Sandhofen

Sandhofen Klärwerk führt Kinder hinter die Kulissen / Feuchttücher und Essensreste im Klo können zum Problem werden

Dreckbrühe wird klares Wasser

„Woher kommt denn das Trinkwasser?“, fragte Sabine Pich die interessierte Kinderschar im Klärwerk Sandhofen. Die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit führte die Mädchen und Jungen hinter die Kulissen und bekam prompt eine Antwort von einem kleinen Jungen: „Aus der Kläranlage.“

Der junge Besucher hatte zuhause zudem eine weitere Beobachtung gemacht: „Bei uns ist mal braunes Wasser aus der Leitung gekommen.“ Das sei wohl eher eine rostige Leitung gewesen, deutete Pich die Beobachtung des Jungen. Das Mannheimer Leitungswasser stamme jedenfalls aus dem Grundwasser und aus dem Odenwald, informierte Pich. Und nach der morgendlichen Toilette, dem Händewaschen und dem Zähneputzen verschwinde das Wasser wieder, eröffnete Pich die Tour.

Insgesamt 900 Kilometer Abwasserkanäle verlaufen unter Mannheims Straßen. Die Kanäle sammeln alles auf, jede Toilettenspülung, jeden Liter aus dem Waschbecken und jeden Regentropfen aus dem Gulli. Und das Wasser habe nur ein Ziel: Das Klärwerk in Sandhofen. „Hier kommt alles wieder raus.“

Zwei Gruppen unterwegs

Eigentlich steht Abwasser nicht so im Fokus der Kinder, aber zur Kinderführung im Mannheimer Klärwerk kamen die gleich Scharenweise, so dass die Gruppe geteilt werden musste: Neben Pich führten auch Lothar Schifferdecker und Rosemarie Weiß jeweils eine Gruppe Kinder durch die Anlage.

Die Führung begann jedenfalls gleich mit einer Sensation für die Kinder, denn der Hauptzulaufkanal spuckte nicht nur dreckiges Wasser aus, sondern auch dutzende tote Ratten: „Die haben wir immer nach Starkregen“, so Schifferdecker. „Ratten sind immer da, wo es Essensreste gibt. Die ernähren sich davon“, erklärte Weiß den Kindern das Leben der Kanalratten. Und sie gab ihnen auch eine Regel mit auf den Weg, damit Ratten nicht zur Plage werden: „Keine Essensreste ins Klo!“ Einer aus der Gruppe jedenfalls fand die toten Ratten eher traurig als spannend und warf eine Gänseblume für die vielen toten Tiere in den Kanal.

Richtig gestunken hat es dann noch mal im Rechenhaus, in dem alle groben Stoffe aus dem Abwasser gefiltert werden. Und bevor die Kinder wieder raus an die frische Luft durften, gab Schifferdecker ihnen noch eine weitere Regel mit auf den Weg: „Feuchttücher gehören in den Müll und nicht ins Klo.“ Und so folgten die Kinder dem Dreckwasser durch das Klärwerk, bis sie zum eigentlichen Höhepunkt der Anlage kamen, dem Belebungsbecken. Doch da war nichts zu sehen außer braunes sprudelndes Wasser, denn dort sind Mikroorganismen aktiv: „Das sind die eigentlichen Macher der Kläranlage“, so Weiß, „die Tierchen fressen alles auf.“

Fleißige Tierchen

Und wie effektiv diese Tierchen sind, war im nächsten Becken zu sehen: Aus der braunen Mannheimer Dreckbrühe war wieder klares Wasser geworden. Das durchlief noch einen Aktivkohlefilter, in dem die Rückstände von Medikamenten entfernt werden sowie noch einen generellen Filter, bevor es sauber in den Rhein fließt. „24 Stunden ist das Wasser in der Anlage bei uns, dann ist es wieder sauber“, so Schifferdecker zum Abschluss der Tour: „Wir machen hier im Schnelldurchgang, was die Natur sonst ganz langsam macht.“

Am schnellsten hatten es aber die Kinder gesehen: in einer Stunde von der Dreckbrühe zum sauberen Wasser. Aber sicherheitshalber stand am Ende der Tour erst mal Händewaschen an.