Sandhofen

Scharhof Landwirt und Jäger arbeiten am Mampelhof mit moderner Technik / Flugobjekt spürt Jungtiere vor dem Mähen auf / Vorfälle mit beißenden Hunden

Einsatz von Drohnen rettet Rehkitze

Drohnen im Einsatz für den Naturschutz: Wie das funktionieren kann, zeigten Wilken Mampel vom Mampelhof auf dem Scharhof und Alexander Fleck, Kreisvorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung. Die unbemannten, vom Boden aus zu steuernden Flugobjekte setzt der Landwirt Wilken Mampel zur Rettung versteckter Rehkitze ein – und zwar, bevor er seine Wiesen im Großen Bruch, der Sallweide, mäht. Das ist das Flurstück nördlich Sandhofens zwischen Scharhof und Lampertheim entlang der B 44.

Anhand einer Diashow erklärte Mampel den etwa 30 Teilnehmern die Handhabung einer Drohne. Die Bilder zeigen den Einsatz und das Auffinden der von ihren Müttern im hohen Gras oder Getreide vor den Fressfeinden – Füchse oder Greifvögel – versteckten Kitze.

Bei der Erkundung mit dem Flugobjekt, so der Landwirt, komme es oft auch zu einem Fehlalarm – etwa, wenn sich Blätter von der Sonne aufheizen und die Drohne dies von der Wärme her als Kitz „erkennt“. Einige Wochen vor der Veranstaltung der Mittelstandsvereinigung hatte Mampel bereits mit den Jägern Bernd Oehmig und Dorit Bauer, den ehrenamtlichen Naturschutzwarten der Stadt Mannheim, das Terrain gesichtet und fünf Kitze gefunden.

Der aus Sandhofen stammende Bernd Oehmig, der auch Leiter der Jagdschule Rhein-Neckar ist, vermeidet es beim Wegtragen, die Tiere direkt anzufassen. Stattdessen „bewaffnet“ er sich mit Gras, damit die Kitze, die nach dem Mähen wieder an ihren ursprünglichen Platz gesetzt werden, nicht seinen Geruch annehmen. Wäre das nämlich der Fall, würde die Rehmutter ihr Kind verstoßen.

Pflege des Wildbestands

Deshalb appellieren Bernd Oehmig, Dorit Bauer und Wilken Mampel auch an Bürger, die Kitze entdecken: „Diese auf keinen Fall anfassen!“ Wer ein Reh findet, solle sich entweder an die Polizei oder den Jäger selbst wenden – unter der Telefonnummer 0171/37 13 226.

Oehmig und seine Lebensgefährtin beobachten das Verhalten des Wildes zu den unterschiedlichsten Tages- und Nachtzeiten. Ihre Aufgabe sehen sie in der Pflege des Wildbestandes. Die Jäger und der Landwirt arbeiten Hand in Hand, damit Tiere beim Mähen nicht verletzt werden.

Das sieben Hektar große Flurstück abzulaufen und nach versteckten Tieren zu suchen, dauert etwa drei Stunden. Sollte ein vom Mähdrescher verletztes Tier, das die Drohne nicht sichten konnte, gefunden werden, führt der erste Weg zu Tierarzt Daniel Mayer in Sandhofen, der die Tiere ehrenamtlich behandelt. Bekannte des Jägers, Anne und Ralph Steffen aus Gaiberg, päppeln die verletzten Tiere dann wieder auf.

Auch die Drohnen-Aktion ist nicht kostenlos. Wilken Mampel finanziert sie. Dem Naturschutz ebenso verbunden ist seine Frau Bettina. Sie betreibt im Winter eine Igelaufzuchtstation.

Ein Appell der Jäger und des Landwirts richtet sich an Hundehalter. Sie sollten zumindest ab Mai so lange, bis die Wiesen abgemäht sind, ihre Vierbeiner nicht frei laufen lassen. Bisher seien vier Kitze beißenden Hunden zum Opfer gefallen.