürger Hans Betz erklärte: „Es ist frappierend, was man sich als Bürger in Sandhofen gefallen lassen muss. Alles, was nicht anderswo gebraucht wird, kommt in den Norden.“ Er befürchtete ein „Gemetzel“ der Vögel und dadurch eine steigende Anzahl von Füchsen, was die zahlreichen Gäste im Saal mit zustimmendem Applaus quittierten. Andere Bürger wollten wissen, ob nicht auch der Flugverkehr auf Coleman im Gegensatz dazu stehe, Windanlagen zu bauen. Ruth Burchard erinnerte daran, dass Mannheim die am dichtesten besiedeltste Stadt Baden-Württembergs sei, es aber kaum ökologische Ausgleichsflächen gebe: „Wir hätten sie, aber man will sie uns wegnehmen.“

Künftig überall zulässig

Martin Müller beantwortete alle Fragen professionell, was Bezirksbeiräte und Bürger honorierten: „Unsere Kritik geht auch nicht persönlich an sie“, sagten mehrere Beiräte. Müller erklärte: „Wir hören oft von Bürgern, dass wir die Anlagen bauen oder ermöglichen wollen, aber das stimmt nicht. Das Ganze kommt von der Bundes- oder Landesregierung.“ Er erläuterte, dass Windenergieanlagen künftig überall in Außenbereichen zulässig seien, solange keine öffentlichen Belange entgegenstünden. Ein Bauverbot sei aber weiter möglich, wenn im Flächennutzungsplan Konzentrationszonen dargestellt würden.

Mit Thomas Hornung (CDU), Dirk Grunert (Grüne), Roland Weiß (ML) und Andrea Safferling (SPD) verfolgten auch einige Stadträte die Sitzung. Grunert bilanzierte: „Ich hätte mir gewünscht, dass die Verwaltung ihre Ziele offensiver vertritt und bin gespannt, ob sich die Leute hier auch so mit dem Quecksilber beschäftigen wie mit Windrädern.“

Sitzungsleiter Egon Jüttner (CDU) erkundigte sich nach dem weiteren Vorgehen zum Thema Windräder. „Es muss am Ende durch eine Mehrheit beschlossen werden. Wir sind aber nah am Konsens“, informierte Müller. Jüttner bat darum, von der Sitzung mitzunehmen, dass im Norden großer Widerstand herrsche.